Wir sind quitt
Quitten machen viel Arbeit – aber die lohnt sich. Die Frucht, die schon schöne Römerinnen dufte fanden, erlebt unter Feinschmeckern und bei Gartenfreunden eine kleine Renaissance.
Die Zeit der Quitten hat begonnen. Obwohl dieses äusserst vitamin- und ballaststoffreiche Kernobst heute auf dem Markt keine bedeutende Rolle spielt, ist das Interesse in den letzten Jahren gestiegen. Quitten eignen sich nicht nur zum Einmachen von Marmelade und Gelee, sondern sind auch zu Fisch, Fleisch, für Kompott und Suppen oder als Gebäck und Kuchen eine willkommene Abwechslung auf dem täglichen Speiseplan.
«Für den Frischverzehr sind sie, mit Ausnahme einiger roh essbaren Sorten vom Balkan, aus Mittelasien sowie aus südlichen Ländern, nicht zu empfehlen, da ihr Fruchtfleisch von knorpelig-holziger Konsistenz ist», sagt Ueli Gremminger vom Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg, Abteilung Obstbau in Gränichen (AG). «Erst durch Kochen oder Dünsten werden die Früchte essbar und zu einem Genuss für unsere Sinne», schwärmt er.
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• Landwirtschaftliches Zentrum in Liebegg
• Gemüseland
Quittenparfüm für Römer
Die ursprüngliche Heimat der Quitte (Cydonia oblonga) liegt vermutlich in Transkaukasien, dem Kaukasus, Turkestan, Iran, Südostarabien, Kreta, dem Balkan, Japan sowie in den milden Zonen Nordamerikas. Die Römer entdeckten die Quitte in der Stadt Kydonia (heute: Chania) im Nordwesten der griechischen Insel Kreta, wo sie bereits seit etwa 650 vor Christus kultiviert wurde. Schon im alten Rom war man nicht nur von den Früchten begeistert, sondern fing bereits ihren verführerischen Duft in Form von Parfüms ein. Von Rom aus trat die Quitte schliesslich ihre Reise über die Alpen in die nördlichen Provinzen des Reiches an, wo sich der Anbau schnell ausbreitete. Der wissenschaftliche Name Cydonia leitet sich bis heute von der altkretischen Stadt ab; er bedeutet so viel wie «Apfel, der aus Kydonia kommt».
Die Form bestimmt den Namen der Quitten, in der Schweiz auch Küttene genannt, sie gehören wie Äpfel und Birnen zum Kernobst und zählen wie diese zur Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Die hohen Sträucher oder kleinen Bäume erreichen eine Höhe zwischen drei und fünf Metern, sie eignen sich so auch für kleine Gärten und verleihen diesen einen besonderen Zauber.
Quitten auf einen Blick
• Quitten reifen je nach Sorte zwischen Anfang und Ende Oktober.
• Die Früchte sind erntereif, wenn ihre Farbe von Grün nach Gelb umschlägt.
• Bei zu spät gepflückten Früchten neigt das Fruchtfleisch zum Verbräunen, dadurch geht das Aroma verloren.
• Beim Kauf sollten Sie auf unversehrte Früchte achten. Quitten reagieren empfindlich auf Druckstellen und verderben dadurch schneller.
• Quitten sind bis auf einige Sorten nicht für den Rohverzehr geeignet.
• An einem kühlen Platz lassen sich die Früchte bis Weihnachten lagern.
• Unter den heimischen Obstarten enthalten nur Quitten mehr Pektin als Äpfel.
• Quitten werden wegen ihres ausgezeichneten Aromas als Würzstoff eingesetzt, unter anderem in Likören oder als Duftspender in Räumen.
• Quitten sind ideal zur Herstellung von Kompott, Gelee oder Konfitüre.
• Vor der Verarbeitung der Früchte sollten Sie darauf achten, dass Sie die filzige Behaarung auf der Schale mit einem trockenen Küchentuch abreiben.
• Quitten enthalten je 100 Gramm essbarem Anteil lediglich 38 Kalorien oder 158 Kilojoule.
Gesünder als die Konkurrenz
Quitten verschönern nicht nur jeden Garten, in ihnen schlummert auch ein grosses Potenzial an gesundheitsfördernden Wirkstoffen: Sie enthalten etwa doppelt so viel Pektin wie Äpfel. Diese natürliche, wasserlösliche Pflanzenfaser quillt im Dickdarm mächtig auf und bildet ein zähflüssiges Gel, das potenzielle Schad- und Giftstoffe umhüllt und dadurch deren Aufnahme verhindert. Dazu ist inzwischen wissenschaftlich nachgewiesen, dass Pektin den Cholesterinspiegel und damit das Herzinfarktrisiko dadurch senken kann, dass es im Darm Gallensäuren bindet, über den Stuhl werden Fett und Cholesterin dann ausgeschieden. Aufgrund ihrer Quellfähigkeit besitzt die Pflanzenfaser weitere positive Eigenschaften: So bleibt das Fruchtfleisch nicht nur länger im Magen, es verlangsamt auch die Aufnahme von Zucker und Nährstoffen in den Blutkreislauf. Auf diese Weise stellt sich ein angenehmes Sättigungsgefühl ein. Übergewichtige und Diabetiker können so dauerhaft mit Hilfe einer ballaststoff- und pektinreichen Ernährung einige Pfunde verlieren und ihren Blutzuckerspiegel konstant niedrig halten.
Tipps aus der Naturapotheke
Neben dem Fruchtfleisch lassen sich auch die schleimbildenden Quittenkerne nutzen. Dabei ist zu beachten, dass die Kerne immer im Ganzen und mit etwas Wasser gekocht werden. Quittenkerne sollten niemals zerkleinert werden, denn dabei wird Blausäure freigesetzt, die selbst in geringen Mengen giftig ist. Der bei schwacher Hitze gekochte dicke Schleim ist als Gurgelmittel gegen Zahnfleisch- und Rachenentzündungen hilfreich. Darüber hinaus ist er wirksam bei Entzündungen von Magen, Darm oder der Atemwege. Quittenschleim lindert äusserlich aufgetragen rissige, spröde Haut, kleine Brandwunden, Frostbeulen und aufgesprungene Lippen. Ein altes Hausmittel bei Entzündungen im Hals- und Rachenraum oder auch bei Bronchitis sind Quittenkerne mit Spitzwegerich-Sirup vermischt. Hierfür werden zehn Gramm Kerne mit zwei Deziliter Wasser angesetzt. Den entstandenen Schleim mit Spitzwegerich-Sirup mischen und mehrmals über den Tag verteilt jeweils einen Teelöffel davon einnehmen.
Quitten enthalten zudem eine Menge an Vitaminen, Mineralstoffen und Kieselsäure, wodurch zusätzlich die Abwehrkräfte gestärkt werden. Ihre Gerbstoffe wirken reizmildernd und zusammenziehend, weshalb Quittenkompott gerne in der Volksmedizin bei Magen- und Darmkatarrh Verwendung findet. Wegen ihres hohen Pektinggehaltes werden sie häufig bei der Arznei-Herstellung, insbesondere von Husten-, Magen- und Darmmitteln eingesetzt.
Literatur
• Lucas Rosenblatt und Freddy Christandl: «Quitten – Das Comeback einer vergessenen Frucht», Fona-Verlag, Fr. 28.–
• Clemens Zerling: «Lexikon der Pflanzensymbolik», AT-Verlag, Fr. 59.90
Foto: fotolia.com, bildlich.ch
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