Prost ohne Promille
Ein kühles Bier zum Feierabend, ein Glas Wein zum Anstossen – Alkohol ist aus vielen sozialen Situationen nicht wegzudenken. Doch gerade an heissen Tagen ist Alkohol nicht zu unterschätzen. Wir zeigen, dass alkoholfreie Alternativen nicht nur beim Geschmack punkten, sondern auch gut für die Gesundheit sind.
Blanca Bürgisser

Der Vorsatz, auf Alkohol zu verzichten, wird von den meisten Menschen im Januar gefasst. Kein Wunder: Nach den oftmals üppigen Festtagsmahlzeiten, bei denen rege angestossen wird, brauchen viele eine Pause. Und schliesslich ist der Jahresanfang auch die Zeit der guten Vorsätze. Im Sommer sind die ambitionierten Ziele dann meist schon verpufft. Dabei wäre die warme Jahreszeit eigentlich ideal, um auf Alkohol zu verzichten.
Gefährliche Kombination
Eine der wichtigsten Funktionen unseres Körpers an heissen Tagen ist das Schwitzen. So kann die Körpertemperatur reguliert werden. Allerdings verlieren wir dadurch auch viel Flüssigkeit, es ist also wichtig, genügend zu trinken. Während wir Wasser gut aufnehmen und «verschwitzen» können, regt Alkohol den Harndrang an, wodurch der Körper zusätzlich ausgetrocknet wird. Das Wasser wird so nicht mehr ausgeschwitzt, sondern geht direkt über die Blase ab. Der Körper kann sich nicht mehr genügend gegen die Hitze schützen, wodurch das Risiko eines Kreislaufkollapses oder Hitzeschlags steigt. Bei hohen Temperaturen sind alkoholische Getränke deshalb nicht die ideale Wahl.
«Gerade im Sommer lohnt es sich, auf Alkohol zu verzichten, denn bei Hitze benötigt der Körper besonders viel Flüssigkeit.»

Verzicht, der guttut
Alkohol hat jedoch nicht nur im Sommer Auswirkungen auf unsere Gesundheit. So schreibt die Weltgesundheitsorganisation (WHO): «Beim Alkoholkonsum gibt es keine gesundheitlich unbedenkliche Menge.» Die WHO will damit insbesondere darauf aufmerksam machen, dass Alkohol seit Jahrzehnten als karzinogen gilt, darüber aber kaum gesprochen wird.
Die Krebsforschung stuft Alkohol in der Gefahrengruppe 1 ein, zu der auch Asbest oder Tabak gehören. Alkohol ist nicht nur krebsfördernd, sondern hat auch zahlreiche andere Nebenwirkungen. Kein Grund zur Panik: Weil wir das schon lange wissen, gibt es auch zahlreiche Untersuchungen dazu, wie sich der Körper wieder erholt.
Bereits nach einem einmonatigen Alkoholverzicht können erste physische und psychische Verbesserungen spürbar werden. Eine solche Verbesserung ist die Schlafqualität. Nach einem Monat ohne Alkohol wird der Schlaf wieder tiefer und erholsamer. Auch die Hirnzellen, deren Zahl sich durch Alkoholkonsum verringern kann, erholen sich nach einem Monat des Verzichts wieder. Neben dem Hirn profitieren auch andere Organe. So kann das durch Alkohol verursachte Leberfett bereits nach zehn Tagen Abstinenz um 30 Prozent zurückgehen. Auch dem Verdauungstrakt tut der Verzicht gut. Bis sich die Schleimhaut von Magen und Dünndarm erholt, dauert es jedoch weit länger als einen Monat. Studien zeigen, dass es Menschen, die an hohem Blutdruck oder Herzrhythmusstörungen leiden, besser geht, wenn sie auf Alkohol verzichten. Der Mythos, dass Alkohol in geringen Mengen gut für das Herz sei, ist übrigens inzwischen widerlegt. Auch das grösste Organ, die Haut, wird oftmals klarer und gesünder ohne Promille.

Aromatische Alternativen
Auf Alkohol zu verzichten, bedeutet jedoch keineswegs, auch auf Genuss zu verzichten. Die Auswahl an alkoholfreien Drinks ist besonders in den letzten Jahren enorm gewachsen. Für fast jeden Drink gibt es mittlerweile eine Alternative ohne Alkohol.
Die Berliner Cocktail-Designerin und Bartenderin Linh Nguyen gibt in ihrem Buch «Like a Virgin. Die Mocktail Bibel» Tipps, wie der perfekte alkoholfreie Drink gelingt. «Es geht darum, dass jeder die Möglichkeit haben sollte, mit einem Drink anzustossen, der mehr als eine blosse Alternative ist – sondern ein echter Genussmoment, der sich voll entfalten kann.» Der Kern der Mixologie – der Kunst des Drink-Mischens – sieht sie in der Balance: «Es geht darum, jede Geschmackskomponente auf der Zunge anzusprechen und so ein harmonisches Gesamterlebnis bilden. Doch ein gelungener Drink soll nicht nur den Geschmackssinn ansprechen, sondern auch die anderen Sinne. Als Erstes wird ein Drink meist mit den Augen wahrgenommen. «Die Farbe des Drinks, die Präsentation im Glas und die Garnitur – all das beeinflusst, wie wir den Geschmack wahrnehmen, noch bevor wir den ersten Schluck kosten.» Dafür setzt Linh Nguyen auf gezielte Akzente wie etwas Zitronenzeste oder einen Zweig Rosmarin als Garnitur. Diese begeistern nicht nur optisch, sondern sprechen auch den Geruchssinn an.
Genussvoll und gesund
Drinks ohne Promille können auch unserer Gesundheit guttun. Kräuter und Gewürze können zu köstlichen Getränken mit wohltuender Wirkung verarbeitet werden. Dabei kann man die Zutaten gezielt auf die eigenen Bedürfnisse abstimmen. Gerade bei Hitze können die richtigen Zutaten eine kühlende Wohltat sein. Neben Minze wirken auch Zitronenmelisse, Basilikum und Salbei kühlend. Verstärkt wird der erfrischende Effekt durch die Kombination mit Zitrusfrüchten. Dasselbe kann man selbstverständlich im Winter mit wärmenden Kräutern und Gewürzen wie Ingwer, Rosmarin, Chili oder Zimt tun. Passend dazu haben wir anbei ein Rezept für Sie bereit. Ich wünsche Ihnen viel Spass beim Experimentieren!

LIL’ SIS von Linh Nguyen
10 cl Prosecco, alkoholfrei
2 cl Holundersirup
5–10 Minzblätter
grüner Tee zum Auffüllen
GLAS Ballonglas oder Weinglas
DEKO Minzzweig, Limette, Zitrone
EIS Würfel
Alle Zutaten in ein Glas mit Eiswürfeln geben. Vorsichtig umrühren. Mit Minzzweig, Limette und Zitrone garnieren.

Buchtipp:
Like a Virgin. Die Mocktail Bibel – Linh Nguyen, Callwey, München, 2025 ISBN 978-3-7667-2787-9
