Die Zwetschge – die süsse Herbstbotin

Tag und Nacht gleichen sich an, die Temperaturen werden milder und frühmorgendliche Nebelfelder kündigen den Jahreszeitenwechsel an. Der September ist der kalendarische Herbstanfang und hiess deshalb früher auch Herbstmond oder Herbstmonat. Wir widmen uns einer besonderen Saisonfrucht und zeigen, wie vielseitig die Zwetschge eingesetzt werden kann.

Sophie Souvignier

Auch in dieser Ausgabe nehmen wir Sie in unserer Reihe «Regional und Saisonal auf eine kulinarische Entdeckungsreise durch die Schweiz mit. Neben einer besseren Ökobilanz bringt die saisonale Ernährung mehr Abwechslung in den Speiseplan, wodurch mehr Vitamine, Mineralien und andere Nährstoffe aufgenommen werden. Ausserdem erlebt man die geschmackliche Vielfalt der Schweiz und gewinnt neue Aromen in der Küche. Um herauszufinden, welche Gemüse und Früchte Saison haben, helfen Saisonkalender wie der von Bio Suisse, Swissmilk oder dem WWF. Noch einfacher gelingt das regionale Kochen, wenn man den Wochenmarkt des eigenen Ortes oder einen Hofladen besucht. Hier unterstützt der Einkauf zusätzlich direkt regionale Landwirt*innen und Hersteller*innen.

Eine vielseitige Steinfrucht

Sie sind klein, oval und von einer blauen, violetten oder sogar blauschwarzen Färbung. Aber nicht nur ihr Äusseres unterscheidet die Zwetschge von ihrer «grossen» Schwester, der Pflaume. Beide gehören zur Familie der Rosengewächse (Rosaceae) und der Gattung Prunus, unterscheiden sich jedoch in Geschmack und Konsistenz. Pflaumen sind viel saftiger, haben einen kleineren Kern und sind häufig süsser als Zwetschgen. Diese sind deutlich fester, haben ein gelbes Fruchtfleisch und einen Kern, der beim Halbieren ganz praktisch herausnehmbar ist. Die Schale der Zwetschge ist zudem von einer natürlichen Wachsschicht überzogen, wodurch sie weniger glänzt als das deutlich farbenfrohere Äussere der Pflaume.

Beide kündigen jedoch den Herbstanfang im Garten an, denn sie eignen sich ideal für die Kultur im Hausgarten. Besonders die modernen Sorten sind in der Pflege anspruchslos und erbringen, selbst wenn sie im Volumen kleingehalten werden, ergiebige und vielseitig verwertbare Erträge. 

Im Gegensatz zu Pflaumen, die aufgrund ihrer Saftigkeit ideal für die Herstellung von Konfitüren, Chutneys oder Schnaps geeignet sind, ist vorwiegend die Festigkeit der Zwetschge Grund für ihre Einsatzfelder in der Küche. Sie ist eine sehr beliebte Back- und Kochzutat, da sie selbst bei grosser Hitze ihre Form behält. Darüber hinaus ist sie vor allem wegen ihres aromatischen Geschmacks ein gern gesehener Gast in Kuchen, Marmeladen, als Beilage zu herzhaften Fleischgerichten, als Mus oder einfach als kleine, gesunde Nascherei zwischendurch. In der Schweiz erfreut sich auch die Dörrvariante der Zwetschge grosser Beliebtheit und ist häufig als Zutat in Früchtebroten oder dem Gâteau à la papète aus dem Kanton Waadt zu finden. Auch als Snack für zwischendurch, zum Beispiel auf Wanderungen, sind Dörrzwetschgen eine vitaminreiche und gesunde Verpflegung.

«Saisonal geniessen bedeutet, die geschmackliche Vielfalt der Schweiz neu zu entdecken.»

Die Zwetschge überzeugt nicht nur als Zutat in Desserts oder als fruchtige Geschmacksnote in herzhaften Rezepten, sie ist auch bis obenhin mit wichtigen Vitaminen und Mineralstoffen gefüllt. Mit 240 mg Kalium pro 100 g Frucht können die kleinen Herbstboten einen wichtigen Beitrag zum täglichen Bedarf leisten. Ausserdem enthalten sie Magnesium, Vitamin C sowie die seltenen Vitamine B1 und B6 und Pantothensäure, die den Stoffwechsel unterstützen. Dank des grossen Gehalts an Ballaststoffen wirkt das Obst zudem verdauungsfördernd. Eine wahre Vielseitigkeitsmeisterin des Herbstes, wie auch die folgenden Zwetschgenrezepte zeigen.


Mit Zwetschgen gefüllte Laugenbrezelknödel

Zubereitung 

Milch, Butter, Eigelb und Petersilie vermengen. Brezelwürfel zugeben, eine halbe Stunde ziehen lassen. Mit Gewürzen abschmecken. Dann geschlagenes Eiweiss un­terheben, kneten. Aus der Masse Knödel formen. Dörrzwetschgen hineindrücken. Das Loch verschliessen. Die Knö­del in Klarsichtfolie eindrehen. In 80 °C heissem Wasser 30 Minuten ziehen lassen. Leicht abkühlen lassen und die Folie entfernen.

60 g Butter schmelzen, durch ein Passiertuch geben und nochmals erhitzen, bis sie goldgelb bis hellbraun ist.

Die Knödel in der Nussbutter schwenken und auf Rotkraut servieren.


Zutaten

  • 50 g flüssige Butter
  • ½ l Milch
  • 5 Eigelb
  • 1 Bund Petersilie, ohne Stiele gehackt
  • 5 geschlagene Eiweiss
  • 500 g Laugenbrezelwürfel
  • 8 Dörrzwetschgen
  • Salz, Muskatnuss
  • 500 g Rotkraut, gekocht
  • 60 g Butter


Rezept

Natürlich Irma

Autorin: Irma Dütsch
269 Seiten, 22 cm × 26 cm
ISBN 978-3-03818-005-0
CHF 59.–


Rehschnitzel mit Zwetschgen und Butterrösti

Zubereitung

Die Rehschnitzel zwischen Klarsichtfolie plattieren und mit Salz und Pfeffer würzen. In Butter und Öl beidseitig anbraten, danach aus der Pfanne nehmen und warm halten.

Für Butterrösti Kartoffeln schälen und grob raspeln, salzen. In der Pfanne Butter erhitzen und die geraspelten Kartoffeln portionieren (dazu passen Ausstecher von 8 bis 10 cm Durchmesser). Mit Hilfe eines Esslöffels jeweils zu einem Kuchen formen, nicht mehr wenden. Anbraten und dann bei kleiner Hitze weitere 10 bis 15 Minuten braten lassen, danach wenden und nochmals 10 bis 15 Minuten braten.

Zwetschgen halbieren und entsteinen, in der heissen Butter rasch beidseitig anbraten, mit dem Zucker bestreuen und karamellisieren, Wein dazugiessen und auf die Hälfte einkochen lassen. Wildfond hinzufügen und mit Maisstärke klumpenlos binden, aufkochen.


Zutaten

für 4 Portionen

  • 8 Rehschnitzel
  • Butter, Öl
  • Salz, Pfeffer
  • 1 kg Kartoffeln, am Vortag gekocht
  • Butter
  • Salz
  • 350 g Zwetschgen
  • 15 g Butter
  • 1 EL Zucker
  • 100 ml Rotwein
  • 50 ml Wildfond
  • 1 TL Maisstärke


Rezept

Alpe-Chuchi Berner Oberland

Autorin: Anna Husar
240 Seiten, 160mm × 230 mm
ISBN 978-3-03818-557-4
CHF 39.–


Zwetschgen-Clafoutis

Zubereitung 

Masse — Eier mit Zucker und Salz verrühren. Mehl mit dem Schwingbesen darunterrühren, bis es keine Klümpchen mehr hat. Butter schmelzen, mit Milch und Rahm darunterrühren, bis die Masse ganz glatt ist. Vanillestängel längs aufschneiden, Samen auskratzen und mit dem Zimt unter die Masse rühren. Zugedeckt zirka 30 Min. quellen lassen. Masse in eine Gratinform (zirka 1½ Liter Inhalt, gefettet) füllen. Zwetschgen halbieren oder in Schnitze schneiden, in die Masse legen.

Ofen — 180 °C / Ofenmitte / zirka 45 Min.

Herausnehmen, leicht abkühlen lassen. Mit Puderzucker bestreuen, lauwarm servieren.


Zutaten

  • 3 Eier
  • 80 g Zucker
  • 2 Prisen Salz
  • 70 g Mehl
  • 40 g Butter
  • 2½ dl Milch
  • 1 dl Vollrahm
  • 1 Vanillestängel
  • 1 Msp. Zimtpulver
  • 500 g Zwetschgen
  • Puderzucker


Rezept

Guet. Schweizer Küche neu interpretiert

Autorinnen: Daniela Bieder; Monika Hansen; Claudia Link
320 Seiten, 21,5 × 25,5 cm
ISBN 978-3-03818-413-3
CHF 49.–

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