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Unten ohne durchs Leben

Kategorie: Gesundheit
 Ausgabe_07_2013 - 01.07.2013

Text:  Andreas Krebs

Wir sind als Barfussläufer geboren. So hat es die Natur für uns vorgesehen. In Schuhen verkümmern unsere Füsse. Deshalb sollten wir so oft wie möglich barfuss durchs Leben schreiten.

Das Barfusslaufen hält Körper und Geist fit. Und hat womöglich das Potenzial, die Welt zu verändern. Bevor Sie diesen Artikel lesen, machen Sie einmal folgende Übung: Stecken Sie sich die Finger in die Ohren und gehen Sie schnell zehn, zwanzig Schritte auf gewohnte Weise. Hören Sie es? Dieses Tock-Tock-Tock, das von den Fersen bis zum Schädel echot?

Ursache für Fress- und Sexsucht

Dieser Stoss macht uns krank und aggressiv, behauptet jedenfalls Peter Greb, Arzt für Allgemeinmedizin und Naturheilverfahren in Kiel. Durch den Fersengang, so Greb, wird unser Stamm- und Riechhirn, der evolutionär älteste Hirnteil, permanent in einem gestressten Zustand gehalten. Hier sei nicht nur die Ursache für Aggressivität und Schreckhaftigkeit zu suchen, sondern auch für Fress-, Sauf- und Sexsucht. Zudem sei der Fersengang – zu dem uns herkömmliche Schuhe zwingen – Auslöser für die meisten Fehlhaltungen und die daraus folgenden Schmerzen im Muskel- und Skelettsystem. Der Deutsche beschäftigt sich seit über 30 Jahren mit dem menschlichen Gehverhalten. Er kam zum Schluss, dass wir beim Gehen den Vorderfuss zuerst auf die Erde bringen sollten, um dann nach hinten zur Ferse abzurollen – also genau entgegen der herkömmlichen orthopädischen Empfehlungen.

Mit dem Herzen gehen

Seit 1979 geht Greb seiner Erkenntnis entsprechend im sogenannten Ballen- oder Vorfussgang. «Dieser Gang macht glücklich», versichert er. So erspare man sich den Stoss durch die Wirbelsäule ins Hirn und rege Lunge und Herz an, da deren Reflexzonen im Fussballenbereich liegen. Der Hackengänger hingegen «geht sich selbst auf die Eier». Denn in der Mitte der Ferse liegen die Reflexzonen für Hoden und Eierstöcke.

Für Greb ist der Ballengang nichts weniger als «ein Heilungsweg für uns selbst und den Planeten». Um ihn zu praktizieren, braucht es spezielle Schuhe ohne Sprengung (Absatz), sogenannte Minimal- oder Barfussschuhe. Anbieter gibt es zahlreiche. Doch nicht alle im Handel erhältlichen Modelle ermöglichen einen dem nackten Fuss entsprechenden Gang. Dem echten Barfussgefühl am nächsten und vor allem auch alltagstauglich sind Schuhe von Herstellern wie Sole Runner oder Vivobarefoot. Barfussschuhe sollten eine dünne und biegsame Sohle sowie ausreichend Platz für die Zehen haben. Der Schuh muss sich an den Fuss anpassen, nicht andersherum.

Schlechte Vorbilder für «nachahmende Wesen»

Bei den Naturvölkern ist der Ballengang heute noch zu finden, etwa bei den Pygmäen oder den Indianern, die beim Powwow tanzen immer zuerst mit der Fussspitze die Erde antippen. Auch ihr Schleichgang, der Foxwalk, ist deutlich ballenbetont. Bei den Aborigines wiederum gibt es während heiliger Einweihungsriten das Gebot, die Erde nicht mit der Ferse zu berühren. Weiter ist der unmittelbar nach der Geburt geprüfte Schreitreflex von Neugeborenen eine ausdrücklich ballenbetonte Bewegung. Und auch wenn wir später laufen lernen, wir zuerst Ballengänger. Doch dann wird das Kind in Schuhe gezwängt. Und weil es ein «durch und durch nachahmendes Wesen» ist (Rudolf Steiner), hat es den Fersengang der Erwachsenen bald adaptiert. Im Reich der Tiere ist der Bär übrigens der einzige echte Sohlen- respektive Fersengänger.

Leben auf freiem Fuss

Untersuchungen bestätigen diverse positive Aspekte des Barfusslaufens. So veröffentlichte 2010 die Harvard University eine Studie, die belegt, dass Barfusslaufen die Muskulatur kräftigt, Gelenke und Knochen schont, Energie spart und die Lauftechnik verbessert. Sogar das Verletzungsrisiko sei beim Barfussgang kleiner. Andere Studien berichten, dass Barfusslaufen bei Kopfschmerzen und Krampfadern helfen kann. Es regt den Stoffwechsel an und fördert die Durchblutung im ganzen Körper, die Schleimhäute in Nase und Rachen werden besser durchblutet; das schützt vor Erkältungen. Ganz nebenbei wird die Koordination von Sinneswahrnehmung und Bewegung geschult und der Gleichgewichtssinn gefördert.

Barfusstage Kaiseraugst, Samstag, 13. Juli 2013, 9 – 12 Uhr oder 14 – 17 Uhr, Indoor-agility.ch, Halle, Schützenhölzlistrasse 20, Kaiseraugst, Auskunft und Anmeldung: www.zukunftsschmiede.ch, www.desiree-holenstein.ch oder Telefon 076 443 95 39

Gratis-Fussmassage

Für Kinder ist Barfusslaufen essenziell. Häufiges Barfusslaufen ermöglicht die gesunde Entwicklung des Fussgewölbes. Zu steife und zu kleine Schuhe hingegen sind verheerend, da Kinderfüsse leicht formbar sind. Eine indische Studie kam zu Schluss, dass Kinder, die viel barfuss gehen, als Erwachsene kaum Probleme mit den Füssen haben. 98 Prozent aller Menschen kommen mit gesunden Füssen auf die Welt. Aber 60 Prozent der Erwachsenen haben sogenannte Problemfüsse.

Füsse mit Fehlstellungen können zu Fehlhaltungen mit Folgeschäden am ganzen Körper führen. Umgekehrt lassen sich zahlreiche Beschwerden über die Füsse günstig beeinflussen. Bei der Fussreflexzonenmassage wird sogar eine Verbindung zu sämtlichen Organen hergestellt. Beim Barfusslaufen werden die Reflexzonen automatisch und kostenlos massiert. Und auch beim Kneippen, wo man im Ballengang durch das Wasser stackst, erzielt man diesen Effekt. Pfarrer Sebastian Kneipp empfahl das Barfussgehen zur Abhärtung: «Es gewöhnt unsere Natur am meisten an die Erde. Dabei wird das Blut nach unten geleitet, der Blutumlauf geregelt und die Füsse gekräftigt.»

Buchtipps
• Peter Greb: «Godo – Mit dem Herzen gehen», Koha Verlag
• Katja Kulin: «Barfuss zu mehr Gesundheit und Lebensfreude», Fidibus Verlag
• Clinton Ober: «Earthing – Heilendes Erden», VAK Verlag

Fotos: fotolia.com

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