Hereinspaziert

Remo Vetter | Ausgabe 04 - 2012

Ein Gärtner lernt nie aus: Deshalb schätzt Remo Vetter die Fragen und den Austausch mit seinen grossen und kleinen Besuchern. Doch mit dem Frühling kommen nicht nur die geschätzten Gäste, sondern auch die Schnecken wieder.

Der Garten ist ein Raum zur Selbstverwirklichung. Im Garten lassen sich kühne Ideen säen und pflanzen – und bei Nichtgefallen wieder ausgraben und kompostieren. Während aus mehr oder weniger talentierten Malern kaum je ein Monet oder Bonard wird, graben, schnipseln und pflanzen sich Laien-Gärtner im Laufe der Jahre oft in die Liga der Gartenkünstler.

Mein Garten macht mich froh, weil er mir das Gefühl schenkt, mit der Natur zu werkeln: «Natur light» – mit mir und der Schöpfung in Einklang sein. Ein Garten ist nicht nachtragend. Er verzeiht Erziehungs- und Behandlungsfehler wesentlich leichter als manch ein Kind, ein Partner oder der Hund. Und manchmal blüht er dadurch sogar in ungeahnter Weise auf.

Nicht alle sind willkommen

In einem gesunden Garten machen Schädlinge wie Schnecken zwar kaum Probleme. Nichtsdestotrotz bleibt auch unserer Garten nicht verschont. Eine Grundvoraussetzung für eine wirksame Schneckenbekämpfung sind unserer Meinung nach starke, robuste Pflanzen. Wählen Sie deshalb widerstandsfähige Sorten und treiben Sie diese nicht unnatürlich schnell zum Wachstum an. Pflanzen Sie nicht zu eng, und sorgen Sie für eine gute Durchlüftung des Bodens. Lassen Sie keine Pflanzenreste auf den Beeten herumliegen. Binden Sie Kletterpflanzen wie Gurken gut an. Schnecken klettern nicht und können so keinen Schaden anrichten.

All diese Massnahmen helfen, den Garten weniger attraktiv für Schnecken zu machen. Doch leider reicht das nicht aus. Eine Möglichkeit, die Tiere fernzuhalten, besteht darin, Sägespäne aus unbehandeltem Holz, Holzasche aus dem Kamin, Eierschalen, Algenkalk oder Steinmehl zu vermischen und die Mischung rund um die Gemüsekulturen zu streuen. Wir tun dies vor allem bei Neuaussaaten mit grossem Erfolg.

Am Abend ist jeweils ein interessantes Schauspiel zu beobachten: Nachdem die Schnecken mit einigem Widerwillen die Häckselwege bewältigt haben, haftet ihnen auf dem Weg zu den Gemüsebeeten die feine Sägemehlmischung an der Kriechsohle. Die Asche und der Feinkalk entziehen ihnen die Feuchtigkeit, was sie am Ende vertreibt. Diese «Schneckenabwehrmischung» muss vor allem nach Regengüssen erneut ausgestreut werden, Sägespäne und Kalk wirken nur, solange sie trocken sind.

Arbeiten im April
Ernte

● Frühlingszwiebeln, die im vorigen Herbst gesät und im Beet überwintert wurden, sind jetzt erntereif.
● Junge Blätter von Pflücksalat, der früh gesät wurde, weiterhin ernten.
● Feldsalat und Rucola gedeihen, wenn sie im Frühbeet oder Tunnel vor Frost geschützt werden.
● Den letzten Winterlauch ernten.
● Die ersten Spargelstangen drängen ans Licht. Geschnitten werden sie, wenn sie fingerdick sind und 20 bis 30 Zentimeter Länge haben.
● Den Mangold, den wir im Winter mit Stroh abgedeckt haben, treibt und liefert herrliche Stiele und Blätter.
● Die letzten im Vorjahr gepfl anzten Brokkoli können geerntet werden.
● Wenn Sie sehr früh gesät haben, können Sie jetzt bereits den ersten Spinat ernten.
● Wir ernten Federkohl und räumen das Beet ab, um Platz für anderes Gemüse zu nutzen.
Säen
● Auberginen, Tomaten, Paprika, Gurken, Zucchini und Kürbisse im Haus aussäen, um sie später ins Freiland zu pfl anzen.
● Rosenkohl, Brokkoli und Blumenkohl können jetzt ins Freiland gesät werden, am besten in ein mit gut verrottetem Mist «beheiztes» Saatbeet, aus dem sie später an ihren definitiven Platz umziehen. Wir arbeiten übrigens in das Starterbeet nebst Mist meist auch eine Packung Beinwell und Brennnessel mit ein und haben so eine gute Dünge- und Wärmepackung von unten.
● Karotten, Randen und Wurzelgemüse können ins Freiland gesät werden, allerdings den Boden schützen, wenn er noch feucht und kalt ist.
● Stangensellerie, Endivie und Gemüsefenchel in Saatkästen oder im Treibbeet säen. Im Mai abhärten und im Juni auspflanzen.
● Die meisten Kräuter können ins Freiland gesät und gepflanzt werden. Problematisch sind südländische Kräuter wie Basilikum, Rosmarin und Verveine. Hier warten wir bis nach den Eisheiligen ab.
● Lauch und Zwiebeln direkt an Ort und Stelle pflanzen.
● Kopfsalat, Gartenkresse, Rucola, Portulak und Feldsalate ins Freiland säen, jedoch in kalten Regionen mit Flies vor Kälte schützen.
● Erbsen und Bohnen im Folientunnel säen.
● Vorgekeimte Kartoffeln jetzt setzen.

Wohlfühlzone für Schnecken

Schnecken legen ihre Eier im Boden an feuchten und geschützten Stellen ab. Zu diesem Zweck haben wir im Garten ein «Schneckenparadies» eingerichtet. So können wir die Tiere dorthin lotsen, wo wir sie haben wollen. Wir schichten dazu frisch geschnittenes Gras, Laub, Gemüseabfälle aus dem Garten oder Kaffeesatz auf einen Haufen, den wir zusätzlich noch befeuchten. Interessant ist, dass die Schnecken den Haufen aus grosser Entfernung ansteuern. Natürlich platzieren wir diesen Haufen an einem für Schnecken nicht sehr attraktiven Ort, nämlich weitab von unseren frisch ausgesäten und ausgepflanzten Gemüsesetzlingen. Abgesehen davon, gelten folgende Tiere als effiziente Schneckenvertilger: Laufenten, Igel, Spitzmäuse, Eidechsen, Kröten und Laufkäfer.

Der Igel beispielsweise ist ein Nimmersatt und verspeist auf seinen nächtlichen Ausflügen Unmengen von Schnecken, Raupen und Tausendfüssler. Darum ist er in unserem Naturgarten ein gern gesehenes Tier. Leider findet er heute in den meisten herausgeputzten Gärten keine Brut- und Winterquartiere mehr. Wir haben einige «Igelhotels» aus Holzbeton aufgestellt. Sie dienen unseren kleinen, stacheligen Helfern als Winterquartier, Tagesversteck und im Frühling und Herbst als Wurflacher. Die Tiere schätzen unsere «Hotels» und lassen sich dort gerne nieder. Schützen Sie den Eingang vor Zugluft und direkter Sonneneinstrahlung. Der Zugang sollte nicht über Rasenflächen führen, denn die nachtaktiven Igel mögen keine feuchten Wege. Als Nistmaterial eignen sich Heu, Stroh oder Zeitungsknäuel.

Der Autor
Remo Vetter wurde 1956 in Basel geboren. 1982 stellte ihn der Heilpfl anzenpionier Alfred Vogel ein. Seither ist Vetter im Gesundheitszentrum in Teufen (AR) tätig, wo er mithilfe seiner Familie den Schaukräuter garten von A. Vogel hegt.

Fotos: fotolia.com, marfis75 / flickr / cc

Tags (Stichworte): GartenGärtnerHausSchneckenVetter

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