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Göttliche Pläne

Kategorie: Leben
 Ausgabe 1 - 2009 - 01.01.2009

Text:  Hans Peter Roth

Kirchen und prähistorische Stätten sind meist nicht willkürlich in eine Landschaft gebaut worden. Vielmehr bestehen zwischen ihnen geheimnisvolle geometrische Verbindungen. Ihre Erbauer beachteten astronomische, religiöse oder geomantische Prinzipien.

Die Hauptachse der Kirche von Amsoldingen am Fuss der Stockhornkette im Berner Oberland zielt genau auf den Sonnenaufgang zur Sommersonnenwende am 21. Juni. Die Kirche gilt als Kraftort, Menschen von weither besuchen sie. Zur Gründungszeit der ersten Kirche im 7. Jahrhundert muss die Gegend unweit von Thun unwegsam und dicht bewaldet gewesen sein – rein bautechnisch nicht gerade ideal für einen Sakralbau. Warum wurde der Standort der romanischen Kirche dennoch gerade da gewählt? «Eher hätte man früher ein Wasserrad in die Wüste gestellt, als, so wie heute, eine Kirche an einem beliebigen Ort zu errichten», schreibt der deutsche Geomantie-Experte Jens Martin Möller in seinem Buch «Die Geomantie von Mitteleuropa».

Kirchenstandorte sind kein Zufall

Die Amsoldinger Kirche ist eine der zwölf bekannten 1000-jährigen Kirchen rund um den Thunersee. Nebst Amsoldingen wurden offensichtlich auch die Standorte der anderen elf und weiterer alter Kirchen in dieser Region keineswegs zufällig ausgewählt. Darauf weist eine Arbeit der Berner Fachhochschule für Architektur, Holz und Bau (AHB) in Burgdorf hin. Daniel Schneiter suchte im Rahmen seines Diplomthemas im Fach Baugeschichte nach geografischen und geometrischen Beziehungen unter den alten Thunersee-Kirchen. Und er wurde fündig: «Beim Übertragen der Ausrichtungen auf die Landeskarte entdeckte ich, dass jede Kirche mit ihrer Längs- oder Querausrichtung auf eine andere Kirche ausgerichtet ist», erklärt er. «Aber auch prähistorische Orte oder geologische Fixpunkte wie der Niesen lassen sich in dieses Beziehungssystem integrieren.»

Schneiters Studie zeigt zahlreiche solche Verbindungen auf. Etwa, dass die Achse der Kirche von Amsoldingen genau auf die Kirche von Hilterfingen zeigt. Diese hingegen ist auf die Kirche von Scherzligen ausgerichtet, während deren Achse wiederum auf die Kirche von Amsoldingen zielt. Oder dass die Kirchen von Steffisburg, Hilterfingen und Spiez sowie eine prähistorische Siedlung bei Spiez genau auf einer Linie liegen. Die Siedlung liegt ebenfalls auf einer Linie mit den Kirchen Wimmis und Erlenbach und bildet mit den Kirchen von Frutigen und Erlenbach als Fixpunkte ein gleichseitiges Dreieck. Verlängert man die Dreiecksseite von Frutigen zur prähistorischen Siedlung über den Thunersee hinaus, trifft sie die Kirche von Sigriswil. Auf der Linie der Kirche Sigriswil zur Niesenspitze wiederum liegt die Kirche von Spiez.

Heidi Schuler-Alder, Dozentin für Bau- und Kulturgeschichte an der AHB und Betreuerin von Schneiters Diplomarbeit, ist beeindruckt. «Die zwölf Kirchen am Thunersee wurden nicht einfach zufällig da errichtet, wo sie heute stehen», ist sie überzeugt. Ob dies mit Kraftlinien zusammenhänge, in Verbindung mit einem Kalender und den Sonnwenden stehe oder anderen, noch unbekannten Gesetzmässigkeiten, sei für sie offen.

Sie geht davon aus, dass es in der Schweiz weitere derartige Zusammenhänge und wohl auch «energetische Beziehungen» gibt, die ihrer Entdeckung harren. Tatsächlich hat zum Beispiel der ehemalige Basler Kantonsarchäologe Rolf D’Aujourd’hui ähnliche Bezugssysteme im Dreiländereck um die Staft Basel dokumentiert. Aus einer Facharbeit des Geografischen Instituts der Universität Bern ist ausserdem zu ent-nehmen, dass in Basel die Kirche Allerheiligen, die Pauluskirche, Marienkirche, Leonhardskirche, das Münster und die Pfaffenkirche in Riehen allesamt auf einer Linie liegen.

Geometrische Beziehungen zwischen den Thunersee-Kirchen
Jede der dargestellten Kirchen ist mit ihrer Längs- oder Querachse auf eine andere Kirche ausgerichtet (dargestellt durch Linien, die nur zwei Punkte verbinden). Die Achse der Kirche Einigen liegt 90 Grad zur Kirchen-Linie Steffisburg – Hilterfingen – Spiez – prähistorische Siedlung. Auch die Niesenspitze ist in das komplexe Beziehungssystem integriert.
1 Steffisburg, 2 Thierachern, 3 Scherzligen, 4 Hilterfingen, 5 Amsoldingen,
6 Einigen, 7 Sigriswil, 8 Spiez, 9 Wimmis, 10 Erlenbach, 11 Aeschi,
12 Leissigen, 13 Frutigen

Zerstörung im Namen des Christentums

Offenbar finden sich in der Schweiz noch zahlreiche weitere Regionen mit vergleichbaren linear-geomantischen Systemen, die durch überregionale «Schwerpunkte» miteinander in Verbindung stehen und möglicherweise in ein noch grösseres, sich über ganz Europa hinziehendes Netzwerk eingebettet sind. Doch die meisten harren noch ihrer (Wieder-)Entdeckung und genaueren Erforschung, sofern sie nicht durch «Landschaftsbereinigungen», etwa durch das Zerstören oder Sprengen alter Findlinge und Menhire, unwiederbringlich aus der Landschaft getilgt wurden.

«Die sich so nennende christliche Kirche hat in sehr unchristlicher Weise die in Europa ursprünglich heimische Runenkultur systematisch ausgerottet», sagt der Schweizer Hermetiker, Wahrheitsforscher und Heilpraktiker Felix Gastpar, «durch Hexen-, Ketzer- und Bücherverbrennungen, durch Überbauen der alten Runenkultplätze mit Kirchen oder Abholzen von Kultbäumen.»

Die ursprüngliche Runenkultur sei eine rein magisch orientierte Geisteskultur gewesen, in deren Zentrum eben die Magier und ihre Priesterinnen gestanden hätten, betont Gastpar und verweist auf entsprechende Analogien in der berühmten Romantrilogie «Der Herr der Ringe» von John Tolkien: «Die Magier und Priesterinnen beherrschten die fünf Elemente Feuer, Luft, Wasser, Erde und das Akasha, das ‹Alles in allem›. So arbeiteten sie in jeder Hinsicht nach dem Willen der göttlichen Vorsehung mit den Energien in Mikrokosmos (Mensch) und Makrokosmos (Universum) und allen darin lebenden Wesen.»

Sonnenkultstätte im Bündnerland

Bereits in den 1940er-Jahren wurde in Falera GR eine eindrucksvolle Megalithanlage aus der Bronzezeit wiederentdeckt und teilweise freigelegt.
Die Anlage mit verblüffenden kultastronomischen Besonderheiten gilt als Sonnenkultstätte.

Teile eines anderen, überaus komplexen und raffinierten Landschaftssystems zeigt der Siedlungsplaner und Ingenieur Bruno Gsteiger aus dem luzernischen Oberkirch für das Gebiet Rigi-Pilatus-Luzern-Sempachersee in der Innerschweiz auf. Er beschreibt zum Beispiel ein rechtwinkliges Landschaftsdreieck, das den 1256 gegründeten Ort Sursee mit den Spitzen der Rigi und des «Drachenbergs» Pilatus verbindet. Es weist Seitenlängen im Verhältnis von 3:4:5 auf und entspricht somit dem klassischen Pythagorasdreieck. Im Goldenen Schnitt innerhalb des Dreiecks liegt im Bereich des Reussausflusses aus dem Vierwaldstättersee bei der Kapell-Brücke das Stadtzentrum von Luzern.

Gsteiger weist zudem auf eine geomantische Linie hin, die vom Pilatus (Mittagsgüpfi/Gnepfstein) über den Wasserturm und die Hofkirche in Luzern, der Stadt des Lichts («Luz»), genau zum Dreilindenpark zeigt, oder auf ein gleichseitiges Dreieck, gebildet durch das Kapuzinerkloster Wesemlin, wo nach jahrhundertelanger Vergessenheit die Visionsberichte von Bruder Klaus wiederentdeckt worden sind, die Wesemliner Waldkapelle und den Dreilindenpark.

Eines der eindrucksvollsten heute bekannten Beispiele für eine nach geomantischen Prinzipien und den Gesetzen der heiligen Geometrie angelegten Stadt sowie deren lineare Einbettung in ein gewaltiges geomantisches System, das sich nicht nur auf deren Umgebung beschränkt, sondern offenbar ganz Europa überzieht, liefert Jens Martin Möller mit Karlsruhe. In seinem Buch «Mythos einer Sonnenstadt» hat er die faszinierenden Zusammenhänge rund um Karlsruhe analysiert und findet Parallelen zu längst versunkenen Kulturen.

Geomantie und Radästhesie
Die Geomantie (griechisch Erdweisssagung) ist in der modernen Esoterik die Lehre verborgener Kraftströme Energien in der Erde und steht dem chinesischen Feng Shui nahe. Nach der Auffassung der Geomantie ist die ganze Erde
mit einer Art energetischem Liniensystem überzogen, dem auch biologische Wirkungen zugesprochen werden. Diese Vorstellungen konnten  naturwissenschaftlich bis heute allerdings nicht bestätigt und die von der Geomantie postulierten Energien mit physikalischen Messinstrumenten nicht nachgewiesen werden. Mit der Geomantie verwandt ist die Radiästhesie, die Lehre von den angeblichen Strahlenwirkungen Schwingungen, die von unbelebten und belebten Objekten ausgehen sollen, zum Beispiel als Erdstrahlen, und die von besonders sensiblen Menschen wahrgenommen werden. Die physikalische Radiästhesie untersucht Schwingungen materieller Objekte wie Minerale, Metalle oder Lebewesen. Die mentale Radiästhesie beschäftigt sich mit sogenannt feinstofflichen Phänomenen wie der angeblich vorhandenen Aura von Menschen. Radiästhetische Strahlung konnte wissenschaftlich ebenso wenig nachgewiesen werden wie ihre Wahrnehmung durch Lebewesen.
Andres Jordi

Geheimnisvolles Koordinatensystem

In verschiedenen Ländern Europas haben Geomantie-Forscher mittlerweile verschiedenste sogenannte Leylinien entdeckt, die anscheinend manchmal über Hunderte von Kilometern präzise durch Kirchen und alte Heiligtümer verlaufen. Als Leylinien werden lineare Anordnungen von Landmarken bezeichnet, beispielsweise Megalithen, meist vor Jahrtausenden gelegte (Dolmen) oder gesetzte (Menhire), oft tonnenschwere Steine oder ganze, mit Megalithen angelegte Anlagen wie in Falera oder im englischen Stonehenge, andere prähistorische Kultstätten und Kirchen. Nicht selten sind auch natürliche Landmarken, zum Beispiel Berge wie der Niesen oder der Pilatus, in ein solches System einbezogen.

Der Begriff Ley leitet sich von angeblichen linearen Aufreihungen englischer Ortschaften mit der Endung «leigh», «ley» (altenglisch für Lichtung, Rodung) ab. Der britische Hobbyarchäologe Alfred Watkins hat das Gebiet der von ihm so bezeichneten «leylines» in England Anfang des 20. Jahrhunderts umfassend erforscht. Beim Studium der Landschaftsstrukturen und geschichtlichen Gegebenheiten seiner Heimat stiess Watkins auf verschiedenste geomantische Phänomene, die seit der Aufklärung in Vergessenheit geraten waren.

Eine Erklärung für die Leylinien lautet, dass diese auf ein prähistorisches System der Landvermessung hinweisen, das auf astronomischen, astrologischen und religiösen Grundlagen beruht. Aus Sicht der Geomantie-Forschung liegen ihnen unter anderem Kraftfelder oder Erdstrahlungen zugrunde. Oft werden diese beiden Erklärungen auch in Kombination gebracht. Solche Begründungen sind umstritten und werden von den Schulwissenschaften in aller Regel abgelehnt. Diese beurteilen die linearen Aufreihungen als statistisch zu erwartende zu-fällige Anordnungen von Punkten: Je mehr Punkte man zur Verfügung habe und je weniger exakt die Punkte auf einer Geraden liegen müssten, desto mehr Linien könne man hindurchlegen.

Englische Vorreiter

Mit seinen umfangreichen Recherchen und Veröffentlichungen hat Watkins
auf dem Gebiet der Leylinien Standardwerke geschaffen, die zu den ersten der neuzeitlichen geomantischen Forschung gehören. Doch es sollte mehr als vier Jahrzehnte dauern, bis sein Landsmann John Michell die Erkenntnisse aufgriff und im Jahr 1974 das erste grössere Leylinien-Forschungsprojekt anpackte.

Michell befasste sich eingehend mit sogenannten astronomischen Alignments, lineare Anordnungen, die bei Steinkreisen in West Penwith in der englischen Grafschaft Cornwall vermutet wurden. Er fand heraus, dass einige der Linien kilometerweit verlängert werden können und dass sie in gewissen Abständen von Menhiren markiert werden. Die Steine sind, wie Michell ausführte, die Überreste eines einzigen, flächendeckenden Alignment-Systems und oftmals stehen sie ausser Sichtweite voneinander.

Neben Michell hat sich auch Nigel Pennick den Leys verschrieben. Als einer der führenden Geomantie-Forscher befasst er sich unter Zuhilfenahme von Luftbildern und archäologischem Material eingehend mit der Landschaft der Britischen Inseln und mit Beispielen geomantischer Alignments, die jede interessierte Person auch auf eigene Faust erforschen kann. Pennick beschreibt verschiedene lineare Zeugnisse der Vergangenheit: Schanzen, schnurgerade Wege und Strassennetze oder die heilige Geometrie prähistorischer Stätten. Er nimmt zudem lineare Landschaftsmerkmale im übrigen Europa, in Zentral- und Südamerika, den USA, Asien und Afrika unter die Lupe.

Das Vorwort zu Michells Buch «Die Geomantie von Atlantis» weist darauf hin, dass es in den 1920er- bis 1940er-Jahren ebenso umfangreiche und bedeutsame deutsche geomantische Studien gab wie in England. Sie wurden vor allem von Wilhelm Teudt, Hermann Wirth und Josef Heinsch veröffentlicht und kamen zu ähnlichen Ergebnissen wie Alfred Watkins und seine Kollegen.

Boviseinheiten: das Mass für unmessbare Energien
Eine der besten bis heute zur Verfügung stehenden Methoden, um die Schwingungsqualität eines Ortes anzugeben, sei das sogenannte Biometer, schreibt die Schweizer Geobiologin Blanche Merz. Ein Biometer ist ein radiästhetisches Pendel,
mit dem sich «Energien» in sogenannten Boviseinheiten messen lassen, benannt nach dem französischen Physiker Alfred Bovis (1871–1947). In ihrem Buch «Orte der Kraft in der Schweiz» schreibt Merz: «Um zwischen den verschiedenen Zuständen einen Vergleich ziehen zu können, verstehen sich die Boviswerte wie folgt: Die Grundskala geht von 0 bis zu 10 000 Einheiten. 6500 Boviseinheiten sind ein neutraler Wert. Ein guter Boden, eine gute Frucht, ein gutes Nahrungsmittel haben zwischen 7000 und 9000 Boviseinheiten. Was unter dem neutralen Wert liegt, bedeutet Orte oder Gegebenheiten, die uns Energie entziehen. Eine Vitalstrahlung über dem neutralen Wert bringt uns eine Energiezufuhr.»

Voraussetzung zum korrekten Auspendeln einer Gegebenheit oder eines
Ortes aber sei, dass man sich über die täuschenden Eindrücke der fünf Sinne und die selbsttrügerische rationale Planung erhebe,betont Merz, was schon für sich allein eine umfassende Aufgabe sei. Die Haltung der Schulwissenschaft gegenüber dem sogenannten Muten mit Wünschelruten oder dem Pendeln ist skeptisch bis ablehnend, bestärkt durch den immer wieder auftretenden Umstand, dass Wünschelrutengänger und Pendler, die denselben Ort unabhängig voneinander begehen, oft zu völlig unterschiedlichen Werten gelangen. Die gesamte der Boviseinheit zugrunde liegende Theorie ist wissenschaftlich nicht belegt.

Mit der Fragestellung, ob die Rutenfühligkeit bestimmter Menschen wissenschaftlich nachweisbar sei, haben Herbert König und Hans-Dieter Betz von der Technischen Universität München in Deutschland eine umfangreiche wissenschaftliche Untersuchung durchgeführt. 14 Wissenschaftler gingen der Frage nach, ob Rutengänger geomantische Phänomone reproduzierbar aufspüren könnten. Dazu erzeugten sie auf Versuchsstrecken an bestimmten Orten künstliche Wasseradern oder Energieströme. In ihrem 1989 veröffentlichten «Wünschelruten-Report» kommen die Autoren zum Schluss, dass ortsabhängige Reaktionen mit hoher statistischer Signifikanz existierten. Allerdings halten sie auch fest, dass nur wenige Menschen (Rutengänger) reproduzierbare Ergebnisse lieferten. Die Untersuchung wird von einigen Wissenschaftlern in Frage gestellt. So lautet der Vorwurf von Erhart Wielandt, emeritierter Professor am Institut für Geophysik der Universität Stuttgart, die Autoren der Studien stammten aus einem okkultistischen Umfeld.

Die Linie des heiligen Grals

Durch die zeitgeschichtlich bedingten Einbindungen von Heinsch, Wirth und Teudt war und ist eine weiterführende, eigenständige deutsche geomantische Forschung nach dem Zweiten Weltkrieg dem in Deutschland allgemein üblichen Tabu unterworfen. «Dieses Tabu lastet noch heute auf vielen wissenschaftlichen und kulturellen Leistungen der Jahre 1925 bis 1945 und erschwert nachweislich eine vorurteilsfreie Auseinandersetzung damit», bedauert Jens Martin Möller.

So seien es ironischerweise britische Geomantie-Interessierte gewesen, deren Recherchen eine ganze Menge deutsches Forschungsmaterial zutage förderten, das nach dem Zusammenbruch Deutschlands im Zweiten Weltkrieg in Vergessenheit geraten sei, schreibt Nigel Pennick in seinem Buch «Leys und lineare Rätsel in der Geomantie»: «Es stellte sich heraus, dass es sich hierbei keineswegs immer um wertlose Nazi-Propaganda handelte. Vielmehr erwiesen sich viele Schriften als gründliche Ley-Untersuchungen, deren Ergebnisse frischen Wind in die vergleichenden Feldforschungsstudien brachten.»

Möller, einer der Pioniere der zeitgenössischen Geomantie, verhalf mit seinen Studien und Erkenntnissen der Geomantie-Forschung in den 1980er-Jahren in Deutschland schliesslich wieder zu neuem Schwung. Das von ihm entdeckte Pentagramm von Karlsruhe – eine sich über 1000 km² erstreckende, aus Orientierungslinien bestehende geometrische Figur im Umland von Karlsruhe – wurde zu einem der meistdiskutierten geomantischen Konzepte im deutschen Sprachraum. Im Rahmen der Forschungen über das vielseitige Beziehungsgefüge von Ausrichtungslinien und Leys in Mitteleuropa beschrieb er auch die über mehrere tausend Kilometer von West nach Ost verlaufende sogenannte Gralslinie. Diese verbindet berühmte Orte miteinander, die im thematischen Zusammenhang mit dem Gralsmythos stehen: Chartres, Nantes, Orléans, Troyes, Karlsruhe, Maulbronn, Schwäbisch-Hall und Wolframseschenbach.

Tiefe für Energien sensibel

Auch eine Schweizerin muss im Zusammenhang mit der Erforschung der «mystischen Geometrie» genannt werden: Blanche Merz. Die 2002 verstorbene Westschweizer Forscherin, Geobiologin und Bestsellerautorin beschreibt im Buch «Orte der Kraft in der Schweiz» Kraftorte als Zonen mit erhöhter Energie. Diese Energie, die sich nicht nur erfühlen, sondern auch messen lasse, habe sich der Mensch zu allen Zeiten nutzbar gemacht, so Merz. Oft seien auf solchen Kraftplätzen Kultstätten und später Kirchen und Klöster errichtet worden. Orte der Kraft finden sich laut Merz auch verbreitet in der freien Natur, etwa bei Wasserfällen oder alten Bäumen.

Die Geobiologie habe zum Ziel, schreibt Merz, den Einfluss eines Ortes auf alles, was lebe, auf Mensch, Tier und Pflanze, zu erforschen. An einem Ort der Kraft sei auch die geologische Beschaffenheit massgebend: «Je nach Struktur der Gesteine und Mineralien wird die kosmische Strahlung unterschiedlich absorbiert und reflektiert. An Orten mit tellurischen (irdischen) Anomalien, wie beispielsweise Verwerfungen oder Kreuzungen von Grundwasseradern, zeigen sich ausserordentlich aktive Ansammlungen verschiedenartiger Strahlungen.» Der Mensch – «mit beiden Füssen auf dem Erdboden und den Kopf gegen den Sonnen- und Sternenhimmel gerichtet» – sei ein empfindliches biologisches Empfangsgerät für alle Phänomene, die von den harmonischen wie den störenden terrestrischen und kosmischen Wechselwirkungen ausgingen.

Tiere scheinen einen besonders fein entwickelten Spürsinn für die für sie passenden harmonisierenden Stellen zu haben, glaubt Merz. Tatsächlich ist es für Tierbesitzer sehr interessant zu beobachten, welche Plätze beispielsweise Hunde oder Katzen meiden beziehungsweise bevorzugen. So gelten Katzen, Schlangen, Bienen und Ameisen als Strahlensucher, die Störzonen wie Kreuzungspunkte von Wasseradern oder geologische Verwerfungen bevorzugen.  Untersuchungen in Deutschland konnten nachweisen, dass Waldameisenhaufen oft entlang geologischer Brüche oder Verwerfungen angelegt sind. «Tanzende» Mückenschwärme sollen ebenfalls Zeiger geologischer Störzonen sein.

Einige Tierarten sind dafür bekannt, dass sie offenbar feinste Veränderungen der «Erdstrahlung» wahrnehmen können. Untersuchungen an Zugvögeln und Experimente mit den für ihren verblüffenden Orientierungssinn bekannten Brieftauben zeigen, dass sich viele Vögel am Erdmagnetfeld orientieren. Ein Hinweis auf ihre besonderen Wahrnehmungsfähigkeiten ist das auffällige Verhalten verschiedener Tiere vor Erd- und Seebeben. Dies wird vor allem in Japan und den USA auch wissenschaftlich erforscht, in der Hoffnung, künftig anhand des Verhaltens von Tieren solche Katastrophen besser vorhersagen zu können. Der Schulwissenschaft gibt die phänomenale Feinfühligkeit vieler Tiere meist aber noch ebenso viele Rätsel auf wie die Orte der Kraft und ihre linearen Verbindungen, auf denen unsere Vorfahren Kultplätze und Kirchen errichteten.

Internet
www.parclamutta.falera.net
www.kraftort.org
www.magic-places.ch

Literatur
Marko Pogacnik: «Das geheime Leben der Erde – Neue Schule der Geomantie», AT Verlag 2008, Fr. 34.90
Paul Devereux: «Der heilige Ort: Vom Naturtempel zum Sakralbau – Wie die Menschen das Heilige in der Natur entdeckten», AT Verlag 2006,  Fr. 61.–
Blanche Merz: «Orte der Kraft – die Stätten höchster kosmoterrestrischer Energie», AT Verlag 1999, Fr. 38.–
Jens M. Möller: «Mythos einer Sonnenstadt: Karlsruhe – Spuren deutscher Geschichte», Gmelin-Verlag 1995, Fr. 60.–

Bilder: © FOTOLIA

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