TCM und TEN im Vergleich

Aktualisiert: Sept 10

Kategorie: Gesundheit


Die Traditionelle Europäische Naturheilkunde (TEN) ist das westliche Pendant zur Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Ein Vergleich – auch mit der Schulmedizin.


Obwohl TEN und TCM jeweils eigenständige Medizinsysteme sind, «gibt es definitiv mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede. Letztere basieren meist auf unterschiedlichen Beschreibungsweisen für ein und dasselbe Phänomen», sagt Simone Wehrli Adhikari, TEN Naturheilpraktikerin mit eigener Praxis in Aarau. Olivia Steiner, dipl. Naturheilpraktikerin TCM in Akupunktur, TuinaMassage, Phytotherapie und Diätetik im luzernischen Hochdorf, stimmt ihr zu: «Die große Gemeinsamkeit von TCM und TEN ist, den Menschen ganzheitlich zu betrachten und zu behandeln. Anstatt nur die Symptome zu bekämpfen, werden bei beiden Methoden die Ursachen der Beschwerden behandelt.»



Auch Laura Jackson, deren Praxis für Integrative Chinesische Medizin und Shiatsu in der Sportclinic Zürich interdisziplinär arbeitet, betont die Gemeinsamkeiten: «TCM und TEN gehören beide zur Alternativmedizin. Im Gegensatz zum in der Schulmedizin vorherrschenden Modell der Pathogenese konzentrieren sich TCM- und TEN-Therapeuten auf die Salutogense.» Salutogenese ist ein Konzept, das sich auf Faktoren und dynamische Wechselwirkungen bezieht, die zur Entstehung und Erhaltung von Gesundheit führen sollen. Es gebe aber auch Unterschiede, so Jackson: «Die TCM kennt z. B. fünf Elemente, in der TEN sind es vier.» Zentral bei beiden Methoden sei die Frage, welches Element gestärkt werden müsse. Ein Beispiel: «Metall steht in der TCM unter anderem für die Lunge und das Immunsystem – beides ist besonders relevant in der Coronapandemie.»

Hand in Hand mit der Schulmedizin Sowohl in der TEN wie in der TCM werden mit den Patienten zunächst ausführliche Anamnese-Gespräche geführt. Jackson spricht vom «safe place», einem geschützten Raum, «um Patienten ganzheitlich abzuholen». Sie berichtet aus ihrem Praxisalltag: «Führt die Physiotherapien bei verletzten Sportlern nicht zum gewünschten Erfolg, versuchen wir in detaillierten Gesprächen zu klären, ob die Ursache der anhaltenden Beschwerden tiefer sitzen könnte, wie etwa der Unfall-Schock, der noch nicht verarbeitet wurde und buchstäblich noch in den Knochen steckt.» TCM gebe den Patienten Zeit und Raum, um den Blick über das verletzte und schmerzenden Körperteil hinaus zu öffnen. «Bei akuten Unfallverletzungen muss ein Notarzt gerufen werden. Chronifizieren sich Symptome, kann hingegen die TCM-Diagnostikmethode Ursachen sehr gut aufspüren.»