Das kulinarische Erwachen der Natur

Die Natur erwacht und beginnt zu blühen, die Bären lassen ihre Winterruhe hinter
sich und locken wieder Besucher*innen nach Bern. Gleichzeitig zieht der letzte Schnee des Jahres Wintersport-Verrückte in die höheren Regionen des Landes, während sich die Kleinsten bereit machen, auf die Suche nach Ostereiern, Schokohasen und vielleicht sogar einem echten Häsli zu gehen. Die Monate März und April bringen aber auch die ersten kulinarischen Frühjahrsboten mit sich, die wir heute in einem leckeren Menü kombinieren werden, das sicher auch an Ostern begeistert.

Sophie Souvignier

I n unserer neuen Reihe – Regional und Saisonal Essen – nehmen wir Sie auf eine kulinarische Entdeckungsreise durch die Schweiz mit, denn eine saisonal-regionale Ernährung bringt viele Vorteile mit sich – aber was genau versteht man darunter? Der regionale Aspekt ist vor allem ein räumlicher, der jedoch gar nicht so genau definiert werden kann. Die Region, aus der ein Lebensmittel stammt, unterliegt nämlich keiner geschützten Definition, sondern kann vom Nachbarort bis hin zur gesamten Schweiz reichen. Für die eigene, umweltbewusste Ernährung gilt natürlich «je näher, desto besser», aber auch hier gibt es wichtige Unterschiede, die vor allem durch einen Fokus auf saisonale Lebensmittel positiv ausfallen können.

Saisonale Lebensmittel, vor allem Gemüse und Früchte, sind diejenigen, die in einem Gebiet von wenigen Kilometern (das heisst: sehr regional) unter den naturgegebenen Bedingungen im Freiland oder in unbeheizten Gewächshäusern heranreifen. Diese saisonal-regionalen Produkte bieten viele Vorteile. Einer davon ist sicherlich die bessere Ökobilanz, vor allem gegenüber tropischen Früchten, die aus weiter Entfernung eingeflogen werden müssen, sowie gegenüber Produkten, die zwar regional angebaut werden, aber in einem beheizten Gewächshaus. Auch Konsument*innen beeinflussen die Ökobilanz direkt, indem sie beispielsweise mit dem Auto einkaufen fahren, viele tierische Produkte konsumieren und (plastik-)verpackte Lebensmittel kaufen. Saisonale Ernährung hat jedoch noch weitere Vorteile: Wenn die eingekauften Produkte variieren, entsteht mehr Abwechslung, die für die Versorgung mit Vitaminen, Mineralien und anderen Nährstoffen sorgt. Ausserdem ermöglicht das Kochen mit saisonal-regionalen Produkten, dass man die kulinarische Vielfalt der Schweiz kennenlernt und sich neue Geschmäcker in die Küche holt. 

Hierbei ist ein Schwerpunkt auf saisonales Obst und Gemüse besonders lohnend, da sie den Geschmack des Frühlings direkt auf den Teller zaubern. Hilfreich sind dabei Saisonkalender wie die von Bio Suisse, Swissmilk oder vom WWF, die anzeigen, wann welche Gemüse und Früchte Saison haben. Die kann man sich einfach in die Küche hängen, oder hat sie auf dem Smartphone direkt beim Einkauf griffbereit. Bei vielen Händler*innen ist bereits an den Preisschildern vermerkt, wo die Produkte angebaut wurden. Noch einfacher ist eine regionale Küche, indem man den Wochenmarkt des eigenen Ortes oder Hofläden besucht. 

Veilchen können zum Verfeinern und Verschönern von Salaten verwendet werden.

Hier ermöglicht der Einkauf zusätzlich die direkte Unterstützung der regionalen Landwirt*innen und Hersteller*innen und wer weiss, vielleicht entdeckt man zugleich noch einen neuen kulinarischen Schatz der Region. Mit diesen Tipps wird der saisonal-regionale Einkauf erleichtert und der vielfältige Geschmack Schweizer Gemüse und Früchte gelangt schon bald in Ihre Küche. In den Monaten März und April sind dies beispielsweise Bärlauch, Brennnesseln, Kohlrabi, Rhabarber und Veilchen. Wie man diese gut in ein Menü einbinden kann, zeigen wir Ihnen auf den nächsten Seiten.

 


Vorspeise: Kohlrabicarpaccio mit Linsensprossen

Zubereitung

Linsensprossen — Linsen in eine Schüssel geben, mit reichlich kaltem Wasser übergiessen und über Nacht einweichen. Linsen abtropfen, feucht in ein Keimglas geben. Linsen ca. 3 Tage keimen lassen, dabei zweimal täglich durchspülen. Die Linsen sollten nie im Wasser und auch nicht im direkten Sonnenlicht (Hitze) stehen. Wenn die Linsen einen 1–2 cm langen Keim gesprossen haben, nochmals gründlich waschen, abtropfen.

Carpaccio — Kohlrabi schälen und dünn hobeln, Kräuter fein schneiden. Kohlrabischeiben auf Tellern verteilen. Kräuter mit Essig, Öl, Honig und Salz verrühren, darüberträufeln. Linsensprossen darauf anrichten.

Tipp — Mit Veilchen garnieren.

Zutaten

30 g grüne Linsen
2 Kohlrabi
½ Bund Basilikum
½ Bund Dill
½ Bund glattblättrige Petersilie
3 EL Weissweinessig
3 EL Olivenöl
1 TL Honig
½ TL Salz


Hauptspeise: Brennnessel-Ravioli

Zubereitung

Brennnessel — Brennnesselblätter in siedendem Salzwasser blanchieren. Ca. 10 besonders schöne Blätter herausnehmen, sorgfältig auf ein sauberes Küchentuch legen, beiseitelegen. Restliche Blätter abtropfen, ausdrücken und fein hacken.

Pastateig — Mehl auf die Arbeitsfläche geben, in der Mitte eine Mulde eindrücken. Eier in die Mulde geben, mit einer Gabel die Eier verquirlen, dabei immer etwas Mehl hineinarbeiten. Zu einem glatten Teig kneten, zugedeckt ca. 30 Min. ruhen lassen. Teig in 4 Portionen durch die Pastamaschine drehen und zu Streifen von ca. 15 cm Breite auswallen. Wenn der Teig dünn ausgewallt ist, die beiseitegelegten Brennnesselblätter auf zwei Teigstreifen verteilen, restliche Teigstreifen darauflegen und nochmals durch die Pastamaschine drehen. Unter einem feuchten Küchentuch beiseitelegen.

Füllung — Kartoffeln in Stücke schneiden, in siedendem Salzwasser weich kochen, ganz auskühlen lassen. Schalotte und Knoblauch fein schneiden. Butter in einer Pfanne schmelzen, Schalotte und Knoblauch ca. 5 Min. andämpfen, gehackte Brennnesseln beigeben und ca. 5 Min. mitdämpfen, ganz auskühlen lassen. Kartoffeln durch das Passevite oder die Kartoffelpresse treiben, mit gedämpften Brennnesseln, Mascarpone, Sbrinz und Eigelb mischen, würzen.

Zutaten

200 g Brennnesselblätter
300 g Weissmehl
3 Eier
200 g mehligkochende Kartoffeln
1 Schalotte
1 Knoblauchzehe
1 EL Butter
100 g Mascarpone
100 g geriebener Sbrinz
1 Eigelb
½ TL Salz
Pfeffer
1 Eiweiss
40 g Butter



Dessert: Götterspeise mit Rhabarber und kandiertem Salbei

Zubereitung
Ofen — 180 °C / Ofenmitte / ca. 15 Min. Folie entfernen, ca. 5 Min. fertig backen. Herausnehmen, in der Form ganz auskühlen lassen.

Kandierte Salbeiblätter — Wasser und 100 g Zucker in einer kleinen Pfanne unter gelegentlichem Rühren erwärmen, bis sich der Zucker gelöst hat. Hitze reduzieren und ca. 2 Min. weiterköcheln. Zuckersirup etwas abkühlen. Salbeiblätter in den Sirup tunken, abtropfen, im restlichen Zucker wenden, auf ein Backpapier legen und bei Raumtemperatur trocknen lassen.

Creme — Vanillestängel längs aufschneiden und Samen auskratzen. Die Schale der Zitrone mit einem Sparschäler abschälen. Vanillestängel, -samen und Zitronenschale mit 5 dl Milch in eine Pfanne geben und aufkochen. Vom Herd nehmen und zugedeckt ca. 10 Min. ziehen lassen. Vanillestängel und Zitronenschale entfernen. Restliche Milch mit Zucker und Maizena glattrühren, Eier darunterrühren und alles zur Milch geben. Bei mittlerer Hitze unter ständigem Rühren zum Kochen bringen. Sofort vom Herd nehmen, kurz weiterrühren, durch ein Sieb in eine Schüssel giessen, Creme direkt mit Frischhaltefolie bedecken (so bildet sich keine Haut), ganz auskühlen lassen.

Götterspeise — Zwieback grob zerbröckeln, mit Rhabarberkompott und Vanillecreme auf Tellern anrichten. Mit kandierten Salbeiblättern garnieren.

Zutaten

800 g Rhabarber
100 g Zucker
½ dl Wasser
130 g Zucker
16 Salbeiblätter
1 Vanillestängel
1 Bio-Zitrone
6 dl Milch
2 EL Zucker
1½ EL Maizena
2 Eier
100 g Zwieback

Tipp — Statt Rhabarber können Aprikosen, Kirschen oder Zwetschgen verwendet werden.
Alle Rezepte sind aus dem Buch «GUET» von Daniela Bieder, Monika Hansen und Claudia Link: www.weberverlag.ch
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