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Mehr als Kalziummangel: Osteoporose

Kategorie: Gesundheit
 Ausgabe_05_2014 - 01.05.2014

Text:  Sabine Hurni

Die Knochen geben dem Körper Stabilität und Festigkeit. Nimmt ihre Dichte ab, wird flächendeckend Kalzium verschrieben.

Milch sorgt für starke Knochen. So verspricht es zumindest die Werbung. Zum Schutz vor Knochenschwund folgen viele Frauen nach der Menopause diesem Aufruf. Sie versuchen über den Konsum von Milchprodukten und kalziumreichem Mineralwasser die Kalziumaufnahme zu erhöhen.

So wirksam kann diese Massnahme jedoch nicht sein. In einem Land wie der Schweiz würde niemand an Osteoporose leiden, wenn es mit dem Genuss von Milchprodukten getan wäre. Es stellt sich also die Frage, was unsere Knochen
wirklich brauchen, um über Jahre hinweg gesund und stark zu bleiben.

Weder starr noch statisch

Obwohl das Knochengewebe unsere stärkste Körpersubstanz ist, sind die Knochen weder starr noch statisch. Wie jedes andere Gewebe befinden sich auch die Knochen in einem ständigen Auf- und Abbau. Während der Wachstumsphase überwiegt bis zum 21. Altersjahr der Knochenaufbau. Danach halten sich die Bildung und der Abbau von Knochengewebe in einem fliessenden Gleichgewicht.

Nur so können sich die Knochen den äusseren Bedingungen anpassen und Mikroverletzungen reparieren. Nur die äusserste Knochenschicht ist massiv und dicht. Das Innere des Knochens ist mit einem schwammähnlichen Gerüst ausgefüllt. Dieses ist leicht und gleichzeitig sehr stabil.

Mehr als Kalzium

Für einen gesunden Knochenaufbau braucht der Körper einige wichtige Mineralstoffe und Hormone. Dazu gehören das Kalzium, das Parathormon der Nebenschilddrüse, das Calcitonin aus der Schilddrüse, Sexualhormone wie Östrogen und Androgen sowie Vitamin D (Calciferol) und körperliche Belastung. Diese Vitamine, Hormone und Mineralstoffe sorgen dafür, dass Kalzium durch die Darmwand ins Blut aufgenommen, von dort in die Knochen eingelagert und in stabile Kalziumphosphat- und Kalziumkarbonatverbindungen umgebaut wird.

Fehlen manche dieser Hilfsstoffe, kann Kalzium nicht ausreichend über die Ernährung und den Darm aufgenommen und in die Knochen eingelagert werden. Folge davon ist ein verstärkter Knochenabbau. Die Knochendichte nimmt ab und die Gefahr für Knochenbrüche wächst. Bei sehr geschwächten Knochen kann ein Wirbelkörper oder der Oberschenkelhals in sich zusammenbrechen.

Frauen früher gefährdet

Weil nach den Wechseljahren der Östrogenspiegel absinkt, kommen Frauen meistens früher in Kontakt mit der Diagnose Osteoporose als Männer. Bei Männern sinkt der Androgenspiegel erst später mit fortgeschrittenem Alter. Interessanterweise schützt Übergewicht bis zu einem gewissen Grad vor Osteoporose. Ob das durch die verstärkte mechanische Belastung bedingt ist, oder durch eine erhöhte Östrogenversorgung aus dem Fettgewebe, ist nicht ausreichend geklärt.

Kalzium spielt für die Knochen und den Körper eine sehr wichtige Rolle. 99 Prozent des Kalziums im Körper sind in den Knochen lokalisiert. Nur ein Prozent befindet sich im Blut und im Gewebe. Das Kalzium als Knochenmineral ist somit eine wichtige Aufbausubstanz für das Skelett.

Gleichzeitig dient das Kalzium im Knochen auch als Kalziumspeicher für anderweitigen Bedarf. Das heisst, dass zwischen den Knochen und dem Blut ein reger Kalziumaustausch stattfindet. Braucht ein Organ Kalzium, zum Beispiel für die Blutgerinnung, die Aktivierung des Herzmuskels und der Nerven, holt es dieses aus dem Blut. Ist das Kalzium im Blut nicht in ausreichender Menge vorhanden, müssen die Knochen einen Teil des Kalziums hergeben. Um das Blut-Kalzium aufrechtzuerhalten, entzieht der Körper Kalzium aus der Knochensubstanz.

Kalziumspiegel hoch halten

So wichtig das Mineral für unseren Körper auch sein mag – Osteoporose ist nicht allein eine Kalziummangelkrankheit. Es hat sich zum Beispiel gezeigt, dass eiweissreiche Kost die Kalziumausscheidung über die Nieren erhöht. Insbesondere tierische Eiweisse mit hohem Phosphatanteil wie Fleisch oder Käse bilden während dem Abbau freie Säuren. Diese binden Kalzium und die gebildeten Salze werden ausgeschieden. Ein hoher Konsum an tierischen Eiweissen kann somit das Kalzium-Phosphor-Verhältnis stören.

Neben der Einschränkung des Eiweisskonsums kann der Osteoporose auch mit regelmässigen Sonnenbädern, Spaziergängen im Freien und einer ausgewogenen Ernährung mit viel pflanzlicher Frischkost weitgehend entgegengewirkt werden. Besonders reich an Kalzium sind Sesamsamen, Mandeln und getrocknete Feigen. Auch frische, grüne Gartenkräuter wie Petersilie, Schnittlauch, Basilikum, Löwenzahnblätter, Sprossen und Spinat sollten die Mahlzeiten täglich bereichern, weil sie gute Kalziumlieferanten sind.

Natürliche Hilfe für gesunde Knochen
Zu wenig Magensäure: Forscher des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf haben nachgewiesen, dass eine verminderte Bildung von Magensäure die Knochen schwächt und zu Osteoporose führt. Das zu wenig saure Magenmilieu stört die Aufnahme von Kalzium aus der Nahrung, was sich auf den Knochenaufbau auswirkt. Bei Osteoporose-Patienten mit erhöhtem Magen-pH ist wegen der gestörten Kalziumaufnahme zudem die gängige Behandlung mit Kalziumkarbonat zu hinterfragen – siehe «natürlich» 9-2009
Kalziumräuber meiden: Zucker, Weissmehlprodukte, Fleisch, Käse und Genussmittel benötigen für die Verstoffwechselung sehr viel Kalzium. Da Osteoporose-Betroffene eher zu wenig Magensäure haben, sollten Sie vorwiegend Vegetarisch leben. Fleisch kann nur von Menschen verdaut werden, die über sehr viel Magensäure verfügen.
Milchprodukte: Bei Osteoporose wird neben Kalziumtabletten gerne auch der Genuss von Milch und Käse verordnet – dabei kommt die Osteoporose besonders häufig in Ländern vor, in denen sehr viel Käse und Milch konsumiert werden! Es macht deshalb keinen Sinn, grosse Mengen an Milchprodukten zu verzehren. Eine Tasse warme Milch mit Safran vor dem Schlafengehen befeuchtet den Körper, ein Stück Käse pro Tag liegt auch drin.
Ebenso etwas Quark oder Ricotta mit vielen frischen Kräutern. Mehr ist nicht empfehlenswert.
Bewegung hilft: Walken, Joggen, Treppenlaufen, Seil- und Trampolinspringen sind Bewegungsarten, die für die Knochen besonders gut sind. Denn Schlagbewegungen, welche die Knochen leicht erschüttern, führen zu einer Verdichtung der Knochensubstanz. Allerdings sollten Sie Sport mit Mass betreiben. Wer von seinem Körper zu viel fordert, kann ihn überhitzen, was wiederum zu einer Entmineralisierung des Knochens führen kann.
Keine Angst vor der Sonne: Zu viel Schutz vor UV-Strahlung dient dem Körper nicht. So sind wir zwar vor Hautkrebs geschützt, doch das Vitamin D kann nicht gebildet werden. Der Blick darf also ruhig immer mal wieder in den Himmel gleiten. Besonders im Winter, wenn das Licht eher spärlich ist. Denn über die Augen nehmen wir sehr viel Licht auf.
Zu viel Trockenheit: Bei einer Osteoporose sind die Knochen spröd und trocken. Das deutet auf einen Feuchtigkeitsmangel im Körper hin. Trockene und stark erhitzende Lebensmittel sollten deshalb gemieden werden. Als trocken gelten Brot und Gebäck, Salate, grilliertes Fleisch oder Müesliflocken. Erhitzend sind Nikotin, Alkohol, Kaffee, scharfe Gewürze und jodiertes Kochsalz. Bekömmlicher sind saftige Speisen, Eintöpfe mit Wurzelgemüse, Suppen, Saucen sowie Quark mit Kräutern und Olivenöl. Äusserlich sollte der Körper regelmässig vor dem Duschen mit Ölmassagen genährt werden.

Unkraut? Heilkraut!

Weitere pflanzliche Helfer sind die Brennnessel und der Schachtelhalm. Sie enthalten reichlich Kieselsäuren. Beide Heilpflanzen sind zur Durchspülung der Nieren, der Harnwege und des Bindegewebes wichtig.

Aufgrund der Pflanzensymbolik wird der Ackerschachtelhalm (Ecquisetum Arvense) bei Krankheiten eingesetzt, die mit einem Mangel an Stabilität und Struktur zu tun haben. Er wächst in ganz Europa, Asien und Nordamerika auf lehmhaltigen Sandböden und an Wiesenrändern. Der Ackerschachtelhalm treibt bis zu zwei Meter lange, zähe Wurzeln weit verzweigend ins Erdreich. Das macht ihn zu einem hartnäckigen Garten-Unkraut, das man fast nicht mehr los wird. Oberhalb der Erde wird der Schachtelhalm bis zu 50 Zentimeter hoch. Er blüht nicht, sondern vermehrt sich wie Pilze durch die Bildung von Sporen.

Als Arznei verwendet man die getrockneten, grünen Sprossen. Sie enthalten fünf bis acht Prozent Kieselsäure sowie Kalium- und Aluminiumsalze. Zur vorbeugenden Massnahme bei Osteoporose kann der Schachtelhalm als Tinktur oder als Tee verwendet werden. Für die Teezubereitung nimmt man zwei bis drei Teelöffel des getrockneten Schachtelhalmes, übergiesst ihn mit kochendem Wasser und lässt das Ganze fünf Minuten kochen. Der Sud wird nach 15 Minuten abgeseiht. Von dieser Mischung kann man täglich zwei bis drei Tassen trinken.

Der Gattungsname Equisetum ist lateinischer Herkunft und setzt sich aus equus (Pferd) und seta (Schwanz) zusammen. Bereits bei den Griechen hiess die Pflanze hippuris (Pferdeschwanz), offenbar wegen der feinen Zweige einiger Arten. Heute ist der Schachtelhalm auch als Katzenschwanz bekannt. Wegen des hohen Gehaltes an Kieselsäure wurde die Droge früher zum Reinigen von Gefässen, Möbeln und Parkettfussböden verwendet. So ist das Synonym Zinnkraut entstanden.

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