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Schafft grüne Arbeitsplätze

Kategorie: Natur, Garten

Text:  Remo Vetter

Wer viel im Garten ist, weiss: In und mit der Natur sein macht gesund. Diese Erkenntnis können sich auch Chefs zunutze machen – und damit Erfolg ernten.

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«Sich draussen aufzuhalten oder zumindest ins Grüne zu schauen, das steigert nicht nur unser Wohlbefinden, sondern es reduziert Stress und fördert das geistige Potential.» Remo Vetter

Wir leben in einer Zeit, in der alles immer viel schneller gehen sollte und wir permanent erreichbar sein müssen. Da stellt sich mir die Frage: Kommt da die Seele noch mit? Tut uns das gut und wenn nicht, was können wir und vor allem unsere Chefs besser machen, damit wir gesund bleiben?

Im asiatischen Raum wird «forest bathing», «Waldbaden» empfohlen und damit ist eines klar: Einer der wichtigsten Faktoren für unsere Gesundheit ist die Möglichkeit, sich draussen aufzuhalten oder zumindest ins Grüne zu schauen, denn das steigert nicht nur unser Wohlbefinden, sondern es reduziert Stress und fördert das geistige Potenzial.

Hightech-Firmen wie Google haben das erkannt und regen ihre Mitarbeitenden an, «walky-talky meetings» im Freien abzuhalten und wichtige Themen während Spaziergängen in der Natur zu diskutieren. Forscher haben dabei festgestellt, dass die Mitarbeiter durch den Aufenthalt im Freien weniger impulsiv und deshalb weitaus kreativer sind. Nicht umsonst halten Unternehmen auch bei uns ihre jährlich stattfindenden Brainstorming- und Strategie-Meetings mit Vorliebe auf Berggipfeln ab – wohl wegen der auch für die Wirtschaft wichtigen Weitsicht.

Einen grünen Arbeitsplatz zu schaffen ist übrigens relativ einfach. Hier sind einige Vorschläge für verantwortungsbewusste Chefs:

+ Unterstützen Sie Ihre Mitarbeitenden dabei, «walking-meetings», sogenannte «Wander- oder Spaziergang-Meetings» abzuhalten und anschliessend ein Kurz-Protokoll zu verfassen.

+ Fordern Sie die Mitarbeitenden aktiv auf, ihre Pausen und die Mittagszeit im Freien, nach Möglichkeit im Grünen zu verbringen. Schaffen Sie Sitzplätze unter freiem Himmel.

+ Wenn die Möglichkeit sich im Freien aufzuhalten nicht besteht, da sich der Arbeitsplatz vielleicht in der Stadt befindet, schaffen Sie grüne, bepflanzte Räume, einen Indoor-Garten oder eine grüne vertikale Wand in Sitzungszimmern und Ruheräumen.

Die Früchte der Arbeit
Aber jetzt zurück ins eigene Heim, in den eigenen Garten oder auf den Balkon. Auf unseren Streifzügen durch die Kulturen gilt es in dieser Zeit nicht nur zu beobachten und zu geniessen, sondern vor allem auch die Früchte der Arbeit zu ernten.

Einige Gemüse wie Grünkohl oder Rosenkohl, Salat und Kräuter blühen und gehen in die Saat. Das sieht wunderbar aus und die Insektenwelt dankt es uns. Die Blütenstände des Fenchels veredeln jeden Blumenstrauss und Dill und Spargelkraut in Sträussen sieht viel origineller aus als Schleierkraut. Und zudem haben sie einen kulinarischen Mehrwert.

Gemüse wie Karotten und Pastinaken bleiben in der Erde und werden bei Bedarf geerntet. In Gegenden mit frostreichen Wintermonaten und in Höhenlagen ist es allerdings ratsam, die Ernte jetzt aus dem Boden zu nehmen. Gartenfrüchte und Wurzelgemüse können gut im Vorratskeller nachreifen. Erde, die noch an den Wurzeln haftet, soll nicht entfernt werden, da Wurzelgemüse ungewaschen länger lagerfähig ist.

Früher hat man das Wurzelgemüse im Garten in sogenannten Mieten eingelagert. Dazu wird an einem trockenen, geschützten Ort eine 20 bis 30 Zentimeter dicke Schicht sauberes Stroh ausgebreitet und das Gemüse darauf pyramidenförmig aufgeschichtet. Das Ganze wird mit einer Schicht sauberem Stroh und etwa 20 Zentimeter Erde abgedeckt. Zur Sicherheit legen wir unter und auf die Miete ein engmaschiges Gitternetz, damit sich keine Nagetiere über das Gemüse hermachen. Wenn mit sehr kaltem Wetter zu rechnen ist, kann die Miete mit zusätzlichem Stroh, Planen oder einem Vlies abgedeckt werden. Auf diese Weise lassen sich Karotten, Kartoffeln und Rote Beete wunderbar lagern, bis wir Appetit darauf haben.

Zeit für die Samenernte
Da wir – hoffentlich – nur biologisches Gemüse anbauen und keine Hybriden und moderne Neuzüchtungen, können wir von vielen Pflanzen wie Tomaten, Zucchini, Gurken und Kürbissen jetzt Samen für das nächste Jahr gewinnen. Dazu nehmen wir einfach bei der Verarbeitung in der Küche die Samen aus dem Fruchtfleisch heraus, trocknen und lagern sie bis zum Frühjahr an einem dunklen, trockenen Ort in Papiertüten oder gut verschlossen in Büchsen und Gläsern.

Bohnen-, Erbsen- und Paprikasamen sind sehr leicht zu ernten, da man sie nur aus den Hülsen beziehungsweise aus der Frucht nehmen muss, sie anschliessend trocknet und bis zur neuen Aussaat im kommenden Frühling wie oben beschrieben lagert. Nebst selbst gemachten Kräuterölen, Kräuteressigen, Chutneys, Pesto und Konfitüren bringen wir oft auch Kräuter- und Gemüsesamen als kleines Geschenk mit, wenn wir bei Gartenfreunden eingeladen sind.

Des Gärtners Gold
Wer einen Garten pflegt, sollte unbedingt kompostieren, denn die Düngung mit Kompost ist ein ideales, einfaches und kostengünstiges Mittel zur Bodenpflege. Kompost verbessert nicht nur die Bodenqualität, sondern reduziert auch den Abfall im Garten und in der Küche, denn auf dem Komposthaufen wird alles «Grünzeug» in wertvollen Humus umgewandelt.

Zum Kompostieren braucht man ein halbschattiges Plätzchen. Ein guter Kompost stinkt zwar nicht, aber um eventuellem Ärger aus dem Weg zu gehen, sollte er nicht gerade unter dem Fenster des Nachbarn angelegt werden.

Ist der Platz für den Komposthaufen bestimmt, benötigt man einen Sammelbehälter. Es gibt im Gartenfachhandel zahlreiche Versionen aus Kunststoff und Metall. Den gleichen Dienst erfüllen aber auch einfache und günstige Gestelle aus Holz, zum Beispiel ein alter Palettrahmen. Das Kompostmaterial sollte direkten Kontakt zum Erdreich haben, damit die im Boden lebenden Mikroorganismen und Kleinstlebewesen direkten Zugang bekommen. Daher eignen sich geschlossene Kompostsysteme nur bedingt, zudem kann auch Wasser nicht ungehindert abfliessen. Bei Staunässe dauert der Kompostiervorgang länger oder wird durch Fäulnis sogar verhindert.

* Remo Vetter ist seit 2018 freischaffend als Gartengestalter, Referent und Buchautor unterwegs.

Wenns stinkt ist etwas faul
Ideal ist, wenn Sie drei bis vier kleinere Behältnisse bereitstellen können. Im ersten werden die frischen Abfälle aus Küche und Garten gesammelt. Der zweite dient dem Aufsetzen des Komposts. Darunter verstehen wir eine gute Durchmischung der verschiedenen anfallenden Abfälle. Oft machen Hobbygärtner den Fehler, die Materialien wie zum Beispiel Grasschnitt schichtenweise in den Kompostbehälter zu geben, was zur Folge hat, dass es zu einer Verpappung und einer damit verbundenen Fäulnisbildung und Gestank führt. Im dritten und vierten Behälter wird der fertige Kompost umgeschichtet, bis er gebraucht wird. Durch die Umschichtung erreichen wir eine optimale Durchmischung der abzubauenden Materialien und erleichtern den Abbau des organischen Materials durch Mikroorganismen. Ein gut gereifter Kompost fühlt sich erdig an und hat einen angenehmen Geruch.

Natürlich hat nicht jeder Gärtner Platz für ein solches System. Hobbygärtner kommen auch gut mit einem oder zwei Kompostbehältern aus.

+ Tipp: Im Idealfall wird der fertige Kompost schon im Herbst in die Erde eingearbeitet – so haben die frischen Nährstoffe Zeit, sich mit der alten Erde zu verbinden. Die ideale Ausbringungsmenge von Reifekompost liegt bei zwei bis vier Litern pro Quadratmeter und Jahr.

Schneiden oder stehen lassen? 
Sobald geerntet, der Kompost ausgetragen und alle frostgefährdeten Pflanzen geschützt, die Wasserleitungen und Regentonnen entleert sind und das Gartenhäuschen aufgeräumt ist, können wir es etwas ruhiger angehen und über die Frage sinnieren: Sollen wir die ausdauernden Pflanzen schon jetzt zurückschneiden oder erst im Frühjahr? Hier scheiden sich die Geister, aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass es auf verschiedene Aspekte wie Klima, Art der Bepflanzung und die Gartengrösse ankommt.

Wer in einer schneereichen Gegend lebt, wird kaum in den optischen Genuss zart eingepuderter Samenstände kommen, weil diese unter Schneebergen begraben sind. Und wer einen grossen Garten hat, wird allein aus Zeitgründen mit dem Ausputzen der Stauden schon im Herbst beginnen. Unser Credo lautet aber dennoch: Möglichst viele Pflanzen im Herbst stehen lassen, damit Insekten und vor allem Vögel im Winter Nahrung finden.

Abschneiden sollte man im Herbst hingegen alle Stauden, deren Laub oder Samenstände nach Frosteinbruch matschig und unansehnlich werden, denn solche Pflanzen werden auch gerne von Schnecken als Unterschlupf aufgesucht. Darum schneiden wir im Kräutergarten Pfefferminze, Liebstöckel, Zitronenmelisse, Oregano, Johanniskraut und im Ziergarten Pflanzen wie Funkien, Sonnenhut und Herbstanemonen zurück – auf dass sie der nächste Frühling wieder erblühen lasse.

Ungeschnitten schicken wir aber alle Gräser in den Winter. Für sie geht die Gefahr im Winter meistens von der Feuchtigkeit aus, die in die Mitte, also ins Herz des Horstes eindringt und das Gras zum Faulen bringt. Deshalb empfehlen wir, die Wedel mittelhoher und hoher Gräser mit einem Strick zusammenzubinden, damit von oben so wenig Feuchtigkeit wie möglich eindringen kann.

Auch die Obstbäume und Sträucher gehen langsam in die Winterruhe und damit ist die Zeit gekommen, die Schneidearbeiten in Angriff zu nehmen, solange es noch nicht zu kalt ist. Wir pflanzen jetzt auch wurzelnackte Bäume und Sträucher. Der Boden hat die Restwärme des Sommers gespeichert und mit genügend reifem Kompost und einer leichten Mistgabe versehen, wachsen die Gehölze vor dem Wintereinbruch gut an.

Richtig kompostieren



Das kommt auf den Kompost

Immer gut durchmischt
+ Rüstabfälle von Gemüse und Obst
+ Eierschalen (zerdrückt)
+ Tee und Kaffeesatz
+ Schnittblumen
+ Balkon- und Topfpflanzen mit Erdballen
+ Kleintiermist
+ Federn und Haare
+ Holzasche
+ Laub
+ Gras- und Rasenschnitt
+ Hecken- und Baumschnitt
+ Halbverrotteter Kompost oder Erde als Rottebeschleuniger

Das gehört nicht auf den Kompost
– Pflanzen, die von Schädlingen befallen oder mit Spritzmitteln behandelt sind
– Wurzelunkräuter wie Geissfuss, Distel, Schnurgras, Winde
– Zigarettenstummel und Zigarettenasche
– Gekochte Lebensmittel
– Asche von behandeltem Holz
– Hundekot und Katzensand
– Öle und Fette
– Metall, Glas, Steine, Plastik

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