Artikel :: Natürlich Online

Wollig warm

Kategorie: Garten
 Ausgabe_09_2013 - 01.09.2013

Text:  Mirella Wepf

Schafwolle, Hanf, Stroh – die Palette natürlicher Dämmstoffe wird immer vielfältiger. Gut so! Denn sie leisten einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz und ermöglichen ein gesundes Raumklima.

Die Schäfer schären ihre Schafe und dann landet die Wolle in der Kehrichtverbrennungsanlage. Umweltverbände, Schafzüchter, aber auch viele Schweizer Privatleute reagierten mit Empörung, als dies vor rund zehn Jahren bekannt wurde. Noch im Jahr 1990 wurde praktisch sämtliche Schafwolle von Schweizer Schafen verarbeitet. Im Jahr 2002 war es nur noch knapp die Hälfte. Der Rest – rund 400 Tonnen pro Jahr – landete im Müll. Es rechnete sich einfach nicht mehr für die Bauern. Der Grund: sinkende Subventionen des Bundes und billigere Konkurrenz aus dem Ausland, insbesondere aus Neuseeland.

Surftipps
Hier erhalten Sie weitere interessante Informationen zum Thema
fiwo - tierisch innovativ
Marc Hänni, Architekt
Info-Portale der Genossenschaft Information Baubiologie GIBBeco. Enthalten wertvolle Tipps und Infos im Ökoratgeber sowie ein umfangreiches Adressverzeichnis mit über 1700 Dienstleistungen und Produkten von Firmen, Ämtern, Organisationen, Vereinen und Genossenschaften aus der ganzen Schweiz
Schweizerische Interessengemeinschaft Baubiologie/Bauökologie (SIB): Der Verein fördert gesundes und ökologisches Bauen in der Schweiz und bietet einen baubiologischen Beratungsdienst
Anbieter von Naturbaustoffen
Ökologische Baumaterialien aus nachwachsenden und mineralischen Rohstoffen 

Den hochwertigen Rohstoff verbrennen, ist absurd, trotz schwieriger Marktlage. Denn Wolle kann nicht nur zu Textilien, sondern auch zu Isolationsmaterialien, Duvets und vielen anderen Produkten verarbeitet werden. Der Sozialarbeiter Hans- Ueli Scherrer gehörte damals ebenfalls zu den Empörten. Er arbeitete beim Verein «Kompass», der in Bischofszell (TG) Langzeitarbeitslosen in einer Schreinerei und einer Industriewerkstatt Beschäftigung bot. Dort war er unter anderem dafür zuständig, neue Produkte zu entwickeln.

Eine kleine Erfolgsgeschichte

Er erinnert sich: «Unsere erste Idee war eigentlich, etwa fünf Tonnen Wolle zu sammeln und daraus Duvets für Kinderheime in Bulgarien und Rumänien herzustellen.» Er schaltete ein Inserat in der Tierwelt und wurde vom Erfolg völlig überrumpelt: «In Nullkommanichts hatten wir 100 Tonnen beisammen.» Angesichts dieser riesigen Menge musste Scherrer nochmals über die Bücher und beschloss, es mit der Herstellung von Isolationsmaterialien zu versuchen. «Ich telefonierte mit rund 20 grossen Holzbauern und dabei stellte sich heraus, dass für eine formstabile Isolationsplatte aus Wolle eine Marktlücke bestand.» Bis dahin war nur loses, relativ weiches Blockhausvlies erhältlich, welches sehr mühsam zum Verarbeiten war.

Nach rund 40 weiteren Telefonaten stiess Scherrer schliesslich auf einen Maschinen-Ingenieur, der ihm half, einige Textilmaschinen für die Verarbeitung von Schafwolle umzurüsten. Das war vor rund zehn Jahren – heute produziert die Firma Dämmplatten für Dach und Wände, Wollflocken für die Einblasdämmung, Blockhausvlies, Stopfwolle sowie Dämmzöpfe zum Isolieren von Fenstern oder Heizungsrohren. Daneben sind noch zahlreiche weitere Produkte entstanden. Darunter Bettwaren, Nadelfiz, Isolationsplatten für Bienenstöcke oder Polierpads zur Pflege von Parkett und Steinböden.

Innert kürzester Zeit wurde der Woll-Geschäftszweig so gross, dass vom Staatssekretariat für Wirtschaft Seco die Anweisung kam, dass man ihn vom Verein Kompass loslösen müsse. Daher wurde am 1. Januar 2007 der Verein Fiwo gegründet. Fiwo steht für: Förderung innovativer Wollverarbeitung Ostschweiz. Heute hat der Verein zwölf feste Mitarbeiter und bietet 35 Ausgesteuerten eine Beschäftigung. Diese erhalten die Möglichkeit, sich wieder für eine Anstellung auf dem sogenannten 1. Arbeitsmarkt zu qualifizieren. Rund 30 Prozent der Sozialhilfebezüger, die bei Fiwo einsteigen, finden laut Scherrer innerhalb von drei bis sechs Monaten wieder einen Job. Begleitet werden sie dabei von zwei Sozialarbeitern, die sie bei Bewerbungen, Wohnungssuche, aber auch bei persönlichen Problemen oder während akuten Krisen unterstützen.

44. Bauen und Modernisieren
So baut die Schweiz! Vom 5. bis 8. September 2013 zeigt die grosse Schweizer Baumesse in Zürich auf vier Etagen alles zum Hausbau und zur Gebäudemodernisierung. Der Wettbewerb «Swiss Kitchen Award» mit den zehn schönsten Schweizer Küchenkonzepten, der Parcours «Lassen Sie Ihre Füsse sprechen» und der Exklusivbereich «Création Bad» sind eine Auswahl der zahlreichen Besucherhighlights. 600 Aussteller helfen Hauseigentümern, Bauherrschaften, Architekten und Planern mit Produkten, Branchenwissen und Neuheiten auf die Sprünge. Infos: www.bauen-modernisieren.ch, Eintritt ab 16 Jahren: Fr. 16.– / Fr. 8.– für Lernende, Studenten, AHV-Bezüger.
Leserangebot
25 Prozent Rabatt auf Onlineticket für «natürlich»-Leserinnen und -Leser mit Zugangscode BM13PRPR0042 unter www.bauen-modernisieren.ch/ticket oder mit dem SBB RailAway-Kombi-Angebot.

Eine Herzensangelegenheit

Gut gedämmte Häuser brauchen weniger Heizenergie und schonen so das Klima. Isoliermaterialien aus nachwachsenden Rohstoffen bieten den besten Klimaschutz – ein Aspekt, der vielen Bauherrschaften am Herzen liegt. Punkto Materialien haben sie die Qual der Wahl. Denn neben Stroh und Wolle bietet der Markt Produkte aus Hanf, Flachs, Kork, Holz, Zellulose, Schilfrohr, Kleie, Gras, Kokosfasern, Roggenschrot. Sogar aus Seegras, das an die Mittelmeerstrände angeschwemmt wird, wird mittlerweile Dämmwolle hergestellt.

Interessant: Preislich mögen einzelne natürliche Baustoffe im Vergleich zu anderen Isoliermaterialien recht gut mithalten, wobei allerdings die Bauweise ausschlaggebend ist. Bei einigen Nischenprodukten ist jedoch mit höheren Baukosten zu rechnen. Büeler rät interessierten Bauherrschaften, mit Architekten zusammenzuarbeiten, die ein Flair für Baubiologie haben. «Man findet sie am ehesten über Mund-zu-Mund-Propaganda und auf unseren Info-Portalen.» Bei seiner Tätigkeit als Bauberater hat er indes festgestellt, dass meist nicht ausgeklügelte Ökobilanzen und finanzielle Überlegungen den Ausschlag geben. «Am Ende entscheidet oft das Herz.»

Buchtipp
Markus Mosimann, Marc Lettau: «Das Holzhaus der Zukunft – Ökologisch bauen mit menschlichem Mass», Rotpunktverlag 2012.

Foto: thinkstock.com, zvg

Tags (Stichworte):