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Luftkampf

Text:  tom

Sommerzeit ist Mückenzeit – und wer nicht gestochen werden will, kann auf giftige Mückenschutzmittel leider kaum verzichten, denn die meisten bekannten Hausmittel sind praktisch wirkungslos.

Fotos: istockphoto.com

Während in heissen Ländern Mücken gefährliche Krankheiten wie Malaria oder Gelbfieber übertragen, führen Mückenstiche in unseren Breitengraden lediglich zu mehr oder weniger juckenden Schwellungen. Trotzdem: Das kleine Insekt kann einem den Schlaf rauben oder morgens – nach den Stichen – den Start in den Tag verderben. Und auch an lauen Sommerabenden sind die hell summenden Biester überall mit dabei und allzeit bereit zuzustechen. Stechmücken können eine echte Plage sein.
Wie man die Blutsauger am erfolgreichsten abwehrt, weiss der Biologe Pie Müller vom Schweizerischen Tropenund Public Health-Institut in Basel: «Richtig angewendet, bieten die auch Repellentien genannten Mückenschutzmittel über Stunden den bisher besten bekannten Schutz.» 

Mückenschutz mit Garantie

Die gängigsten und vom Schweizer Tropen- und Public Health-Institut geprüften Mückenmittel tragen ein Gütesiegel. Sie wurden erweiterten Tests unterzogen und haben dabei im Labortest gegen Stechmücken über mindestens vier Stunden eine sehr gute Schutzwirkung gezeigt.

In der Schweiz sind folgende Produkte mit Garantiemarke erhältlich:

Anti Brumm Forte (28 % DEET)
Anti Brumm Naturel (31 % Citriodiol)
Anti Brumm Sensitiv (20 % Icaridin)
Autan Protection Plus (20 % Icaridin)
Autan Tropical (20 % Icaridin)
Kik aktiv (20 % DEET)
Parazeet Forte (35 % DEET)
Sensolar Zero Bite (20 % Icaridin) 

Die Unschuld der Männer

Männer sind für einmal unschuldig, denn es sind ausschliesslich die weiblichen Stechmücken, die uns an warmen Abenden im Freien oder im Zimmer belästigen und je nach Temperament bis zur Weissglut bringen. Die Weibchen brauchen Blutmahlzeiten, um Eier legen zu können. Im Vordergrund steht dabei die Suche nach Protein, das sie zwingend brauchen, um für Nachwuchs zu sorgen.
Ei, Larve, Puppe und Mücke – so verläuft der Entwicklungszyklus der Stechmücke, der je nach Temperatur zwischen ein paar Tagen und zwei Wochen dauert. Die Stechmückenlarven leben im Wasser. Weil sie die Körpertemperatur nicht selber regulieren können, wachsen sie bei warmen Wassertemperaturen schon im Frühling und im Frühsommer entsprechend schneller.
Die Stiche der Weibchen können je nach Intensität zu Juckreiz, Hautirritationen und Schwellungen führen. Verantwortlich dafür sind der durch den Stechrüssel übertragene Mückenspeichel und das eigene Gewebshormon Histamin, das bei jedem Stich in die Haut freigesetzt wird. Die Stiche sind lästig, zum Glück aber normalerweise ungefährlich. Laut Mückenspezialist Pie Müller ist in der Schweiz bis heute kein Fall bekannt, bei dem Stechmücken ein Virus übertragen hätten. 

Die Mär vom «süssen Blut»

Es ist nicht allein unser ganz persönlicher Duft, der die Mücken anlockt. Vor allem das ausgeatmete Kohlendioxid (CO2) leitet die Mücken zu ihrer Beute, aber auch die von unserer Hautausdünstung vorhandene Milchsäure gilt als Mückenmagnet. Und: Wer viel Alkohol trinkt, wird gemäss Pie Müller wegen seiner verstärkten Ausdünstung für die Plagegeister noch zusätzlich attraktiv.
Für die oft kolportierte Mär vom «süssen Blut» gibt es dagegen keine Beweise. Der individuelle Duft jedes einzelnen Menschen sei für die Mücken einfach unterschiedlich attraktiv, was erkläre, dass nicht immer alle Menschen gleich von einer Mückenplage betroffen seien.
Kalifornische Biologen glauben nun herausgefunden zu haben, dass ein einziger Rezeptor, also ein einziges ausgedünstetes Molekül, dafür verantwortlich ist, dass Mücken den Geruch und Kohlendioxid so unfehlbar wahrnehmen und ihr Opfer somit ansteuern können. Die Forscher hoffen nun, dereinst ein Mittel zu entwickeln, mit dem man diesen Rezeptor blockieren und sich damit für Mücken quasi «unriechbar» machen kann. Noch ist es aber nicht so weit und der Mückenschutz muss anders sichergestellt werden.

Kleider und Chemie

Will man den Mücken ihre Mahlzeit verderben, gilt es den Aufenthaltsort sorgfältig auszuwählen. Ist es schattig oder sind Tümpel oder ein See in der Nähe, steigt die Chance auf Stiche deutlich. Dem Wind ausgesetzte Plätze sind zwar hilfreich, aber der gemütlichen Stimmung oft auch abträglich. Auch die richtige Bekleidung hilft. Lange Hosen, Pulli und Hemden vermeiden erst einmal den direkten Kontakt. Manche Textilien sind sogar ausdrücklich stichdicht. Aber: Von oben bis unten ganz vermummt lässt sich der Sommer nicht wirklich geniessen. Bleiben also noch Mittel, die man direkt auf jene Hautpartien aufträgt, die nicht durch stichfeste Kleidung geschützt sind. 

Die Spezialisten des Tropeninstituts unterscheiden bei den Mückenmitteln zwei Kategorien: 

1. Die häufigsten und wirkungsvollsten Mittel beinhalten die konventionellen synthetischen Wirkstoffe DEET und Icaridin. Diese beiden Wirkstoffe verderben den Mücken gemäss Testresultaten die Mahlzeit am längsten.
Nachteil: Die Wirkstoffe sind hoch dosiert giftig und können langfristig angewendet zu Haut- oder Nerven- Irritationen führen. Zudem greifen diese chemischen Substanzen auch Kunststoff wie Armbanduhren oder synthetische Kleider an. 

2. Zur zweiten Gruppe gehören von der Natur inspirierte, aber meist ebenfalls synthetisch hergestellte Wirkstoffe wie zum Beispiel die als PDM bekannte Substanz Citriodiol, welche im Zitroneneukalyptus vorkommt. Auch diese Stoffe zeigen gemäss dem bei Tests von Mückenschutzmittel führenden Basler Institut Abwehrwirkung
Nachteil: Der Schutz wirkt weniger lang als bei den konventionellen Wirkstoffen. 

 Pie Müllers Devise beim Einsatz von Mückenschutzmitteln: «so wenig wie möglich – so viel wie nötig». Das gelte auch bei den in Räumen angewendeten elektrischen Verdunstern. Diese Stecker verdampfen ein Insektizid, das für Menschen und Säugetiere nur eine geringe toxische Wirkung hat. Trotzdem können vor allem Kinder allergisch mit Kopfweh darauf reagieren.
Als wenig effektiv oder gar nicht wirksam werden Anti- Mücken-Armbänder oder Pflaster, Lichtfallen und Duftkerzen beurteilt. Letztere riechen stark, nützen aber kaum. Auch Hausmittelchen wie das Aufstellen von Gewürznelken in Zitrusfrüchten, Apfelessig und Knoblauchzehen sowie die Einnahme von Hefetabletten oder Knoblauchöl gelten als wenig wirksam und beeindrucken die Stechmücken in der Regel überhaupt nicht, genauso wenig wie Ultraschallgeräte, denn Mücken nehmen keine Hochfrequenztöne war.
Wer in der Wohnung so wenig wie möglich gestochen werden will, tut deshalb gut daran, Mücken gar nicht erst ins Zimmer zu lassen. Intakte Mückengitter und Moskitonetze helfen dabei gut, vorausgesetzt, sie werden diszipliniert immer wieder richtig geschlossen. 

So haben Mücken keinen Stich

Das sind die besten Tipps der Mückenspezialisten vom Basler Tropeninstitut:

★Tragen Sie das Mückenschutzmittel 10 Minuten bevor Sie ins Freie gehen flächendeckend auf die unbedeckte Haut auf, nicht aber unter die Kleidung.
★ Mückenschutzmittel erst 15 bis 30 Minuten nach dem Auftragen von Sonnencreme anwenden.
★ Vermeiden sie den Kontakt mit verletzter oder gereizter Haut, Augen, Mund und Nasenöffnungen. Für das Gesicht Sprays zuerst auf die Handfläche auftragen, dann im Gesicht verstreichen. Kinderhände wenn möglich unbehandelt lassen, da sie sich diese häufig in den Mund stecken. Bei Augen- oder Schleimhautkontakt gründlich mit Wasser spülen und allenfalls den Arzt aufsuchen.
★ Mückenschutzmittel sind nicht wasserbeständig und müssen deshalb nach dem Schwimmen neu aufgetragen werden.
★ Waschen sie behandelte Stellen mit Seife und Wasser, sobald sie den Schutz nicht mehr brauchen. Das ist vor allem dann wichtig, wenn die Mittel häufig angewendet werden.
★ Weil auch Mückenschutzmittel keinen 100-prozentigen Schutz bieten, wirken sie am besten in Kombination mit weiteren Präventivmassnahmen wie deckende, nicht eng anliegende Kleidung.
★ Für die Behandlung von Kleidern können im Handel erhältliche permethrinhaltige Produkte eingesetzt werden. Permethrin ist ein Insektizid, welches auch eine mückenabschreckende Wirkung aufweist und selbst nach mehrmaligem Waschen noch eine (abnehmende) Wirkung zeigt.
Achtung: Mückenschutzmittel für Textilien nie auf die Haut auftragen. 

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