Ausgabe 08 - 2012

«Schächten» erscheint uns grausam - aber ist denn die christliche Massentierschlächterei in den automatisierten Fleischfabriken besser, nur weil man dort die Tiere vorher mit Elektroschocks betäubt oder mit Gas in die Ohnmacht schickt, bevor man sie mit einem Bolzenschuss tötet? Für das Tierleid in den Schlachthöfen ist einzig unser Fleischkonsum verantwortlich – und im letzten Jahr ist er wieder gestiegen. Einem Tier das Leben zu nehmen ist den 3000 Schweizerinnen und Schweizer, die sich streng an die jüdischen Essgebote halten, ein bewusst durchgeführtes und nicht industrialisierbares Ritual. Schächten ist für sie ein Ausdruck der Achtung vor der Schöpfung – und deshalb essen sie auch deutlich weniger Fleisch als der Durchschnitt der Bevölkerung. Das, und nicht die Frage, ob Schächten barbarisch sei, sollte uns in der Grillsaison zu denken geben.



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