Tierfutter: da wirds einem hundeelend!

Eva Rosenfelder | Ausgabe_07_08_2014

Für die Nahrungsmittel- und Pharmaindustrie sind unsere geliebten Haustiere vor allem eines: potente Kundschaft.

Die Nahrungsmittelindustrie hat das Geschäft mit der «Tierliebe» längst entdeckt. Dort, wo der zwischenmenschliche Kontakt immer armseliger wird, muss oft das Haustier einspringen: als Partnerersatz, Familienbegleiter und Therapeut – als Platzhalter für Menschliches und Allzumenschliches – und immer wieder auch als Wegwerfartikel.

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Futtermittelbuch-Verordnung (FMBV) vom Bund über sämtlich zugelassenen Futtermittelzusatzstoffen und technischen Hilfsstoffen im Tierfutter
Dioxin im Tierfutter
Website von Lotti Egli
Gesunde Hunde
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Kiwanga: Savannah Cats
hunde oase

Mit Futter und Zubehör setzt die Branche weltweit jährlich 70 Milliarden um, Tendenz steigend. Produkte für Heimtiere gelten als Wachstumstreiber und krisensicheres Geschäft. Man weiss, dass tierliebende Menschen eher bei sich selbst Abstriche machen, als bei ihren Samtpfoten und Pelzknäueln. Für die ist nur das Beste gut genug.

Getreide für Raubtiere

Trockenfutter besteht vorwiegend aus Getreide wie Weizen, Reis, Mais und Soja. Getreide ist billiger als Rohstoffe tierischer Herkunft. Es besteht aus Kohlenhydraten, die zwar schnelle Energie liefern, aber für zu dicke, wenig aktive oder noch wachsende Hunde und Stubentiger gänzlich ungeeignet sind. Denn wenn die Kohlenhydrate vom Organismus nicht sofort genutzt werden, lagern sie sich für Notzeiten in Form von Fettzellen im Körper ab. Deshalb ist Trockenfutter vor allem eines: gut geeignet zum Heranzüchten von lukrativen Lightfutter-Konsumenten, die es auch unter den Haustieren immer häufiger gibt.

Schlachtabfälle ohne Nährwert

In der Schweiz gibt es drei Kategorien von Schlachtabfällen, die so entsorgt werden sollen, dass sie für Mensch, Tier und Umwelt kein Risiko darstellen. Das «Fleisch» aus den viel beworbenen Dosen und Beuteln der Grosskonzerne stammt ausschliesslich aus Rohstoffen der Kategorie drei, die nahezu unbegrenzt erhältlich sind.

Das sind nicht etwa nur Abfallprodukte aus der Schlachtindustrie, sondern auch aus der Abdeckerei (Kadaver). Diese dürfen wegen der BSE-Gefahr weder als Lebensmittel für Menschen noch als Futter für Nutztiere verwendet werden. Den Heimtieren aber darf man das Zeugs weiterhin verfüttern: «Als Folge dieser Einschränkungen bei Nutztieren, werden die Schlachtabfälle der Kategorie drei heute vorwiegend zu Heimtierfutter verarbeitet …», ist auf der Website des Bundesamtes für Landwirtschaft nachzulesen.

Tiermehl hat kein Gesicht

Verboten sind Waren der Kategorie eins. Dazu gehören Kadaver von Versuchstieren oder Tieren, die ansteckende Krankheiten hatten.

Auch Waren der Kategorie zwei wie Gülle, Magen-Darm-Inhalte und Schlachtabfälle mit Medikamentenrückständen dürfen nicht für Tierfutter verwendet werden. Was den belgischen Tierkörperbeseitigungsanlage-Konzern Rendac nicht hinderte, aus Klärschlamm Tierfutter aufzubereiten – um nur einen von vielen Futterskandalen zu nennen. Es gibt auch offiziell legitimierte Skandale: Vom Schweizer Bund offiziell nur im Heimtierfutter zugelassen sind auch gentechnisch veränderte Organismen (GVO); zudem dürfen minderwertige Spaltöle aus der Industrie als Fette verwendet werden: mit ihnen können gefährliche Giftstoffe ins Tierfutter gelangen.

Futtermüll mit Lockstoffen

Die Verwertung der erlaubten Schlachtabfälle geschieht grossindustriell. Meist beginnen die Abfälle schon während ihrer langen Transportwege zu verderben. Um in den Futtermitteln noch verwendet werden zu können, müssen sie in den Verarbeitungsrmen stark erhitzt, zerkleinert und sterilisiert werden. So entstehen Tiermehle, die von den grossen Futtermittelfirmen gekauft und zu Futter für unsere Lieblinge verarbeitet werden. Eine Spur von «Fleisch» – magere vier Prozent – sind den branchenüblichen Gepflogenheiten gemäss genug, um als solches bezeichnet zu werden, was auch vom Gesetzgeber toleriert wird.

Die Herstellung mit hoher Temperatur und hohem Druck zerstört die letzten Nährstoffe, Eiweisse, Enzyme und Vitamine, die im minderwertigen Rohmaterial allenfalls noch vorhanden wären. Um diese Defizite auszugleichen, wird in die chemische Trickkiste gegriffen: Unzählige synthetische Zusatzstoffe und Geschmacksverstärker sollen die Hunde- und Katzennasen überlisten. Tatsächlich ist fast jedes Fertigfutter der Grosskonzerne nichts anderes als eine künstlich gemischte Chemiepampe.

Kein Tier würde diesen Müllmix je anrühren, wäre er nicht mit massenhaft Geschmacksverstärkern und Aromen aufgepeppt. Stoffe, die wiederum aus der Industrie stammen – wie beim industriellen «Menschenfrass». Neben klassischen Zutaten wie Glutamat, Hefeextrakt, Zucker, Karamell und Melasse hat die Industrie Zeugs wie Leberspray, Fettgeschmack und unzählige Aromen und Gewürze im Angebot. Sie fördern eine unnatürliche Gefrässigkeit und machen selbst schlechteste Zutaten schmackhaft.

Krank: Mensch und Tier

«Mit der Maskierung des Futtermülls lässt sich dem Tier fast alles unterjubeln», schreibt Hans-Ulrich Grimm in seinem Schwarzbuch Tierfutter «Katzen würden Mäuse kaufen.» Im Gegensatz zu den Lebensmitteln für Menschen müssen Geschmacksverstärker und Aromen auf Tierfutter-Verpackungen nicht deklariert werden. Sie hätten wohl zu wenig Platz auf der Verpackung.

«Ist es verwunderlich, dass immer mehr Vierbeiner an allerlei Krankheiten leiden, die es unter Tieren eigentlich nicht gibt?», fragt Grimm rhetorisch. Leiden, die bisher nur Frauchen oder Herrchen kannten: Zivilisationskrankheiten wie Allergien, Neurodermitis, Hautausschläge oder psychische Störungen.

Freudiges Fressen

Nun drängt sich natürlich die Frage nach einer artgerechten, gesunden Ernährung unserer Haustiere auf. Sie erklärt sich von selbst, wenn wir uns an die wahre Natur unserer Katzen und Hunde erinnern. Als domestizierte «Raubtiere» brauchen sie Nahrungsmittel auf Fleischbasis. Haben Sie je einen Wolf gesehen, der Getreide frisst – oder eine fette Raubkatze beobachtet in freier Wildbahn?

Kompliziert ist gesunde Ernährung nicht – auch wenn uns die Futtermittelindustrie dies weismachen will. Gemäss Tierhomöopathin Lotti Egli aus Neftenbach (ZH) gehören zu einer gesunden Hundeernährung Frischfleisch mit Innereien, etwas frisches Gemüse und Obst, gutes Lein- oder Sesamöl und Knochen für den Hund und gelegentlich Fisch für die Katze. «Nahrungsmittel mit hohem Pflanzenanteil oder hohem Kohlehydratanteil wie beim Trockenfutter gehören nicht in die Nahrung von Fleischfressern. Sie richten auf die Dauer enorme Schäden an», sagt Egli. Unzählige ihrer vierbeinigen Patienten haben nach einer radikalen Nahrungsumstellung eine frappante Besserung ihrer zum Teil massiven Beschwerden erfahren.

Ähnliches berichten viele begeisterte BARFER (BARF = biologisch artgerechtes rohes Tierfutter). Ihre Tiere seien vitaler, hätten ein glänzendes Fell und würden nicht mehr schlecht aus dem Maul riechen, berichten sie.

Literatur
• Hans-Ulrich Grimm: «Katzen würden Mäuse kaufen.» Schwarzbuch Tierfutter, Heyne Verlag, 2009, Fr. 15.90
• Jutta Ziegler: «Hunde würden länger leben, wenn …» Schwarzbuch Tierarzt, MVG Moderne, 2011, Fr. 29.90

Fotos: thinkstock.com, zvg, fotofinder.com


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