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Schöne Fingernägel

Kategorie: Gesundheit
 Ausgabe_04_19 - 02.05.2019

Text:  Stella Cornelius-Koch

Schöne Nägel – wer träumt nicht davon? Doch die Realität sieht oft anders aus. Dabei lassen sich viele Nagelprobleme mit der richtigen Pflege bessern oder vermeiden. Und auch die Naturheilkunde kann helfen.

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Sie werden gefeilt, lackiert, künstlich verlängert und mit Glitzersteinchen verziert: Fingernägel sind heutzutage die reinsten Schmuckobjekte. Dabei haben sie ursprünglich ganz andere Aufgaben: Sie schützen unsere empfindlichen Fingerkuppen vor Verletzungen und unterstützen uns beim Tasten und Greifen von Gegenständen. Gleichzeitig sind sie hervorragende Werkzeuge – beispielsweise, wenn es darum geht, Knoten zu öffnen, einen winzigen Gegenstand aufzuheben oder uns zu kratzen.

Zu viel Feuchtigkeit

Damit unsere Nägel ihre Aufgaben erfüllen können, müssen sie einiges aushalten, fest und biegsam zugleich sein. Doch das können sie immer weniger: Nagelprobleme gehören zu den häufigsten Problemen in der hautärztlichen Praxis. Bis zu 20 Prozent der Bevölkerung leiden unter brüchigen Nägeln, schätzt Siegfried Borelli vom Stadtspital Triemli Zürich. Frauen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer. Brüchige Nägel sehen nicht nur unschön aus, sondern können auch gesundheitliche Folgen haben; so wachsen auf porösen Oberflächen Bakterien und Pilze besonders leicht. Um solche Keime loszuwerden, braucht es viel Geduld und teilweise aufwendige Behandlungen.

Laut Borelli können sich hinter brüchigen, splitternden oder weichen Nägeln unterschiedlichste Ursachen verbergen. In vielen Fällen seien Umwelteinflüsse der Grund – etwa der häufige Kontakt mit Spülwasser, Putzmittel oder Seife durch häufiges Händewaschen. Der Grund: Die Nagelplatte setzt sich aus 100 bis 150 dünnen Schichten verhornter Hautzellen zusammen. Diese bestehen hauptsächlich aus Keratin – einem Faserprotein, das wir auch in unseren Haaren finden. Werden unsere Hände nun permanent mit Feuchtigkeit und entfettenden Substanzen konfrontiert, haften die Hornzellen schlechter zusammen – die Nägel werden weich und brüchig.

Ebenso kann häufiges Lackieren der Nägel und vor allem das Entfernen des Lackes die Nägel austrocknen. Grund: Nagellackentferner enthalten oft Lösungsmittel wie Aceton oder Alkohol, diese greifen die Nägel an und entziehen ihnen Feuchtigkeit. Und, woran nur wenige denken: Auch häufiges Arbeiten an Computer-Tastaturen mit langen Nägeln schadet der Nagelplatte. Hierdurch können kleinste Verletzungen entstehen, die das Nagelwachstum beeinträchtigen.

Problematische Kunstnägel
Verschlimmert wird das Problem oft durch künstliche Fingernägel. Damit diese besser haften, werden die eigenen Nägel auf der Oberfläche angeraut und zurückgefeilt. «Mitunter wird dabei zu ziemlich groben Feilen gegriffen und zu viel vom natürlichen Keratin abgetragen. Das kann zu Verletzungen führen und ohnehin schon brüchige Nägel zusätzlich schwächen», erklärt Astrid Schnyder, diplomierte Nageldesignerin und auf Beauty-Behandlungen spezialisierte Naturheilpraktikerin aus Wolhusen im Kanton Luzern. Acryl-Kleber zur Befestigung der künstlichen Krallen können Rötungen, Jucken und Schmerzen verursachen oder den eigenen Nagel teilweise ablösen. Problematisch ist es auch, wenn man den künstlichen Nagel wieder entfernt. Denn diese sind sehr hart und robust und man muss sie mit einer Feile oder einem maschinellen Fräseaufsatz entfernen, was die Keratinschutzschicht verletzen kann. Um die eigenen Nägel nicht allzu sehr zu strapazieren, ist es daher sinnvoll, Kunstnägel nicht permanent zu tragen, sondern zwischendurch Pausen einzulegen. Am besten trägt man sie nur zu seltenen, ausgewählten Gelegenheiten.

Heikel | Kunstnägel sind Schmuck. Sie können aber den Naturnägeln schaden.

Um Infektionen zu vermeiden, sollten Frauen, die auf Kunstnägel nicht verzichten möchten, ganz besonders auf Hygiene achten. Schnyder rät, vor der ersten Behandlung ins Nagelstudio zu gehen und sich dort einen persönlichen Eindruck zu verschaffen. «Handschuhe, Mundschutz, eine neue Feile und ausreichende Desinfektion sind ein absolutes Muss», sagt sie. Nicht zuletzt sollte man auf eine fundierte Ausbildung der Nageldesignerin achten. Schliesslich geht es nicht nur um gutes Aussehen, sondern auch um die Gesundheit der Nägel.

Die richtige Pflege


Für schöne und gesunde Nägel
kann man einiges tun. Worauf Sie bei der Pflege achten sollten:

Wer zu brüchigen Nägeln
neigt, sollte diese lieber kurz halten, da lange Nägel leichter splittern. Dabei gilt: Nägel nur leicht oval abschneiden und nicht bis in die Ecken feilen (die Nägel können sonst leicht einwachsen). Und: Nägel immer in eine Richtung von den Seiten zur Mitte feilen. Der Grund: Rundgefeilte Nägel sind stabiler als spitz zulaufende.

Nagelhäutchen nie wegschneiden.
Es versorgt den Nagel mit Nährstoffen und schützt ihn so. Wer es partout nicht leiden mag, kann das Häutchen nach einem erweichenden Bad mit der Daumenkuppe oder einem Wattetupfer ein wenig nach hinten schieben.

Ein spezieller Unterlack
oder Nagelhärter kann brüchige Nägel schützen. Gönnen Sie den Nägeln aber auch «Lackierpausen» und verwenden Sie nur ölhaltige und acetonfreie Nagellackentferner.

Reinigen Sie
Haut und Nägel mit lauwarmem Wasser, einer mittelharten Nagelbürste und einer milden (Pflanzen-)Seife oder hautneutralen Waschlotion.

Nägel regelmässig
– am besten nach jedem Händewaschen – mit einer Hand- und Nagelcreme eincremen. Neben Fett sollte die Handcreme die Haut zusätzlich mit Feuchtigkeit versorgen. Gut geeignet sind Inhaltsstoffe wie Urea und Glycerin.

Gönnen Sie
Ihren Nägeln eine regelmässige Kur, indem Sie sie einige Minuten in lauwarmes Mandeloder Olivenöl tauchen. Wohltuend ist auch eine Massage mit einem speziellen Nagelöl.

Schützen Sie
Hände und Nägel, indem Sie bei längerem Arbeiten mit Wasser und Chemikalien leichte Baumwollhandschuhe unter Gummihandschuhen tragen.

Wichtig für gesunde Nägel
ist eine ausreichende Versorgung mit Eisen (z.B. enthalten in Fleisch, Hülsenfrüchten, grünen Salaten und grünem Blattgemüse), Kalzium (in Milch, Milchprodukten, grünem Gemüse) und Zink (in Hülsenfrüchten, Nüssen und Samen). Zusätzlich kann die kurmässige Einnahme von Bierhefe, Biotin oder Kieselsäure (Silizium) über mehrere Monate helfen.

«Nagelprobleme gehören zu den häufigsten Problemen in der hautärztlichen Praxis.»

Was Nagelstörungen über unsere Gesundheit verraten

Mitunter kann sich
hinter Nagelproblemen auch ein gesundheitliches Problem verbergen. In vielen Fällen kann die Naturheilkunde helfen:

Spröde und brüchig

Grund hierfür kann – neben Umwelteinflüssen – auch eine Schilddrüsenfunktionsstörung sowie Eisen-, Kalzium- oder Zinkmangel sein.
Das hilft
: Lassen Sie das Grundproblem behandeln. Wichtig für gesunde Nägel ist eine ausreichende Versorgung mit Eisen, Kalzium und Zink. Tipp: Vitamin C (etwa ein Glas Orangensaft zum Frühstück) verbessert die Aufnahme des Eisens. Auch die kurmässige Einnahme von Schüssler-Salzen kann helfen: mehrmals täglich die Salze Nr.1 Calcium fluoratum D12 und Nr.11 Silicea D12 einnehmen (je 1– 3 Tabletten). Zusätzlich über Nacht die Schüssler-Salbe Nr.1 dünn auf die Nägel auftragen.

Verfärbungen

Sie können durch Chemikalien, intensive Nagellackfarben oder Quetschungen entstehen. Manche Medikamente, etwa silberhaltige Nasen- oder Augentropfen, können zu bläulich-grauen Verfärbungen führen. Bei einer Pilzinfektion verfärben sich die Nägel gelblich oder bräunlich. Blaue Fingernägel können auf eine Herzschwäche oder Lungenerkrankung hindeuten. Vereinzelte weisse Punkte oder Streifen entstehen leicht durch Verletzungen des Nagelbettes z.B. bei zu heftiger Maniküre.
Das hilft: Ist bei Nagelpilz maximal die Hälfte eines Nagels betroffen, ist eine Behandlung mit biologischem Kokosöl einen Versuch wert. Hierzu das Öl mindestens zweimal täglich in die betroffenen Nagelbereiche einmassieren. Die pilzhemmende Wirkung wird verstärkt, wenn man pro 20 ml Kokosöl 2–3 Tropfen ätherisches Lavendel-, Oregano-, Thymian- oder Teebaumöl hinzugibt.

Grübchen und Rillen

Sind an den Nägeln vereinzelt stecknadelkopfgrosse, punktartige Vertiefungen sichtbar, liegt meist eine harmlose Verhornungsstörung vor. Tiefe Grübchen sind mögliche Anzeichen einer Schuppenflechte. Flache Grübchen können Begleiterscheinung eines kreisrunden Haarausfalls oder eines Ekzems sein. Feine und flach verlaufende Längsrillen treten meist im Alter auf. Querrillen können nach einer schweren fiebrigen Erkrankung oder Verletzung auftreten; auch Zinkmangel ist eine mögliche Ursache.
Das hilft
: Auch hier gilt: Das Grundproblem medizinisch behandeln lassen. Bei Längsrillen können eine regelmässige Massage des Nagelwalls und das Einreiben der Nagelplatte mit Olivenöl helfen. Da häufiger Flüssigkeitsmangel die Nagelstruktur verändern kann, ist ausreichend trinken wichtig (mindestens 1,5 bis 2 Liter am Tag).

Wölbungen

Uhrglasnägel (nach oben gewölbte Nägel) treten meist in Verbindung mit verdickten Fingerenden, sogenannten Trommelschlegelfingern, auf. Sie können Anzeichen eines Herz-Lungen-Leidens, Schlaganfalls oder von Mukoviszidose sein. Bei Löffelnägeln hingegen ist die Nagelmitte eingesunken und die Nagelränder wölben sich nach oben. Neben entfettenden Seifen, aggressiven Putzmitteln oder Zement kann Blutarmut eine mögliche Ursache sein.
Das hilft: Handschuhe schützen die Finger vor austrocknenden und aggressiven Substanzen. Zusätzlich helfen regelmässige Einreibungen mit Mandel- oder Jojobaöl. Bei Verdacht auf Eisenmangel die Werte vom Arzt oder Heilpraktiker überprüfen und behandeln lassen.

 
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