Kampf ums Herz

Marion Kaden | Ausgabe 01 - 2012

Einerseits propagieren Ärzte die Herzmedizin als Erfolgsgeschichte im Gesundheitswesen. Andererseits sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen die Todesursache Nummer eins. Da kann doch etwas nicht stimmen.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen stehen heute auf Platz eins aller Todesursachen, berichtet das Bundesamt für Statistik (BFS) in Neuchâtel. Und dies trotz aller Aufklärungs-Bemühungen, aller Präventions-Programme oder aller «innovativer» Medikationen interessierter Kreise: zum Beispiel dem Daueralarm der Schweizerischen Herzstiftung in Bern – «Zwei Drittel der Schweizer Herzen sind gefährdet!». Gleichzeitig macht das BFS klar: Die Lebenserwartung steigt kontinuierlich an: Betrug 1981 das Durchschnittsalter eines Mannes noch 72,4 stieg es bis 2010 auf 80,1 Jahre an. Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht absehbar. Irgendetwas läuft hier schief, besonders aus naturmedizinischer Sicht.

Risiken ausmerzen und das Sterben verschieben 

All diese Risiko-Pickerei ist Schnee von gestern: Schon unsere Vorfahren haben mit guter Beobachtung und Schlussfolgerung viele der heute diskutierten Lebensrisiken erkannt. Beispielsweise der Zusammenhang einer gesteigerten Blutfülle, der sogenannten Vollblütigkeit (Plethora), mit dem Schlagfluss, einem Schlaganfall. Doch erst heute glauben wir, Gesundheitsrisiken (umgangssprachlich Risikofaktoren genannt) durch Vorbeugung (Prävention, Prophylaxe) oder Behandlung ausmerzen zu müssen. Zum Beispiel werden immer häufiger gesunde Menschen zur Blutdruck- oder Cholesterinspiegel-Messung angehalten und bei «abweichenden» Werten zur «Normalisierung» dieser Risikofaktoren aufgefordert – meist mit Medikamenten. Kritiker nennen dies kostenträchtige Laborwert-Kosmetik.

Bei uns allen hat diese Risiko-Propaganda tiefe Spuren hinterlassen. Viele Menschen glauben heute, dass Vorbeugung ihr Leben verlängert, es lebenswerter macht oder sie gar gesünder werden lässt. Wissenschaftlich betrachtet ist dies Unfug: Der Beitrag der modernen Medizin zu der beeindruckenden Lebensverlängerung wird selbst von wohlmeinenden Gesundheitsökonomen als nur gering geschätzt. Andere Faktoren wie zum Beispiel Bildung, Lebensmittel-Hygiene, verkürzte Arbeitszeit, Schichtzugehörigkeit und- Fortfall schwerer Arbeit sind weitaus bedeutsamer. Klar ist auch, dass die Vorbeugung einzelner Erkrankungsgruppen nicht zu ewigem Leben führt, sondern nur das Krankheitsspektrum und die Sterbeursachen verschiebt. Doch der Lobbyisten-Wahnsinn und ihr Alarmismus haben Methode, wie Experten-Aussagen zeigen: Michael Böhm, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie stellte 2010 bei einem Treffen von 2000 Herzmedizinern fest: «Die Kardiologie, hat in den vergangenen 15 Jahren die Erfolgsgeschichte im Bereich der Medizin geschrieben. Von allen Fachrichtungen trägt sie den grössten Anteil an der Verlängerung der Lebenserwartung in den westlichen Industrieländern.»

Gesundheitspflege statt Dauerangst

Ganzheitliche Gesundheitspflege des Herz-Kreislauf-Systems berücksichtigt ein wesentliches Charakteristikum dieses Funktionskreises im Menschen: In der zentralen Rhythmik dieses Systems (Herzschlag, Puls) spiegeln sich andere funktionelle Biorhythmen im Menschen (Atmung) wider. Ebenso stehen sie mit den Lebensrhythmen unserer Umwelt (Tag/Nacht, Jahreszeiten) in Einklang. Zudem ist zu berücksichtigen, dass unser Herz nach traditioneller Auffassung keine mechanische Blutpumpe ist, sondern das Zentralorgan des menschlichen Fühlens. Hieraus folgen für Gesundheitspflege oder moderne Naturmediziner bereits drei zentrale gesundheitspflegende Möglichkeiten:
● Gesellschaftstanz oder auch Bewegungskunst mit teilweise gesundheitlichen Aspekten (Eurythmie, Heileurythmie). Wesentlich ist jedoch nicht das therapeutische Potenzial des Tanzes. Denn: Viele Menschen, die Gesundheitspflege betreiben, sind ja völlig gesund. Wesentlich sind vielmehr das wohltuende, entspannende oder Freude bereitende eigene Mitschwingen mit der Musik einerseits und das menschliche Gegenüber andererseits. Dies ist eine Wohltat auch für Herz und Kreislauf und geht besonders auf deren Bedürfnisse nach stimulierenden äusseren Rhythmen ein.
● Während Tanz den Rhythmus der Musik körperlich wahrnimmt, wird der Genuss von (klassischer) Musik über unseren «Geist» vermittelt. Wobei – je nach Geschmack und Musik – sehr schnell auch seelische und körperliche Reaktionen folgen können. Eine besondere Form der Musikwahrnehmung ist traditionell die selbst gemachte Musik, die Hausmusik. In jedem Fall rhythmisiert klassische Musik, wie zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, viele Biorhythmen im Menschen, und nicht zuletzt auch das Herz-Kreislauf-System.
● Obwohl alle Organe und Funktionskreise des Menschen rhythmisch ablaufen, hängen Herzschlag und Atmung und seelische Funktionen besonders eng zusammen. Dass eine Vielzahl verschiedener Atemtherapien entstanden sind, verwundert also nicht (Graf von Dürckheim, Gerda Alexander und viele andere). Die meisten Schulen wollen körperliche und vor allem seelische Leiden bessern oder heilen, wogegen der «erfahrbare Atem» nach Ilse Middendorf gerade keine Heilmethode ist. Vielmehr wird über den rhythmischen Atem und seine Bewusstwerdung das Gesunde im Menschen gestärkt.

Gesundheitspflege im weiteren Sinn 

Gesundheitspflege des Herz-kreis-laufsystems im weiteren Sinne sind zum Teil schon seit Urzeiten als gesund erhaltend bekannte Aktivitäten, aber auch ganz andere. Hierzu einige Beispiele:
● Wandern, walken oder spazieren in der grünen Natur. Hier fallen besonders drei Einwirkungen ins Auge. Zum einen die gleichmässig-rhythmische Bewegung, die anerkanntermassen nicht nur für Herzkranke heilsam ist, zum anderen die Stimulation der Atmung durch Aktivität und frische Luft sowie die Wirkung der grünen Naturumgebung mit ihrer nachweislich ausgeprägt gesund erhaltenden Wirkung.
● Die Vorbeugung von Herzkrankheiten durch Ernährung besteht meist daraus, eine Vielzahl leckerer, nahrhafter oder gewohnter Lebensmittel zu verbieten. Eine Ernährung, die die Herz-Kreislauf-Gesundheit pflegen soll, hat jedoch eine andere Ausrichtung. Sie verwendet leckere Pflanzen oder Pflanzenprodukte mit vorteilhafter Herzwirkung. Ein Beispiel sind die Laucharten Zwiebel, Bärlauch und Knoblauch. Wie gesagt, gesunde Menschen brauchen nicht vorzubeugen – deswegen sollten solche Lebensmittel vor allem lecker sein und Freude bei der Zubereitung und beim – gemeinsamen – Verzehr bereiten.
● Das Zentralorgan des Fühlens, der menschlichen Liebe ist das Rhythmusorgan Herz. In der Überwindung von Egoismus, seelischer Verhärtung oder Seelen zerfressender Gier leisten wir einen Beitrag zu gesundheitlicher Pflege im weiteren Sinne. Aktive ehrenamtliche soziale Tätigkeit wäre ein gutes Beispiel dafür. 

Fotos: Bestprice-Images, Michael Timm, Bestprice-Images


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