Kleine Kraftpakete
Sprossen sind für viele nur Beigemüse, das ab und zu als unscheinbare Garnitur
auf dem Salat auftaucht. Höchste Zeit, dass sich das ändert! Denn Sprossen sind
nicht nur lecker, sondern sie strotzen nur so vor gesunden Inhaltsstoffen.
Blanca Bürgisser

S prossen sind wahre Kraftpakete. Trotz ihrer kleinen Grösse sind sie reich an Vitaminen, Mineralstoffen und sekundären Pflanzenstoffen. In keinem anderen Wachstumsstadium ist die Dichte an gesunden Inhaltsstoffen bei einer Pflanze so hoch wie im Stadium der Sprosse. Sobald ein Same keimt, startet eine Reihe von Stoffwechselvorgängen, die der Pflanze die nötige Energie zum Wachsen liefern. Diese Wandlungsprozesse steigern auch die Bioverfügbarkeit der Inhaltsstoffe. Das heisst, dass der menschliche Körper Vitamine, Mineralstoffe und Proteine besser aufnehmen und verwerten kann. Gerade im Winter, wenn weniger frisches Gemüse verfügbar ist, sind Sprossen die perfekte Ergänzung für eine ausgewogene Ernährung. Weil Sprossen so leicht sind, reichen sie allein nicht aus, um den täglichen Nährstoffbedarf zu decken. So müsste man beispielsweise 200 Gramm Sprossen essen, um den Tagesbedarf an Vitamin C (100 mg) zu decken. Eine typische Packung Kresse, wie sie im Supermarkt zu finden ist, enthält aber gerade mal 30 bis 50 g Sprossen.
Alles für die erfolgreiche Sprossenzucht
Die gute Nachricht: Damit der Sprossenanbau zu Hause gelingt, braucht es neben den Samen lediglich ein Sprossenglas. Dieses ähnelt einem Konfitürenglas, statt mit einem herkömmlichen Deckel wird es aber mit einem Sieb verschlossen. So kann das Wasser abtropfen und die Feuchtigkeit staut sich nicht. Damit das Glas die optimale Position dafür hat, erhält man beim Kauf meistens eine passende Halterung dazu, auf der das Glas leicht schräg sitzt.
Da das Glas wiederverwendbar ist, entsteht kaum Abfall. Ausserdem entfallen dank der eigenen Sprossenzucht lange Transportwege. Sprossen sind also nicht nur gut für die Gesundheit, sondern auch für die Umwelt.
Richtige Pflege
Eine gute Hygiene ist das A und O bei der Sprossenzucht. Das feucht-warme Milieu, in dem die Sprossen gezogen werden, begünstigt nämlich das Wachstum von Bakterien und Pilzen. Deshalb muss das Sprossenglas vor Gebrauch gründlich gereinigt werden. Sprossen, die im Glas gezogen werden, sollten mehrmals täglich durchgespült werden. Ideal sind Temperaturen zwischen 18 und 20 Grad. Sobald Anzeichen von Schimmel sichtbar sind, muss das ganze Pflanzengut entsorgt werden. Beim Kauf der Samen empfiehlt es sich, auf biologisches Saatgut zu setzen, das für die Sprossenzucht und nicht für den Gartenanbau gedacht ist.

Sprossengläser haben im Deckel ein feines Netz, damit das Wasser ablaufen kann und sich die Feuchtigkeit nicht staut.
Trotz dieser Schritte ist eine absolute Keimfreiheit nicht garantiert. Personen mit geschwächtem Immunsystem sollten deshalb auf den Verzehr von Sprossen verzichten.
Grosse Vielfalt
Ist das Sprossenglas installiert, hat man die Qual der Wahl: Die Sprossenvielfalt ist riesig, da kann es schon mal vorkommen, dass man vor lauter Sprossen den Wald nicht mehr sieht. Es lohnt sich, sich etwas einzulesen, um die Sprosse zu finden, die den eigenen Bedürfnissen entspricht. Für einen ersten Einblick in das vielfältige Angebot stellen wir Ihnen im Folgenden drei verschiedene Sprossen vor.
Alfalfa: Die Alfalfa, auch als Luzerne bekannt, ist aus gutem Grund eine der beliebtesten Sprossen. Der mildnussige Geschmack und ihre knackige Textur machen sie zu einer wahren Gaumenfreude, passend für Salate und Smoothies. Der hohe Chlorophyllgehalt der Alfalfa-Sprossen kann dabei helfen, den Säure-Basen-Haushalt ins Gleichgewicht zu bringen und die Leber zu unterstützen. Die enthaltenen Saponine können die Produktion von Giftstoffen im Darm reduzieren und so das Immunsystem stärken. Dieser positive Effekt wird durch den hohen Vitamin-C-Gehalt unterstützt. Zudem ist sie reich an sekundären Pflanzenstoffen, die auch antikanzerogen wirken können, das heisst, sie können die Bildung und Verbreitung von Krebszellen stören. Zusätzlich wirken die kleinen Kraftpakete antibiotisch und antifungal. Ausserdem wird ihnen ein cholesterinsenkender Effekt zugeschrieben.
Brokkoli: Die Brokkoli-Sprossen schmecken mild-würzig. Sie passen wunderbar zu Salaten, Smoothies und Suppen. Wie bei allen Sprossen ist auch ihr Geschmack ganz anders als der des ausgewachsenen Gemüses. Was Brokkoli-Sprossen besonders gesund macht, sind die enthaltenen Senfölglykoside. Diese wirken antientzündlich, schwächen das Wachstum von Krebszellen und können Tumorstammzellen angreifen. Die entzündungshemmende Wirkung kann zudem bei chronischen Erkrankungen wie Arthritis oder Herz-Kreislauf-Beschwerden hilfreich sein. Der hohe Gehalt an Vitamin C und Antioxidantien kann die Abwehrkräfte stärken und so das Immunsystem unterstützen. Die enthaltenen Ballaststoffe beeinflussen die Verdauung positiv und können Verstopfungen vorbeugen.
Kresse: Die Kresse hat einen scharfen Geschmack und eignet sich perfekt als Salatgarnitur. Sie eignet sich aber auch für ein leckeres Frühstück: Einfach eine Scheibe Brot mit etwas Butter oder Frischkäse bestreichen und die Sprossen darüber streuen. Kresse wirkt antientzündlich, antibiotisch und antifungal. Das liegt unter anderem an den enthaltenen Glucosinolaten. Diese dienen der Pflanze als Schutz vor Fressfeinden. Beim Menschen können sie als Antioxidantien vor freien Radikalen schützen. Dadurch können sie den Kampf gegen Krebs unterstützen. Zusätzlich wird ihnen eine blutdrucksenkende Wirkung zugeschrieben. Kresse kann auch blutverdünnend wirken, wodurch das Risiko für Thrombosen sinken kann. Dank ihrer harntreibenden Wirkung kann Kresse zudem dabei helfen, den Körper zu entgiften. Dafür muss aber genügend Wasser getrunken werden.
Gesunder Farbtupfer
Während die meisten Sprossen grün sind, gibt es auch blaue, rote oder violette Arten. Dazu zählen beispielsweise Rettich und Radieschen. Diese sind nicht nur optisch ein Hingucker: Die für diese Farben verantwortlichen Anthocyane können antioxidativ wirken. Das bedeutet, dass sie dabei helfen können, Zellstress zu reduzieren, der die Entstehung von Arthritis, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs begünstigt.
Sprossen bereichern Gerichte Suppen optisch ebenso wie geschmacklich.
Sprossen kommen nicht nur in Grün daher, sondern auch in Rot und Violett.
Nicht alles, was keimt ist eine Sprosse!
Die Begriffe «Sprosse» und «Keimling» werden oft synonym verwendet, meinen aber nicht ganz dasselbe. Der Keimling, auch Keimsprosse genannt, ist der erste Austrieb aus dem Saatgut. Sprosse, teils auch Grünsprosse, bezeichnet hingegen den Stängel und die Keimblätter, also das Stadium, bevor die ersten «richtigen» Blätter spriessen.
Sowohl Keimlinge als auch Sprossen können im Sprossenglas gezogen werden. Sprossen kann man aber auch in der Erde pflanzen. In diesem Fall nehmen die Sprossen zusätzlich zu den Nährstoffen aus den Samen auch Nährstoffe aus der Erde auf.
So gelingt die Sprossenzucht zu Hause
1.) Spülen Sie die Samen in einem Sieb unter fliessendem Wasser ab.
2.) Weichen Sie die Samen über Nacht im Wasser ein.
3.) Stellen Sie das Sprossenglas schräg, sodass das Wasser ablaufen kann. Platzieren Sie das Glas an einem hellen Ort, aber nicht im direkten Sonnenlicht.
4.) Spülen Sie die Sprossen täglich zwei- bis viermal mit Wasser ab, um Schimmelbildung zu verhindern.
5.) Nach einigen Tagen sind die Sprossen gross genug, um geerntet zu werden. Der richtige Zeitpunkt ist, wenn sich Keimblätter, aber noch keine richtigen Blätter, gebildet haben.
6.) Schütten Sie die Sprossen vor dem Verzehr aus dem Glas und spülen Sie sie gründlich durch.
