Feuer das Männerelement

Aktualisiert: Sept 3

Kategorie: Natur


Feuerspucken, Lagerfeuer, Höhenfeuer, Grill – davon fühlen sich viele Männer geradezu magisch angezogen. Doch woher kommt die Faszination für Feuer und Flammen?





Er habe schon immer gern mit dem Feuer gespielt, sagt Peter Oertle. Das meint er im wahren wie im übertragenen Sinn: Mit 19 Jahren prägte ein traumatisches Erlebnis seine Beziehung zum Feuer. Mit Freunden verbrachte er einige Tage auf einer Alp der Familie im Onsernonetal. «Mein Vater hat mir eingebläut, dass ich nur bei ganz bestimmten Windverhältnissen ein Feuer entfachen darf», erzählt Oertle. Und er war sich sicher, diesen Ratschlag befolgt zu haben. Doch es kam anders. Bald brannte der ganze Hang lichterloh. Peter Oertle wurde als Feuerteufel gebrandmarkt. Ein andermal setzte er unwillentlich mit seiner Freundin eine Wiese in Graubünden in Brand. Und schliesslich fiel ein Unterstand dem Feuer zum Opfer, als Oertle, der damals im Drogenentzug arbeitete, einen Aschenbecher zu früh im Abfallcontainer entsorgte und dadurch einen Brand auslöste. «Ich bin ein gebranntes Kind und muss aufpassen, das Spiel mit dem Feuer nicht auf die leichte Schulter zu nehmen», sagt Oertle. Seine Beziehung zum Feuer, vor dem er heute grossen Respekt habe, beschreibt er als Hassliebe.









Der Urmann am Grill Oertle ist therapeutischer Berater in Weissenburg-Berg BE; er leitete während 25 Jahren verschiedene Männergruppen, bei denen das Feuer in Ritualen eine wichtige Rolle spielte – zum Beispiel bei Feuertänzen. Dabei stellte er fest, dass Männer sich vom Feuer besonders angezogen fühlten. «Das Feuer weckt etwas Uriges, etwas Archetypisches im Mann», ist er überzeugt. Vieles laufe im Angesicht eines Feuers unbewusst im Mann ab. Nur leider sei dies dem modernen Mann von heute selten bewusst, zu stark sei dieser im Kopf verankert und nur mehr wenig mit der Natur verbunden. Aber auch heute noch fühlen sich viele Männer zum Feuer hingezogen – und sei es nur zum Grill im Garten? Der Grill gilt als direkter Nachkomme der ursprünglichsten Form der Nahrungszubereitung auf dem offenen Feuer. Als Herr über das Feuer wird der urbane Mensch urplötzlich zum Urmann, der seine Sippe mit Fleisch versorgt, das er zwar nicht selbst erlegt, dafür mit viel Hingebung zur Genussreife gebraten hat. In der Hand die Grillzange, in der anderen das Bier, um den Oberkörper eine Schürze geschnürt – eine Analogie zu königlichen Insignien wie Herrschermantel und Königszepter? «Am Grill darf der Mann etwas Ursprüngliches, etwas Wildes im positiven Sinne ausleben», sagt der Outdoorspe