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Fussreflexzonenmassage

Kategorie: Gesundheit

Text:  Lioba Schneemann

Mit einer Fussreflexzonenmassage, die auf altem Heilwissen basiert, erhalten sowohl Gesunde als auch Kranke mehr als nur «Boden» unter den Füssen.

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Füsse sind uns alles andere als egal. Manche mögen sie, andere finden wenig Gefallen an ihnen. Zu lange Nägel, Fusspilzbefall, Hornhaut und Schwielen lassen auf eine geringe Wertschätzung schliessen. Andere quetschen ihre Füsse in zu enge Schuhe und zwingen sie in eine schädliche Position. Dabei ist es nicht nur aus ästhetischen Gründen wertvoll, die Füsse zu pflegen und zu beachten. «Füsse sind wegen ihrer besonderen Struktur und Bauweise äusserst robust und gleichzeig sehr taktil und empfindsam. Sie sind therapeutisch hoch interessant», sagt Anna Eichmann, medizinische Masseurin, Reflexzonen-Therapeutin und seit 1996 Kursleiterin des Hanne-Marquardt-Fussreflex-Zentrums in Basel. «Was die Wurzeln für den Baum, sind die Füsse für den Menschen. Sie erzählen uns, ob und wo der Mensch gerade unterstützende Hilfe braucht. Diese Hilfe vermitteln wir dann mit gezielter Dosierung an den entsprechenden Reflexzonen.»

Jahrtausende Erfahrung
Die Ursprünge der Fussreflexzonenmassage finden sich in vielen Traditionen, sei es im indischen Ayurveda, in der tibetischen Medizin oder in der chinesischen Akupunktur. Auch die Inder und die nordamerikanischen Indianer wussten um die wechselseitigen Zusammenhänge zwischen Füssen und Organen. Über die Jahrhunderte hinweg hat sich aus dem alten Heilwissen eine hoch wirksame Behandlungsmethode entwickelt. Im Westen wurde die Methode in den 1920er-Jahren des letzten Jahrhunderts durch den amerikanischen Arzt William Fitzgerald und der Masseurin Eugenice Ingham bekannt. Nach Europa kam die Methode schliesslich dank der Arbeit von Hanne Marquardt, einer Heilpraktikerin aus dem Schwarzwald. Sie entwickelte die Reflexzonenmassage am Fuss zur anerkannten, präzisen Therapieform in der Komplementärmedizin und präzisierte die Methode weiter. «In den letzten sechzig Jahren schulte Marquardt international über 60 000 medizinische Fachpersonen. Dies verhalf der RZF in vielen schul- und in komplementärmedizinischen Einrichtungen zur Anerkennung», sagt die Basler Therapeutin Anna Maria Eichmann. Einen weiteren Meilenstein in puncto Anerkennung brachte eine Studie der Universität Innsbruck aus dem Jahr 1999: Durch Tonisieren exakt in der Nierenzone am Fuss konnten Forscher mit einer farbcodierten Doppler-Sonografie eine Mehrdurchblutung in der Niere nachweisen.

Erstaunliche Formenähnlichkeit
Zum Verständnis der Arbeitsweise ist es hilfreich, die Formenähnlichkeit zwischen dem sitzenden Menschen und dem Fuss zu studieren. Alle Organe und Systeme des Menschen lassen sich wie eine «Landkarte» dem Fuss zuordnen: Kopf und Hals finden sich in den Zehen, Schultergürtel und Brustkorb im Mittelfuss, Bauchraum und Becken in den Fusswurzelknochen und die Oberschenkel/Kniezonen eine Handbreit oberhalb der Fussknöchel. Gibt es bei sanftem Druck an der grossen Zehe einen Schmerz oder sind in der Grosszehe die Bewegungen eingeschränkt, findet man das Pendant im Kopf-Nacken-Bereich. Das Mobilisieren der Grosszehe im Grundgelenk entspricht dem Kopfrollen und kann, sofern keine Kontraindikation besteht, sorgsam angewendet werden.

Anna Maria Eichmann präzisiert: «Die Reflexzonentherapie am Fuss ist eine Ordnungs- und Regulationstherapie. Der erfahrene Therapeut behandelt nicht isoliert die Symptome, sondern erfasst deren möglichen Hintergrund mittels einer Anamnese und Befundaufnahme am Fuss.» Finde er belastete oder schmerzhafte Reflexzonen behandle er diese mit entsprechender Dosierung und wirke so ursächlich auf die in ihrer Funktion gestörten Organsysteme. So werde die im Menschen vorhandene Regenerationskraft und Stabilität unterstützt und gestärkt; ferner werde die Durchblutung angeregt und die Homöostase im ganzen Körper gefördert. Allgemein verhelfe die RZF dem Menschen zu einer tiefen Entspannung und körperlichen Regeneration, so Eichmann: «Die harmonisierende Berührung dient zudem als ‹heilsame Arznei›. Sowohl auf der körperlichen als auch auf der seelischen Ebene bekommt der Patient so wieder Boden unter den Füssen.»

Breites Einsatzspektrum
Die Fussreflexzonentherapie umfasst ein grosses Spektrum von Einsatzmöglichkeiten für Kranke. Da sie die Selbstregulation der vielen miteinander vernetzten Vorgänge im Körper unterstützt, ist sie jedoch auch zur Gesundheitsvorsorge geeignet. Durch angepasstes Dosieren können Funktionsblockaden gelöst, Schmerzen gelindert, krankmachende Prozesse gestoppt und der Energiefluss gefördert werden. Die Fussreflexzonentherapie richtet sich insbesondere auch an Menschen mit Infektanfälligkeit, Schmerzen und Erkrankungen der Wirbelsäule, Gelenke und Muskulatur, Verdauungsoder auch Wechseljahrbeschwerden sowie Allergien. Und sie hilft bei ernährungsbedingten Erkrankungen, chronischer Müdigkeit und Erschöpfung; sie dient der postoperativen Unterstützung ebenso wie in der Palliativmedizin als wohltuende Begleitung am Lebensende.

Gute Erfahrungen haben Therapeutinnen auch bei Kinderwunsch, Schwangerschaft und rund um die Geburt gemacht. Anna Maria Eichmann, die mehr als 500 Hebammen ausbildete, konnte am Kinderspital Basel aufschlussreiche Erfahrungen sammeln: «Auf der Intensivstation des Kinderspitals Basel konnten wir sehen, dass Frühgeborene, die an der Wirbelsäulenzone an den Füssen sanft massiert wurden, unmittelbar mit Entspannung, Schlaf, besserer Nahrungsaufnahme und Verdauung sowie verbesserter Herztätigkeit mit erhöhter Sauerstoffsättigung reagierten.» Eichmann ist überzeugt, dass sich diese Wirkungen auch bei der Behandlung von Erwachsenen einstellen. Sie hofft, dass bald entsprechende Studien in Angriff genommen werden.

Ursächliche Wirkung
Vor allem bei ernsthaften Erkrankungen ist es ratsam, sich von einer gut ausgebildeten Fachperson behandeln zu lassen. Diese dosiert mit spezieller Griff- und Drucktechnik in den Reflexzonen und kann so auf die Krankheitsbilder und Bedürfnisse des Patienten individuell eingehen. Dabei wird mit dem Daumen oder den Fingern das Fussgewebe Millimeter für Millimeter behandelt. Durch weiches Abrollen wird das Endglied in Millimeterschritten aus seiner horizontalen in die vertikale Lage gebracht und wieder entspannt. Verschiedene Ausgleichsgriffe wirken zudem harmonisierend und regulieren die Atmung und den Kreislauf.

Dass eine Fussreflexzonenmassage eine komplexe Therapie darstellt, zeigt sich am Beispiel von Kopfschmerzen: Die Therapeutin erfragt bei der ersten Sitzung die Anamnese und überprüft alle Zonen des Fusses. So stellt sie fest, welche Bereiche zusätzlich zu den Zonen der Symptomatik unterstützt werden müssen: Je nach Befund werden Wirbelsäule, Harnwege, Atmung, Lymphe, Hormonsystem oder die Verdauung samt Stoffwechselorganen in die Behandlung einbezogen. Das Prinzip erinnert an einen Eisberg: Seine Spitze ist vergleichbar mit dem Krankheitssymptom, und der grosse, im Wasser verborgene Teil entspricht den ursächlichen Funktionsstörungen der Organe, durch die das Symptom überhaupt erst entstehen konnte. Bei der Fussreflexzonentherapie werden stets beide Aspekte berücksichtigt, was die Arbeit umfassend und ganzheitlich macht.

«Mit sanften Streichungen liegt man immer richtig.» Anna Maria Eichmann

Menschen aus dem nichttherapeutischen Bereich – wie etwa in Wellnesszentren, in der Fusspflege oder auch Privatpersonen – können jedoch selbst ohne Fachwissen die Füsse wohltuend und neutral behandeln, wie Anna Maria Eichmann betont: «Mit sanften Streichungen liegt man immer richtig.» Dies gelte vor allem dann, wenn ein/-e Klient/-in plötzlich schwitze oder sonst unerwartet starke Reaktionen während oder nach der Behandlung zeige. Ergänzend könnten auch gezielte Fussübungen, Fussbürstungen oder -bäder angewandt werden.

Von einer selbst durchgeführten Behandlung oder Massage sollte man absehen, wenn eine starke Infektion vorliegt. Denn dann ist das Immunsystem schon belastet. Auch bei Venenentzündungen, starkem Rheuma oder Gicht in den Füssen, schweren Durchblutungsstörungen oder schweren Depressionen sollte man keine Selbstbehandlung vornehmen. Ebenso wird in den ersten drei Monaten einer Schwangerschaft von einer Fussreflexzonenmassage abgeraten, da diese die Gebärmutter in Unruhe versetzen kann.

Tipps

Hilfe zur Selbsthilfe
Grundsätzlich kann man sich bei leichten Beschwerden via Füsse selbst helfen. Generell kann man für stets warme Füsse sorgen und sie gut pflegen: Hornhaut entfernen, Nägel korrekt schneiden und gutes Schuhwerk tragen. Besonders wohltuend ist es, öfters auf natürlichem Untergrund barfuss zu gehen, sei es auf Kiesel, im Schnee oder Gras oder auf Sand.

Weitere einfache Anwendungsmöglichkeiten
● Wenn man unter Stress steht, kann man die Zwerchfell-Solarplexus-Zone in der Mitte des Fusses langsam und sanft massieren.

● Bei Kopfschmerzen aller Art, bei Hals-, Nacken und Schulterschmerzen, Zahn und Mandelproblemen sowie bei Herzbeschwerden kann dies helfen: Die Zehen um die Gelenke herum massieren. Danach die Zehen spreizen. Dabei beachten, dass sich jeder Zeh bewegt. Allenfalls vorhandene Druckstellen zwischen den Zehen massieren. Regelmässig das Gewebe rund um den Nagel massieren, dabei vom Nagel weg arbeiten.

● Bei Beschwerden der unteren Wirbelsäule, bei Darm-, Blasen- und Menstruationsbeschwerden empfiehlt sich Folgendes: Barfuss gehen auf der Aussenkante des Fusses mit aufgerichtetem Innengewölbe. Die Ferseninnenseite bis zur Sohle mit den Fingern, Handballen oder mit der Ferse des anderen Fusses massieren.

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