Artikel :: Natürlich Online

Schöllkraut

Kategorie: Gesundheit
 Ausgabe_04_19 - 02.05.2019

Text:  Sabine Hurni

Chelidonium majus - Ein lästiges Unkraut ist das Schöllkraut in den Augen vieler Gärtner. Dabei ist es eine schöne alte Heilpflanze, die in jeden naturnahen Garten gehört.

@ iStock.com

Das  wenig  anspruchsvolle  Schöllkraut  kommt  mit  einem voll sonnigen Standort genauso gut klar wie mit Halbschatten; und auch an den Boden stellt es keine besonderen Ansprüche. Es ist eine typische Ruderalpflanze, die menschliche Siedlungen begleitet, und wird sich von selber im Garten ansiedeln und auch aussäen – wenn man es denn lässt.

Ursprünglich kam das Schöllkraut
im Mittelmeerraum  sowie  in  warmen  Gegenden  Asien  vor.  Heute findet man es auch in nördlicheren Teilen Europas. Wer ein Schloss, eine Ruine oder einen Turm besucht, muss vermutlich nicht lange suchen, bis er dort das Schöllkraut im Schutz einer sonnenbeschie nenen Mauer findet. Es wird bis zu einem Meter hoch und blüht goldgelb von April bis September. Blütezeit ist auch Sammelzeit. Verwendet werden das Kraut und die Wurzeln.

Die hübsche Pflanze
treibt ihre Stängel aus einer bodennahen Blattrosette. Sowohl der Wurzelstock wie auch die Stängel und Blattstiele sind gefüllt mit einem orangegelben Milchsaft. Die zarten Blüten bestehen aus vier gelben Kronblättern und zahlreichen Staubblättern. Die schwarzen Samen befinden sich in dünnen, drei bis vier Zentimeter langen Fruchtkapseln. Diese werden gerne von Ameisen weggetragen und auf diese Weise verbreitet.

Das Schöllkraut
ist mehrjährig, winterhart und absolut anspruchslos. Es treibt im zeitigen Frühling aus. Der lateinische Gattungsname Chelidonium leitet sich vermutlich von dem griechischen «chelidon» ab, was Schwalbe bedeutet – wahrscheinlich wegen der Beobachtung, dass das Schöllkraut mit dem Eintreffen der Schwalben zu blühen beginnt und mit deren Abzug welkt.

Gemäss Kommission E wird das Schöllkraut bei
krampfartigen Beschwerden im Bereich der Gallenwege und des Magen-Darm-Trakts gegeben. Wie viele andere Pflanzen mit gelbem Pflanzensaft oder gelben Blüten ist auch das Schöllkraut ein bewährtes und wirksames Heilmittel bei Leberleiden. Allerdings ist das Schöllkraut auch reich an Alkaloiden. In der Wurzel steckt vor allem Chelidonin, im Kraut ist Captisin vorherrschend. Diese Alkaloide machen das Schöllkraut zu einer leicht giftigen Heilpflanze, die innerlich sehr vorsichtig angewendet werden muss.

Als Leberkur oder bei krampfartigen Oberbauchbeschwerden kann man das Schöllkraut als Tee trinken, jedoch maximal während vier Wochen. Danach soll man eine längere Pause machen. Milder wirkt das Schöllkraut, wenn man es mit anderen leber- und gallensaftaktivierenden Heilpflanzen mischt, z. B. mit Pfefferminze und Kümmel. Dazu mischt man zwei Teile Schöllkraut, zwei Teile Pfefferminze und einen Teil Kümmel. Zwei Teelöffel von dieser Mischung übergiesst man mit einer Tasse kochendem Wasser und lässt den Tee zehn Minuten zugedeckt ziehen. Davon trinkt man 14 Tage lang zwei Mal täglich eine Tasse. Noch unbedenklicher ist es, wenn man die Schöllkrauttinktur in einer homöopathischen Verdünnung kauft und ein bis zwei Tropfen davon zum Pfefferminz-Kümmel-Tee gibt. Als homöopathische Globuli wird «Chelidonium» gegeben bei Steinbildungen und chronischen Störungen des Leber-Galle-Systems sowie bei Rheumatismus und Entzündungen der Atemorgane und des Rippenfells.

Gut zu wissen

Tipps rund um das Schöllkraut

Wirkung
Harntreibend, abführend, schmerzstillend, reizend, augenstärkend. Zur Teezubereitung soll das Schöllkraut nicht allein verwendet, sondern immer mit anderen, gleich wirkenden Kräutern gemischt werden. Auf die geringe Dosierung ist zu achten!
Warzen behandeln
Warzen, Hühneraugen und Hornhaut lassen sich mit dem frischen Schöllkrautsaft behandeln: einfach auf die betroffene Stelle tupfen und eintrocknen lassen. Vorsicht: Der Saft kann bei empfindlichen Personen Hautentzündungen hervorrufen. Damit man täglich zu frischem Saft kommt, gräbt man am besten eine Pflanze aus, setzt sie in einen Topf Erde und pflegt sie auf dem Balkon oder im Garten.
Beschränkte Haltbarkeit
Schöllkraut kann man bei trockenem Klima im Halbschatten unter mehrmaligem Wenden trocknen. Die Wirkstoffe bauen sich allerdings relativ rasch ab. Man sollte die Droge deshalb innert eines halben Jahres aufbrauchen.

Tags (Stichworte):