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Tourismus gefährdet die Antarktis

Kategorie: Leben, Natur
 Ausgabe 2 - 2008 - 01.02.2008

Text:  Markus Kellenberger

Glimpflich ist der Untergang des Kreuzfahrtschiffes Explorer in der Antarktis verlaufen. Experten warnen jedoch vor einer grösseren Katastrophe.

Einige Experten sehen den Untergang des kleinen eistauglichen Kreuzfahrtschiffes mit der erfahrenen Crew als Zufall. Denn viele andere Schiffe wären weniger eistauglich und die Kapitäne haben wesentlich weniger Erfahrungen mit den heimtückischen Gewässern um die antarktische Landmasse.

«Der Antarktis-Boom der vergangenen Jahre hat deutlich gemacht, dass ein Unfall nur noch eine Frage der Zeit ist», meint der Forscher und National-Geographic-Autor Jon Bowermaster. Waren es 1992 rund 6000 Besucher, so werden in diesem Südsommer, der von November bis Februar dauert, rund 50 verschiedene Schiffe mit mehr als 30 000 Besuchern die Gewässer kreuzen. Mit der Crew macht das eine Gesamtbesucherzahl von mindestens 50 000 Menschen. Was Bowermaster an dem zunehmenden Kreuzfahrttourismus in den Gewässern fürchtet, ist die Unerfahrenheit der Kapitäne. «Typisch für diese Region sind schnell wechselnde Wetterbedingungen und andere unvorhersehbare Ereignisse», erklärt der Experte. Zudem wären viele der Schiffe wesentlich grösser als die verunglückte Explorer und würden Eisschlägen nicht standhalten.

«Die Antarktis ist eine extrem sensible Region, in der Unfälle mit Öl jahrzehntelang Spuren hinterlassen», so die Greenpeace-Meeresbiologin Antje Helms. Die meisten Ozeanriesen fahren heute mit schwerem Heizöl, lediglich kleinere Schiffe wie die Explorer oder die National Geographic Endeavour werden von weniger umweltschädlichem Dieselöl betrieben. Aber: «Beide Treibstoffe verursachen Umweltschäden, wenn sie ins Meer gelangen», meint Helms. Die ersten Opfer wären Seevögel und auch Pinguine. «Für viele der in der Region lebenden Spezies könnte das verheerende Auswirkungen haben.»

Doch auch an Land stören die Touristenhorden das sensible ökologische Gleichgewicht und bereiten dort lebenden Tieren grossen Stress. Im antarktischen Hochsommer kommen Touristenscharen tagtäglich zur selben Pinguinkolonie. «Es gibt zwar eine freiwillige Selbstbeschränkung der Tour-Veranstalter in der Antarktis. Doch diese wird nur von den Betreibern selbst kontrolliert», sagt Helms. «Der Mensch denkt, dass er mit seiner Technik das Meer untertan machen kann, aber gerade in diesen Gewässern wird klar, dass das nicht der Fall ist.»

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