Pure Lebensfreude

Remo Vetter | Ausgabe_04_18

Allzu oft wird das Gärtnern zur Mühsal. Doch das muss nicht sein. Wie der Garten ein Ort der Entspannung und der Musse wird.

@ istockphoto.com, Dave Brüllmann, zvg

Die Auswahl der richtigen Pflanzen spielt eine grundlegende Rolle beim naturnahen Gärtnern. Langjährige, widerstandsfähige Gewächse erfordern weniger Aufmerksamkeit als exotische Pflanzen; winterharte, an unser Klima gewöhnte Stauden kommen mit dem Wetter besser zurecht und sind deshalb pflegeleichter. Bei Bäumen und Sträuchern sind Sorten zu bevorzugen, die ohne regelmässigen Schnitt am besten wachsen. Daneben gilt es noch einige Tricks zu berücksichtigen, um die Gartenarbeit zu minimieren: Bodendecker oder Mulch halten den Boden feucht, sind ein bewährtes Mittel gegen die Verbreitung von Unkraut und fördern die Entwicklung von Bodenmikroorganismen. Bei uns wird wenig gedüngt und bewässert, nicht etwa aus Faulheit, sondern weil das in unseren Breitengraden die meiste Zeit nicht nötig ist. Wenn man dem Rasen nicht wöchentlich eine Vollrasur verpasst, trocknet er auch nicht so schnell aus.

Ein Garten, in dem man sich wohl fühlt, entsteht natürlich nicht dadurch, dass man nur in der Hängematte liegt. Ein Minimum an Pflege braucht jeder Garten. Ein passionierter Gärtner empfindet die körperliche Anstrengung jedoch nicht als nervig, im Gegenteil! Die Bewegung an der frischen Luft, das Säen, Setzen, Pflanzen, Hacken, Graben, Pikieren, Ausgeizen und Ernten kann meditativ auf die Seele wirken. Ich behaupte sogar, dass es nichts so Entspannendes und Heilendes gibt wie einen Tag im Garten. Vorausgesetzt, wir lassen uns von ihm nicht stressen. Mit folgenden Tipps können Sie den Grundstein legen für ein entspanntes Gärtnerleben.

Tipp 1: Bescheiden planen
Legen Sie den Garten nicht zu gross an. Zwei, drei Gemüsebeete reichen für den Anfang. Denn tägliche, kurze und variierende Einsätze bereiten Gartenanfängern in der Regel mehr Freude als tagelange monotone Arbeiten.

Tipp 2: Think small
Keine zu grossen Bäume und Sträucher pflanzen, die ständig Blätter verlieren oder geschnitten werden müssen, wie zum Beispiel Bambus oder Kirschlorbeer. Ideal sind kleinbleibende heimische Wildgehölze und gemischte Hecken, die Vögeln und Insekten Lebensraum bieten, etwa die Alpenrebe, Berberitze, Heidelbeere, Felsenbirne, Schlehe oder das Pfaffenhütchen und der Sanddorn.

Tipp 3: Keine Freiflächen
Wie alle Pflanzen braucht auch Unkraut Licht. Deshalb wächst es überall dort, wo keine geschlossene Pflanzendecke existiert. Eine dichte Mischung aus Stauden, Bodendeckern und kleinen Gehölzen hemmt die Ausbreitung von Unkraut.

Tipp 4: Blumenwiese statt Rasen
Wer kein Golfturnier veranstalten will, kann auf einen Zierrasen verzichten, der nach wöchentlicher Rasur schreit. Eine Blumenwiese muss nicht vertikutiert und gedüngt und nur selten gemäht werden. Ausserdem lockt sie Schmetterlinge und Insekten an. Im Fachhandel sind diverse Wildblumenmischungen erhältlich.

Tipp 5: Nussbaum statt Palmen
Als Faustregel gilt: Je exotischer die Gartengäste, desto pflegeintensiver sind sie. Wer auf heimische Pflanzen setzt, hat weniger Arbeit. Zudem werden sie dankbar von Insekten, Vögeln und anderen Kleinlebewesen angenommen und bieten ihnen ideale Lebensbedingungen.

Tipp 6: Ausdauernde Pflanzen
Wählen Sie ausdauernde Pflanzen wie mehrjährige Stauden, die im Frühling stets wieder aufs Neue erscheinen. Sie bilden gemeinsam mit Gehölzen das dauerhafte Gerüst des Gartens. Bei Blumenzwiebeln gibt es solche, die im Boden bleiben und naturnah verwildern, z. B. Krokusse, Schneeglöckchen und Wildtulpen.

Tipp 7: Winterharte Kräuter
Auch frostbeständige, mehrjährige Kräuterarten wie Liebstöckel, Minze, Salbei, Thymian und Schnittlauch können in das Gartengerüst einbezogen werden. Legen Sie ein Kräuterbeet nahe der Küche an, so sind die Kräuter immer schnell zur Hand. Ein solches Beet erfordert kaum Pflege, sieht schön aus und stärkt durch tägliche Verwendung der Kräuter die Gesundheit.

Tipp 8: An die Gartenhelfer denken
Eine Vielzahl Nützlinge wie Marienkäfer, Wildbienen, Ohrenwürmer, Florfliegen, Schwebefliegen und Raubmilben sind als biologische Pflanzenschutzhelfer gegen Blattläuse, Spinnmilben und viele andere Schädlinge im Einsatz. Bieten Sie den fleissigen Helfern ein Zuhause in Ihrem Garten. Ein Insektenhäuschen wird von uns meist aus Schilf, Bambusstäben, Totholz, Ziegelsteinen und Lehm gebaut. Wichtig ist, dass man nur unbehandelte, natürliche Materialien benutzten. Bei der Standortwahl achte man darauf, dass die Häuschen trocken und geschützt stehen. Ein Platz nach Osten hat den Vorteil der Morgensonne, denn viele Insekten brauchen eine gewisse Anlauftemperatur, um aktiv zu werden – uns geht es ja ähnlich. Auf keinen Fall sollte das Insektenhaus in Richtung Wetterseite aufgestellt werden, denn dadurch wären die kleinen Helfer Regen, Wind und Schnee ausgesetzt.

Tipp 9: Die Zeit vergessen
Machen Sie es sich zur Gewohnheit, im Garten keine Uhr zu tragen. Entschleunigen Sie. Der Garten soll ein Ort der Entspannung und der Musse sein.

Gartenarbeiten im April
Für uns Gärtner geht es im April so richtig zur Sache. Im Treibhaus und Frühbeet sowie unter dem Folientunnel haben wir bereits ausgesät. Gleichwohl müssen wir vorsichtig sein: Für Freilandsaaten warten wir besser die Eisheiligen Mitte Mai ab. Das ist jetzt zu tun:
Nutzgarten
Gemüse in vorbereitete Beete säen, z. B. Karotten, Lauchzwiebeln, Mairüben, Radieschen, Rettiche, frühe Salate.
Direkt gesät werden auch Gewürze wie Borretsch, Dill, Petersilie, Rucola, Schnittlauch, Kamille, Kresse und Bohnenkraut.
Knollen von Topinambur und Spargelwurzeln kommen jetzt in den Boden, ebenso Erdbeerpflanzen und Gewürzstauden wie Liebstöckel, Petersilie und Schnittlauch.
Überwinterte Gewürzpflanzen wie Thymian, Lavendel und Salbei kürzen wir um 1⁄3 ein.
In regelmässigen Abständen pflanzen wir Gemüsesetzlinge aus, damit diese nicht gleichzeitig reif werden. In unserer rauen Lage auf 1000 Meter über Meer ist es sinnvoll, ja ein Muss, nachts mit Vlies abzudecken.
In milden Lagen können bereits Frühkartoffeln gepflanzt werden.
Auf dem Fenstersims oder im Treibhaus ziehen wir Gurken, Melonen, Tomaten, Zucchetti und Kürbisse vor. Auch für die Anzucht von wärmeliebenden Gewürzen wie Basilikum oder Verveine ist die Zeit jetzt günstig.
Ziergarten
Rasen vertikutieren, düngen und nachsäen.
Blüten- und Gräserstauden, Sträucher und Gehölze werden im Garten und in Balkongefässen gepflanzt, bestehende Stauden durch Wurzelteilung verjüngt.
Kälteverträgliche Sommerblumen direkt in die frisch gejätete Erde säen, z. B. Löwenmäulchen, Mohn, Korn- und Ringelblumen, Duftwicken oder Rittersporn.
Im frostfreien Gewächshaus oder im Haus Blumen aussäen, z. B. Astern, Kosmeen (Schmuckkörbchen , Nelken, Petunien, Sonnenhut, Tagetes und Zinnien.
Balkon- und Kübelpflanzen aus dem Winterquartier holen, zurückschneiden, umtopfen und düngen.

Zur Person
Remo Vetter gestaltete im Auftrag bekannter Firmen Gärten in der Schweiz, in England und Irland und ist seit 2018 freischaffend als Gartengestalter, Referent und Buchautor unterwegs. Naturzusammenhänge, Nachhaltigkeit, Entschleunigung und Sinnfindung sind die zentralen Themen seiner zahlreichen Publikationen, Vorträge, Radio- und Fernsehauftritte im In- und Ausland.

Zierhanf im Garten
Hanf (Cannabis Sativa), eine der ältesten Kulturpflanzen, ist als Rauschgift verpönt und zugleich eines der wirksamsten Arzneimittel. Hanf wirkt beruhigend, muskelentspannend, appetitsteigernd, schmerzhemmend, antibiotisch, blutdrucksenkend und antiepileptisch; er senkt den Augeninnendruck und erweitert die Bronchien. Das Kraut wird unter anderem bei grünem Star (Glaukom), Schlafstörungen und zur Linderung der Nebenwirkungen einer Chemotherapie eingesetzt.

Seine Samen haben einen sehr hohen Gehalt an essenziellen Fettsäuren. Hanfsamenöl ist aber nicht nur gesund, sondern auch wegen seinem nussigen Geschmack beliebt; äusserlich aufgetragen kann es bei Neurodermitis, Herpes und anderen entzündlichen Hauterkrankungen helfen. Laut Hildegard von Bingen ist ein aus Hanf gefertigtes Tuch «gut zum Verbinden der Geschwüre und Wunden». In der TCM wird Hanf gegen Schlafstörungen, Kopf schmerzen, Menstruationsprobleme, Husten und vor allem Schmerzen verordnet.

Und im Garten? Ist der sonnenliebende, pflegeleichte, schnellwachsende, bis zu 3,5 Meter hohe Hanf eine Zierde. Mit seinen bis zu 1,4 Meter tief eindringenden Wurzeln lockert er den Boden; und er befreit ihn von Giftstoffen – wer auf belasteten Böden dereinst Gemüse anbauen will, ist also gut beraten, zuerst Hanf zu säen respektive setzen (nach den Eisheilligen). Ausserdem riecht Hanf gut und hält lästige Insekten fern. Menschen, die ihn vor dem Schlafzimmer platzieren, berichten, dass sie besser schlafen. Erntezeit der einjährigen Pflanze ist Ende September/Anfang Oktober. Verwendet werden die weiblichen Blüten, Samen, Blätter und frischen Triebe, etwa als Tee, Smoothie oder Badezusatz.

Erlaubt ist der Hanfanbau, wenn die Pflanzen einen THC-Gehalt von unter 1 Prozent aufweisen. Beim Zierhanf von Roger Urs Bottlang ist das der Fall. Der CBD-Gehalt seiner Pflanzen beträgt 5 bis 6 Prozent. Ein Zertifikat, das jeder Pflanze mitgegeben wird, bescheinigt das. Hilfreich, falls wider Erwarten die Polizei aufkreuzen sollte. krea

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Verkauf und Abholung

Rötlerstrasse 10
5512 Büblikon
Öffnungszeiten für Pflanzenverkauf von Mittwoch, 16. Mai bis Samstag, 9. Juni 2018
• Mittwoch, 9 –17 Uhr
• Freitag, 13.30 –17.30 Uhr
• Samstag, 10 –14 Uhr
Oder nach telefonischer Übereinkunft: 076 384 55 99

Foto: istockphoto.com, Dave Brüllmann, zvg

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