Voll erwischt

Text: Anja Huber | Ausgabe_01_02_18

Erkältung, Grippe, Bronchitis: Jetzt ist Hochsaison für Infekte. Wie schützt man sich davor? Und was tun, wenn es im Hals kratzt, die Nase läuft, der Kopf schmerzt? Die Natur kennt viele Mittel.

@ istockphoto.com, zvg

Allenthalben hustet, schnupft und niest es. Ist das eigene Immunsystem nicht schlagkräftig genug, fängt man sich daher schnell eine Erkältung oder gar eine veritable Grippe ein. Meist fängt es mit einem Halskratzen an, dann läuft die Nase, später ist sie dicht, nach ein paar Tagen kommt der Husten und schon hat es einen voll erwischt. Was es dann zur raschen und vollständigen Genesung vor allem braucht, ist Ruhe. Sich warm einpacken, schweisstreibenden Tee trinken und ab ins Bett – das ist die beste Medizin.

Und sonst? Gegen die quälenden Symptome haben sich Naturheilmittel seit Hunderten von Jahren bewährt. Als Volksmedizin überliefert, setzten schon unsere Urgrossmütter Wadenwickel gegen Fieber ein oder kochten Hühnersuppe, um den Kranken zu stärken. Solche Methoden halten sogar oft den strengen Kriterien der modernen Wissenschaft stand. Wer braucht da die chemische Keule, wenn es so wunderbare Hausmittel gibt? Auch die Homöopathie heilt sanft. Und Vitamine unterstützen den Körper dabei, die Krankheitserreger zu bekämpfen.

Hühnersuppe bei Erkältung

Hühnersuppe gilt als eines der wichtigsten Hausmittel gegen Erkältungen. US-Forscher haben herausgefunden, warum das so ist: Der Eiweissstoff Cystein hemmt die Schwellung der Schleimhäute und entzündliche Reaktionen im Körper. Zudem mässigt Hühnersuppe die Bewegungsfähigkeit bestimmter weisser Blutkörperchen, der sogenannten Neutrophilen, die Teil der angeborenen Immunabwehr sind und der Identifizierung und Zerstörung von Mikroorganismen dienen. Sie rufen Symptome wie geschwollene Schleimhäute und damit verbundene Schmerzen hervor. Wichtig, so die Forscher, sei, dass das Suppenhuhn mindestens zwei Stunden lang köchelt.


Honig für den gesunden Schlaf

Honig gilt als uraltes Heilmittel, das schon die Ägypter schätzten. Amerikanische Mediziner testeten ihn an hustenden Kindern. Eine Gruppe bekam zwei Löffel dunklen Buchweizenhonig vor dem Zubettgehen, eine andere Hustensaft und eine weitere gar keine Behandlung. Ergebnis: Der Honig schnitt am besten ab. Er linderte Hustenreiz wirksam und liess die Kleinen besser schlafen. Dafür verantwortlich machen die Forscher Phenole, die in dunklen Honigsorten reichlicher vorhanden sind als in hellen. Sogar die WHO empfiehlt Honig bei Husten und Erkältungen. Wobei man diesen langsam im Mund zergehen lassen sollte. Denn rührt man das Bienengold in Heissgetränke wie Tee oder Milch, gehen wertvolle Inhaltsstoffe kaputt. Achtung: Babys im ersten Lebensjahr dürfen aufgrund der enthaltenen Keime keinen Honig essen!

Gut gewickelt ist halb geheilt

Wer kennt sie nicht aus seiner Kindheit, die kühlen Wadenwickel oder Essigsocken, mit denen das Mami oder Grosi unser Fieber senkten? Doch Wickel können viel mehr: Sie sind eine sanfte, aber sehr wirkungsvolle Therapie etwa bei Gelenkschmerzen, Bauch- oder Halsweh. Die naturheilkundliche Therapeutin Eva Lackner aus Baar (ZG) gibt aber zu bedenken, dass Wickel individuell eingesetzt werden müssen. «Wickel können Wärme entziehen oder zuführen. Der Patient spürt, was ihm guttut», sagt sie. So helfe dem einen bei hartnäckigem Husten ein kalter Quarkwickel, dem anderen ein warmer Kartoffelwickel.

Ein Wickel, der – wie die klassischen Wadenwickel – rein mit kaltem Wasser angewendet wird, ist der Priessnitz-Wickel. Er lindert hartnäckige Hals- und Mandelentzündungen sowie Bronchitis, aber auch Darmkoliken, Magenschmerzen und weitere Beschwerden. Brustwickel wiederum tun vor allem kleinen Kindern bei grippalen Infekten sehr gut, weiss Lackner, die im komplementärmedizinischen Zentrum Paramed praktiziert. «Als Zusatz auf den Wasserwickel empfehle ich bei Erkältungen auch gerne Ingwertinktur. Man kann aber auch von der gehackten Knolle oder Ingwertee draufgeben.» Auch Salbei und Thymian erweisen sich bei Erkältungen als wohltuende Zusätze für Brustwickel.

Tipps von der Homöopathin
Globuli können klassische Erkältungssymptome gut lindern. Neben den Hauptbeschwerden geben auch Gemütszustände oder die Krankheitsursache Hinweise auf das richtige homöopathische Mittel. Eva Lackner arbeitet seit 25 Jahren als Homöopathin. Zur Selbstmedikation empfiehlt sie Potenzen zwischen C6 und C30.
Wässriger Schnupfen: Die Nase läuft stark, das Sekret ist hell-gelblich, die Augen brennen und tränen. Man fühlt sich wehmütig und trostlos. Dann hilft Allium Cepa (Zwiebel).
Verstopfte Nase: Das Sekret ist trocken, beeinträchtigt die nasale Atmung stark, Säuglinge können dann nicht trinken. Der Kranke ist eher schreckhaft und neigt zu nächtlichen Schweissausbrüchen. Versuchen Sie es mit Sambucus (Holunder).
Husten: Gelbes Sekret aus Bronchien und Nase, aber milde Absonderung, die nicht wund macht. Nach Durchnässung. Patient hat wenig Durst. Pulsatilla (Küchenschelle) ist dann richtig. Es lindert auch Ohrenschmerzen. Sind die Schleimhäute wie ausgetrocknet, das Husten schmerzhaft, der Patient zieht sich zurück und hat schubartig grossen Durst, empfiehlt sich Bryonia (Zaunrübe).
Fieber: Schweissig hochfiebernd, aber keinen Durst. Die Pupillen sind weit. Hier hilft Belladonna (Tollkirsche). Es hilft auch gut bei Ohrenweh. Trockene Hitze mit plötzlichem Beginn, weil man in die kalte Bise gekommen ist, senkt hingegen Aconitum (Blauer Eisenhut, auch «Sturmhut» genannt).
Gliederschmerzen: Man ist kaltnass geworden, Beschwerden setzten eher plötzlich ein. Dann hilft Rhus toxicodendron (Giftsumach). Bei begleitendem Fieber, das sich abends legt, morgens aber samt Gliederschmerzen wieder da ist, empfiehlt sich eher Eupatorium perfoliatum (Durchwachsener Wasserdost, auch «Knochenrenker» genannt). Es wirkt auch auf die oberen und unteren Atemwege.
Dosierung: Geben Sie 5 Kügelchen auf ein Glas Wasser, gut umrühren. Dazu jedoch nie Metalllöffel verwenden! Metall stört die Wirkung homöopathischer Mittel. Möglichst rasch nach Einsetzen der Beschwerden nehmen Erwachsene stündlich einen Schluck der gut verrührten Mischung. Säuglinge und Kinder bekommen jede Stunde ein Plastikteelöffelchen davon. Bei der Einnahme von Homöopathika kann es zu Erstverschlechterungen kommen. Davon sollten Sie sich aber nicht verunsichern lassen. Stellen Sie die Behandlung aber ein, sobald es besser geht. Erst wenn die Symptome wieder kommen sollten, erneut Homöopathika geben.
www.paramed.ch


Eva Lackner. Dipl. Naturheilpraktikerin, Dozentin, Supervisorin und Therapeutin bei Paramed. Ihre Spezialgebiete sind Homöopathie, Kinesiologie, Bioresonanz, System-Aufstellungen, Dunkelfelddiagnostik.


So wickeln Sie richtig

Für einen Wickel braucht es folgende Utensilien: Als Innentuch Baumwollwindeln oder Geschirrtücher aus natürlichen Materialien. Das Aussentuch sollte am besten aus reiner Schafwolle bestehen, Baumwolle tut es aber auch. Als Zwischenlage dienen zur Befestigung Hemden, Tücher oder Schals – auch sie bitte aus reinen Naturmaterialien.

Für kalte Wickel wird das Innentuch mit zirka 5 bis 10 Grad kaltem Wasser plus eventuellen Zusätzen getränkt, ausgewrungen, angelegt und gut festgewickelt. Kalte Wickel abnehmen, sobald sie warm werden, und Anwendung gegebenenfalls wiederholen.

Warme Wickel (Temperatur rund 50 Grad) wechseln, sobald das Wärmegefühl nachlässt. Kuscheln Sie sich am besten unter eine Decke, während der Wickel wirkt. «Wickel schenken ein Gefühl von Geborgensein und Wohlempfinden. Sie spenden Ruhe», sagt Therapeutin Lackner. «Das ist wichtig für jede Genesung.»

Vitamine: Futter für die Killerzellen

Plagt uns ein Infekt, ist das Immunsystem in Aufruhr: Es produziert vermehrt B-Lymphozyten, die weissen Blutkörperchen, die als «Fresszellen» die Übermacht der Viren bekämpfen. Dieser natürliche Abwehrmechanismus des Körpers kostet Kraft – darum fühlen wir uns erschöpft. «Bestimmte Vitamine sind Futter für die weissen Blutkörperchen beziehungsweise Fresszellen», erklärt Lackner. «Deshalb ist es sinnvoll, bei Erkältungen – aber natürlich auch bei anderen Infekten – eine komplementäre Substitutionstherapie mit Mikronährstoffen einzuleiten.»

Um schlagkräftig gegen Eindringlinge vorgehen zu können, braucht der Körper vor allem Vitamin C und D, Zink und Selen: «Bis zu drei Gramm Vitamin C über den Tag verteilt darf man dann zu sich nehmen», sagt Lackner. Dazu 10 bis 25 Milligramm Zink und 50 bis 100 Mikrogramm Selen, rät die Therapeutin. Und: «Bei einer Erkältung unbedingt auch Vitamin D hochdosieren. Mindestens dreimal 10 000 Internationale Einheiten (IE) pro Tag bis hin zu dreimal 50 000 IE. Ist der Infekt überstanden, wieder Abstand von solchen Höchstdosierungen nehmen!»

Die DACH-Referenzwerte – herausgegeben von den deutschen, österreichischen und schweizerischen Gesellschaften für Ernährung (SGE) – geben Orientierung, welche Nährstoffezufuhren der gesunde Körper braucht.

Wann zum Arzt?
Grundsätzliche sollte man einen Arzt aufsuchen, wenn die Erkältungssymptome einen sehr belasten oder sich trotz der Anwendung von Hausmitteln verschärfen. Schnupfen ist unbedenklich, wenn das Sekret klar bis weiss ist. Gelblich-grün deutet hingegen auf Bakterien hin. Auch bei tagelangem Husten mit Auswurf empfiehlt sich der Arztbesuch. Das gilt auch für hohes Fieber (ab 40 °C), das länger als drei Tage anhält.


Besser vor- statt nachsorgen

Generell gilt, dass eine gesunde Ernährung entsprechend den Empfehlungen der SGE mit einem hohen Anteil pflanzlicher Kost (5 Portionen Gemüse und/oder Obst pro Tag) der beste Schutz für das Immunsystem ist. Doch selbst wer das schafft, kann nicht immer sicher sein, genügend Mikronährstoffe aufzunehmen – sind die Böden doch zunehmend ausgelaugt, sodass Gemüse und Co. an Nährstoffen verarmen.

Deshalb ist die zusätzliche Gabe der oben genannten Vitamine und Mineralstoffe zur Immunstärkung empfehlenswert (bereits ab zirka Mitte Oktober, man kann aber auch jetzt noch damit anfangen). «Selen jedoch nur kurmässig anwenden: sechs Wochen einnehmen, dann zwei Wochen Pause. Dasselbe gilt für die zur Immunstärkung sehr bekannten pflanzlichen Mittel mit Sonnenhut (Echinacea)», warnt Lackner. «Nachdem man es drei bis vier Wochen eingenommen hat, unbedingt eine Pause von zwei bis drei Wochen einlegen. Sonst erschöpft sich das Immunsystem und man wird anfälliger für Infekte.»

Besonders wichtig ist ausserdem die regelmässige Bewegung, vorzugsweise am Morgen an der frischen Luft, aber auch über Mittag, damit man möglichst viel des spärlichen Wintersonnenscheins nutzt. Denn kommt der Kreislauf in Schwung, trainiert das auch die Abwehr: Mehr Blut strömt durch den Körper und damit mehr der darin enthaltenen Abwehrzellen. Das erreicht man auch mit Bürstenmassagen und Kalt-Warm-Reizen (z. B. Sauna, Wechselduschen, Kneippen). Zudem ist ausreichend Schlaf wichtig, um das Immunsystem fit zu halten.

Das einfachste Mittel gegen Infekte ist übrigens häufiges Händewaschen: Über 90 Prozent der 200 Millionen Keime, die sich auf der Haut unserer Hände befinden können, werden schon durch 20 Sekunden waschen mit Seife beseitigt. 

Links
Schweizerische Gesellschaft für Ernährung (mit DACH-Referenzwerten)
www.sge-ssn.ch

Fotos: istockphoto.com, zvg

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Natürlich im Juli 2018


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