Wie gesund ist Pflanzenmilch?

Andreas Krebs | Ausgabe_6_2018

Kanadische Wissenschaftler haben die Nährwerte von Kuhmilch mit Kokos-, Mandel-, Reis- und Sojadrinks verglichen. Auf die Problematik der Zusatzstoffe weisen sie indes nicht hin.

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Der Mensch ist das einzige Lebewesen, das auch nach dem Säuglingsalter grössere Mengen Milch zu sich nimmt, hauptsächlich Kuhmilch. Diese gilt als vollwertiges Nahrungsmittel, das alle wichtigen Nährstoffe wie Fett, Kohlenhydrate, Proteine sowie Vitamine enthält. Allerdings haben 2,2 bis 3,5 Prozent der Säuglinge und Kinder eine Kuhmilchallergie und etwa 15 bis 75 (!) Prozent eine Milchzuckerunverträglichkeit (Laktoseintoleranz).

Wer keine Kuhmilch verträgt oder mag, findet ein grosses Angebot an veganen Milchalternativen. Wobei diese als «Getränke» oder «Drinks» bezeichnet werden, da die Warenbezeichnung «Milch» hierzulande nur für Tiermilch erlaubt ist. Kanadische Wissenschaftler von der McGill University in Montreal haben nun in einer Studie die vier weltweit am häufigsten konsumierten pflanzlichen Milchgetränke untersucht und mit den Nährwerten von Kuhmilch verglichen. Die Ergebnisse haben sie im Journal of Food Science and Technology publiziert. Demnach hat Sojadrink nach Kuhmilch, die am nahrhaftesten ist, das am besten ausbalancierte Nährstoffprofil.

Sojadrink – ausgewogenes Nährwertprofil

Sojadrinks loben die Wissenschaftler wegen ihrer gesundheitlichen Vorteile, insbesondere wegen der vermutlich krebshemmenden Eigenschaften der in den Bohnen enthaltenen Phytonährstoffe (Isoflavone). Soja enthält zudem hochwertiges pflanzliches Eiweiss. Nachteile sind der Bohnengeschmack, das Allergenpotenzial von Sojaeiweiss und das Vorhandensein sogenannter Anti-Nährstoffe, die die Aufnahme und Verdauung von anderen Nährstoffen beeinträchtigen. Wer Sojagetränke als Ersatz für Kuhmilch verwendet, sollte auf Produkte mit Kalziumzusatz achten.

Reisdrink – süss und relativ wenig Nährstoffe

Reisdrinks eignen sich für Menschen, die auf Sojabohnen oder Mandeln allergisch reagieren. Die laktose- und glutenfreie Milchalternative enthält viel Kohlenhydrate (rund zehn Prozent) und ist daher ein schneller Energielieferant. Jedoch stecken in dem Drink wenig Eiweiss und Fett und so gut wie keine Nährstoffe. Um Mangelerscheinungen zu vermeiden, ist daher auf eine anderweitig ausreichende Zufuhr von Vitaminen und Mineralstoffen zu achten.

Kokosdrink – kein Eiweiss, wenig Kalorien

Diese Milchalternative ist vor allem in Asien und Südamerika beliebt. Sie enthält keine Proteine und nur wenige Kalorien. Der Verzehr kann helfen, LDL-Cholesterin zu reduzieren, das im Zusammenhang mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen steht. Achtung: Kokosdrink am besten frisch verbrauchen. Bei einer Lagerung von mehr als zwei Monaten werden die Nährwerte reduziert.

Mandelmilch – reich an ungesättigten Fettsäuren

Mandeln haben einen hohen Gehalt an einfach ungesättigten Fettsäuren, die bei der Gewichtsabnahme und -kontrolle sowie beim Abbau hoher Cholesterinwerte helfen können. Mandeldrinks schmecken gut, bergen aber ein gewisses Allergierisiko und haben nur einen mässigen Kalziumgehalt. Daher auf Produkte mit Kalziumzusatz achten.

Gut zu wissen

Es gibt noch viele weitere Milchalternativen, vor allem aus Getreide wie Hafer, Weizen, Dinkel oder Roggen. In der Regel enthalten pflanzliche Milchalternativen Verdickungsmittel, Pflanzenöle, Konservierungsstoffe, teils auch Farbstoffe und fast immer Süssungsmittel, oft Zucker oder Agavensirup. Ein Produkt, das zum Verzehr erst angedickt, gesüsst und konserviert werden muss, scheint für den Verzehr wenig geeignet. Bei Nussdrinks ist dies kaum der Fall. Wer auf Kuhmilch verzichten möchte, weicht also am besten auf Mandel-, Nuss- oder Kokosnussdrinks aus.

Eine gute tierische Alternative ist Ziegenmilch. Sie ist eine wahre Vitaminbombe (A, B, C, D, E) und besitzt wertvolle Mineralstoffe und Spurenelemente. Ausserdem ist sie dank ihrer kurz- und mittelkettigen Fettsäuren leichter verdaubar als Kuhmilch und harmonisiert die Darmflora. Die bekömmlichste Milch liefert indes das Schaf. Allerdings hat sie doppelt so viel Fett wie Kuhmilch. In Schafmilch steckt ausserdem viel Kalzium, Kalium (gut fürs Herz) sowie Phosphor, Natrium und Magnesium.

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