Willkommen, Herbst

Susanne Fischer-Rizz | Ausgabe 09 - 2011

Die grosse Uhr der Jahreszeiten ist vorgerückt und der Herbst steht vor der Tür. Der September beglückt uns mit seiner poetischen Zartheit und mit wohlausgewogener Schönheit.

Der Wandel der Jahreszeiten ist im beginnenden Herbst auf besonders intensive Weise zu spüren. «Sei wie die Jahreszeiten, heisse den Wandel mit Schönheit willkommen», flüstert die Natur uns jetzt geheimnisvoll zu. Sie öffnet uns für die Fülle des Spätsommers und nimmt uns mit, um mit ihr gemeinsam am Wandel teilzuhaben. Können wir dabei wie sie in heiterem Gleichgewicht bleiben? Gelingt es uns auch, dem Wandel in unserem Leben heiter entgegenzusehen?

Irgendwann in dieser Herbstzeit stellen wir fest, dass die Nacht nun immer früher hereinbricht und die Tage merklich kürzer werden. Um den 21. September hat sich die Jahreszeitenuhr auf eine kurze Balance zwischen Tag und Nacht, zwischen Dunkel und Hell eingeschwungen. Es ist die Zeit der Herbst-Tag- und Nachtgleiche. Wenn wir jetzt an diesen Veränderungen teilhaben, den Fluss der Energien im Jahreskreis wahrnehmen, dann können wir die Schönheit und Gelassenheit des Gleichgewichtes der Natur in die kommende, dunklere Zeit mitnehmen. Wir werden uns daran wärmen – besonders an düsteren Novembertagen.

Im Einklang mit den Jahreszeiten zu leben, Innen und Aussen miteinander zu verbinden, das hat Paracelsus, der berühmte Arzt und Alchemist des 16. Jahrhunderts, als «balsamische Zeit» bezeichnet. Unsere Lebenszeit wird dadurch balsamisch, das heisst, sie wird zum Labsal für unsere Seele und schenkt uns ein heilsames Gleichgewicht. Dies können wir besonders in unserer oft hektischen Zeit gebrauchen, um wieder bei uns selbst anzukommen und mit Gelassenheit den Turbulenzen des Lebens zu begegnen.

Die Freunde der Beeren

Nicht nur im Garten, sondern auch draussen auf den Feldern und in den Wäldern sind nun die letzten Früchte gereift. In grosser Fülle beschenkt uns die Natur und versorgt unzählige Vogelarten wie auch uns mit köstlicher und gesunder Nahrung. Die Auswahl ist vielfältig: Schlehen, Berberitzen, Kornelkirschen, Holunder, Weissdorn, Heidel- und Preiselbeeren, Hagebutten, Sanddorn, Vogel- und Mehlbeeren sowie Brom- und Himbeeren locken mit ihrer Süsse und mit herbstlichen Aromen. Für die Vögel, die Freunde der Wildbeeren, sind dies nicht nur Leckereien, sondern auch Überlebensfutter, da viele dieser Früchte bis in den Winter hinein an den Sträuchern hängen. Und was herabfällt dient zahlreichen Säugetieren wie Fuchs, Dachs, Marder, Eichhörnchen, Siebenschläfer und Reh als Nahrung. Vielleicht inspiriert uns dies, in unseren Gärten wieder mehr einheimische fruchttragende Sträucher zu pflanzen. Der Herbst eignet sich besonders gut dafür.

Korallenrote Versuchung

Die Eberesche, auch Vogelbeere genannt, ist ein Lieblingsbaum der Vögel. Jetzt im Herbst sind aus ihren milchweissen Blüten korallenrote Früchte herangereift, die schwer an den Ästen hängen. Vor allem Amseln und Drosseln werden von diesem Früchtebankett angelockt. Sie können ihm nicht widerstehen. Die Eberesche nützt die Vorliebe der Vögel zu ihrer Vermehrung. Die Samen im Fruchtfleisch der Beeren passieren unversehrt den Darm der Vögel. Überall, wo diese Kostgänger die Samen im Fruchtfleisch mit ihrem Kot ausscheiden, «säen» sie neue Bäume. Deshalb kann es vorkommen, dass Ebereschenbäumchen an so ungewöhnlichen Orten wie Astgabeln, Dachrinnen oder Felsspalten heranwachsen.

Ich liebe den herben, aromatischen Geschmack der Eberesche in Marmeladen, im Mus oder im Likör. Die frischen Beeren sollten allerdings nicht genossen werden. Sie können Erbrechen und Durchfall auslösen. Gekocht jedoch haben die Beeren Haus & Garten Der Herbst keine Nebenwirkungen mehr. Wenn man mit dem Ernten bis nach dem ersten Frost wartet, sind die Zubereitungen daraus weniger bitter. Um sie noch mehr zu entbittern, werden sie über Nacht in einer Mischung aus 1/3 Essig und 1/3 Wasser eingelegt. Danach werden sie abgeseiht, unter fliessendem Wasser gewaschen und mit wenig Wasser so lange gekocht, bis sie aufspringen und weich sind. Nun kann man sie durch ein Sieb passieren. Diese Beerenmasse kann man mit Brombeeren oder weich gekochten Apfelstücken und Zucker zu einem leckeren Fruchtmus einkochen. Etwas Zimt und Kardamom runden den Geschmack ab.

Die Autorin
Susanne Fischer-Rizzi ist Heilpraktikerin und veranstaltet seit rund 30 Jahren Seminare und Vorträge über Heilpflanzenkunde und Aromatherapie. Sie ist zudem Autorin zahlreicher Bücher im AT-Verlag. Sie lebt im Allgäu.


Fotos: vario, fotolia.com, at-verlag, zvg, foto-knaus


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