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Lindenblüte

Kategorie: Gesundheit
 Ausgabe 9_2018 - 30.08.2018

Die Linde von Linn auf dem Bözberg (AG) ist wohl einer der bekanntesten Bäume der Schweiz. Imposante Lindenbäume findet man aber auch in Pärken, Alleen und auf Plätzen, wo sie im Sommer, zur Zeit der Blüte, herrlich duften.

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Die Sommerlinde (Tilia platyphyllos) blüht etwas früher als die Winterlinde (Tilia cordata), die etwa bis Mitte Juli Blüten trägt. Auf den ersten Blick sehen beide Bäume gleich aus. Erst bei genauerer Betrachtung fällt auf, dass die Blätterkrone der Sommerlinde dichter schliesst als jene der Winterlinde. Die Blattoberseite und Blattstile der Sommerlinde sind behaart, jene der Winterlinde kahl. Beide Bäume liefern heilkräftige Lindenblüten.

Die reifen, offenen Lindenblüten enthalten vorwiegend Flavonoide, Schleimstoffe und ätherische Öle. Diese Wirkstoffkombination macht den leicht süsslichen, angenehm schmeckenden Lindenblütentee zu einem sanften Heilmittel bei Erkältungskrankheiten aller Art. Bei ersten Anzeichen einer Erkältung sollte man ihn möglichst heiss trinken. Aufgrund der Schleimstoffe lindert der Lindenblütentee Reizhusten. Zudem wärmt er durchgefrorene Knochen nach einem Tag in der Kälte. Er hilft aber auch bei Erkältungsbeschwerden infolge von Klimaanlagen und wird in der Volksmedizin als Schwitzkur bei fiebrigen Erkältungskrankheiten empfohlen. Ganze Lindenblüten sollten vor dem Überbrühen mit kochendem Wasser zwischen den Fingern ein bisschen zerbröselt werden, damit sich die Wirkstoffe gut lösen.

Als Knospenmazerat (Gemmotherapie) wirken Lindenblüten beruhigend, schlaffördernd und stressmildernd. Die Gemmotherapie (lat. Gemmo = Knospen) ist eine relativ junge Heilmethode, die sich zwischen der herkömmlichen Heilpflanzenkunde und der Homöopathie bewegt. Gemmopräparate werden aus teilungsaktivem Pflanzenmaterial wie Knospen, Wurzelspitzen oder Jungtrieben hergestellt. Die Erfahrung mit der Gemmotherapie zeigt, dass der menschliche Stoffwechsel durch die aktiven, teilungsfreudigen Pflanzenzellen sehr kraftvoll unterstützt wird, teilweise sogar effizienter als mit einer herkömmlichen Heilpflanzentinktur.

Während ein Lindenblütentee beruhigend wirkt, ist das Gemmomazerat der Sommerlinde nicht nur ein äusserst entspannendes Heilmittel bei Schlafstörungen, sondern hilft auch bei Burn-out, Depressionen, Müdigkeit und Prüfungsängsten. Es stärkt das Nervengeflecht, gleicht aus, reduziert Stress und löst (Herz-)Beschwerden infolge Angstgedanken und Hysterie. Zudem kann das Präparat bei der rheumatischen Erkrankung Fibromyalgie, «Restless Legs» und durch Stress verursachten Magenschleimhautentzündungen Linderung verschaffen.

Gut zu wissen

Volkstümliche Verwendung
Lindenblütentee wird als hustenreizlinderndes und krampflösendes Mittel gegeben. Darüber hinaus wird er, möglichst heiss getrunken, für Schwitzkuren bei fiebrigen Erkältungskrankheiten empfohlen. Gelegentlich wird er auch als Diuretikum («Durchspülmittel»), Antispasmodikum (Arzneimittel gegen Krämpfe) und Sedativum (Beruhigungsmittel) verwendet.

Räucherkraut
Getrocknete Lindenblüten kann man räuchern. Sie verströmen einen ausgleichenden, lieblich harmonischen Duft, der sehr entspannend wirkt. Dasselbe gilt für das ätherische Lindenblütenöl. Zum Räuchern legt man die zerbröselten Blüten auf ein Räucherstövchen mit Sieb. Diese Methode eignet sich für die feinen Blüten besser als die glühende Kohle, auf der sie sehr rasch verbrennen.

Erfrischendes Getränk Der zarte Lindenblütentee schmeckt auch kalt mit Zitronensaft vorzüglich. Im September sammelt sich im Körper nochmals viel Hitze an. Ein kühler Lindenblütentee wirkt ausgleichend und tut gut.

Selber sammeln
Falls Sie im kommenden Sommer (im Juni/Juli) selber Lindenblüten sammeln möchten, sollten Sie abwarten, bis die Blüten offen sind. Nach ein bis drei regenfreien Tagen kann man diese dann mitsamt Flugblatt pflücken und an einem schattigen Platz schonend trocknen. Wenn die Blüten intensiv duften, sind sie besonders heilkräftig. Getrocknete Blüten vor Licht und Feuchtigkeit geschützt aufbewahren.

Bisher erschienen
Hopfen, Mistel, Hamamelis, Schlüsselblume, Lavendel, Kurkuma, Huflattich, Löwenzahn, Maiglöckchen, Ringelblume und viele mehr. Siehe www.natuerlich-online.ch

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