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Erste Hilfe aus der Natur

Kategorie: Gesundheit, Natur
 Ausgabe 7/8-2018 - 04.07.2018

Text:  Eva Rosenfelder

Mitten in den Ferien Sonnenbrand, Insektenstich oder ein verstauchter Knöchel? Keine Panik! Direkt vor ihren Füßen liegt eine prächtige Pflanzenapotheke.

@ istockphoto.com

Ob Schwimmen, Wandern, Reiten, Klettern, Sonnenbaden oder Grillieren – an prächtigen bis glühend heissen Sommertagen will man das Leben draussen geniessen. Die Sonne hat jetzt ihren höchsten Stand erreicht, entfaltet ihre ganze feurige Kraft, die sich wie ein roter Mantel über die Erde legt und alles Lebendige anregt. Auch die Pflanzen sind jetzt in ihrer Fülle, bilden Früchte und werden reif. Jetzt ist es die richtige Zeit, um Heilpflanzen zu sammeln und zu trocknen. Im Garten, am Wegrand, in Wiese, Wald oder in den Bergen sind unzählige Heilpflanzen zu finden, einige davon sind sogar wahre Multitalente.

Diese Natur-Apotheke ist jederzeit zugänglich und auch frisch anwendbar. Egal, ob Sonnenbrand, Jucken, Insektenstiche, Kopfschmerzen, Erbrechen, Reisedurchfall oder Verletzung: Für fast alles ist ein Kraut gewachsen.

Sonnenbrand, Verbrennungen

Wichtig. Verbrennungen immer zuerst mit Wasser kühlen: Halten Sie die gerötete Hautstelle (Verbrennung oder Sonnenbrand) mehrere Minuten lang unter kaltes, fliessendes Wasser. Das lindert den Schmerz und verhindert, dass die Haut «weiterbrutzelt». Nach einem Sonnenbrand Sonne einige Tage meiden.

Holunder

Die leicht angequetschten Blätter des Schwarzen Holunders helfen gegen Sonnenbrand und andere leichte Verbrennungen. Der Pflanzenbrei kann auch mit Milch verrührt und auf die Haut aufgetragen werden.

 

Johanniskraut

Bei Verbrennun legen Sie die gequetschten Blüten sorgfältig auf die verbrannte Haut. Johanniskrautöl kann bei Sonnenbrand und leichten Verbrennungen ebenfalls auf die Haut aufgetragen werden.

Achtung: Nach dieser Anwendung muss die Sonne gemieden werden, da Johanniskraut eine erhöhte Empfindlichkeit gegen- über Sonnenstrahlung verursacht.

Johanniskrautöl selber herstellen

Ideale Sammelzeit für die Johanniskrautblüten ist nach der Sommersonnenwende (21. Juni). Gepflückt werden nur voll erblühte, aufgeschlossene Blüten. Nie die ganze Pflanze abernten.

Tierchen aus den Blüten entfernen. Blüten mit Mörser anquetschen, in ein Glas geben und mit Bio-Lein-, Oliven-, Distel- oder Jojoba-Öl übergiessen, bis alle Blüten bedeckt sind. Fünf Tage lang offen an einen sonnigen Ort stellen; dann ist der Gärungsprozess abgeschlossen. Gefäss verschliessen und an sonnigem Platz acht Wochen stehen lassen. Zwei Mal pro Woche gut hin- und herbewegen. Langsam wird sich das Öl nun rot färben. 

Nach acht Wochen Blüten durch ein Teesieb abgiessen. Fertiges Öl datieren und in dunkle Fläschchen abfüllen (innert Jahresfrist aufbrauchen).

 

Lavendel

Frische Lavendelblüten anquetschen, Saft mit ätherischen Ölen auf die verbrannten Hautstellen auftragen. Lavendel reizt nicht und hilft auch in konzentrierter Form, Brandwunden zu behandeln und Brandblasen zu vermeiden.

Wilde Malve («Chäslichruut»)

Frische Blüten zerreiben. Der reichlich enthaltene Pflanzenschleim wirkt schützend und reizmildernd bei leichten Verbrennungen.

Ringelblume

Blüten zerreiben. Der Pflanzensaft lindert die Schmerzen, desinfiziert die Haut und wirkt abschwellend. Der Tee aus den Blüten kann für Kompressen verwendet werden: Zwei gehäufte Teelöffel auf eine Tasse Wasser, zehn Minuten ziehen lassen, abseihen. Mit Tee getränkte Kompressen auf die Wunden legen. Mehrmals täglich wechseln.

Sauerampfer

Zerriebene Blätter auf verbrannte oder verletzte Hautstelle legen – kühlt und heilt.

Wegerich

Diese Pflanzen finden sich fast überall und sind wahre Tausendsassa. Spitz- oder Breitwegerichblätter eine Minute lang in kochendes Wasser tauchen und abgekühlt auf die Haut legen. Unterwegs gequetschte Blätter auf betroffene Stellen legen.

Insektenstiche

Achtung: Stiche in Mund, Rachen oder Lippen zuerst mit kalten Wasser oder Eis kühlen. Bei starker Schwellung oder Allergien sofort Arzt aufsuchen.

Zwiebel und Knoblauch

Bei Bienenstichen: Stachel entfernen und dicke Zwiebelscheibe auf den Stich pressen. Das lindert augenblicklich den Schmerz und desinfiziert. Die Schwefelöle der Zwiebel wirken entzündungshemmend. Alternative: Knoblauchzehe einreiben. Das desinfiziert und lindert den Juckreiz. Knoblauch ist darüber hinaus ein pflanzliches Antibiotikum.

Giersch

Blätter zerquetschen und auflegen. Die essbare Heilpflanze lindert die Nachwirkung von Insektenstichen.

Feldahorn

Frische Blätter verreiben und auf den Stich drücken; der Saft wirkt abschwellend. Bei geschwollenen oder entzündeten Augen: Blätter auf die Lider legen. Das kühlt und lindert die Entzündung.

Spitzwegerich und Breitwegerich

Lindern die Folgen von Insektenstichen sofort: Blätter zu Brei zerkauen und auflegen.

Insektenabwehr

Minze, Basilikum, Zitronenmelisse

Verreiben der Blätter auf der Haut schützt vor Insektenstichen, insbesondere gegen Fliegen und Stechmücken.

Bachblüten
Bachblüten-Notfallsalbe und -Notfalltropfen gehören in jeden Rucksack. Die Salbe wirkt bei Sonnenbrand, Verbrennungen und Verletzungen wahre Wunder. (Bei offenen Wundstellen Haut um die Wunde herum behandeln). 
Tropfen Vier Tropfen in ein Glas Wasser oder ein Tropfen direkt auf die Zunge geben. Bei Schmerzen, Schock, Übelkeit und jeglicher Art von Unwohlsein.

 

Jucken, Hautprobleme

Walderdbeerblätter

Bei entzündeter Haut die zerquetschten Blätter eine halbe Stunde auf die Haut legen. Das wirkt kühlend und wundheilend.

Schwarzer Holunder

Frische Blätter zerdrücken, kurz in Milch aufkochen und nach dem Abkühlen auflegen. Das hilft bei irritierter, entzündeter Haut.

Königskerze

Zerkleinerte Blätter und Blüten zur Linderung auf die schmerzende Hautstellen legen. Der Ölauszug (Blüten in Pflanzenöl einlegen, drei Wochen an die Sonne stellen, abseihen. Vgl. auch Johannisblüten-Öl) hilft bei Abszessen, Furunkeln, Ekzemen oder Afterjucken.

Wilde Malve («Chäslichruut»)

Breiumschlag aus Blättern und Blüten beruhigt bei akuten Hautentzündungen. Alternative: betroffene Stellen drei- bis viermal täglich mit Tee abtupfen (zwei Teelöffel Blätter und Blüten mit drei Deziliter lauwarmem Wasser übergiessen, fünf bis zehn Stunden ziehen lassen).

Blasen

Achtung: Blasen wenn möglich nicht aufstechen. Falls doch, nur ein kleines Loch machen, um die Flüssigkeit zu entfernen. Blasenhaut stehen lassen und vor Infektionen schützen.


Wegerich

Spitz- oder Breitwegerichblätter auf die betroffene Stelle legen. Wirkt reizmildernd, zusammenziehend, beruhigend und wundheilend. Fast überall, wo wir gehen, bietet der Wegerich seine Hilfe an, etwa gegen Insektenstiche, bei Prellungen und Verstauchungen oder als Tee gegen Husten.

Fieber und Entzündungen

Echtes Mädesüss

Abends weisse Blütenrispen pflücken; aber auch junge Blätter sind für Tee geeignet (zwei Teelöffel auf eine Tasse heisses Wasser, zehn Minuten ziehen lassen und drei Tassen täglich trinken). Mädesüss enthält Salycilsäure und senkt das Fieber, wirkt schmerzlindernd und schleimhautabschwellend. Gut bei Erkältungen und grippalen Infekten.

Himbeerblätter

Die Blätter enthalten sehr viele Gerbstoffe, die bei Schluck- und Halsbeschwerden sowie Entzündungen im Mund Wunder wirken. Zum Gurgeln mehrmals täglich den lauwarmen Tee verwenden.

Kopfschmerzen

Lavendel, Pfefferminze (auch Ross- oder Wasserminze), Basilikum

Frische Blüten oder Blätter zwischen den Fingern zerreiben, ätherisches Öl auf den Schläfen auftragen.

Magen- und Verdauungsprobleme

Gänsefingerkraut

Nimmt nicht nur den Schmerz bei Bauchweh und Krämpfen, sondern ist auch bei Durchfall nützlich (Ein Teelöffel klein geschnittene Blätter pro Tasse Wasser, zehn Minuten ziehen lassen, drei Tassen täglich).

Himbeerblätter

Hilfreich bei Durchfall (drei Teelöffel zerkleinerte Blätter pro Tasse, fünf Minuten ziehen lassen, abseihen).

Lavendel

Wirkt krampflösend, stopft bei Durchfall. (Ein bis zwei Teelöffel Blüten pro Tasse, zehn Minuten ziehen lassen, mehrmals täglich trinken).

Schafgarbe

Hilft ausgezeichnet bei Magen- und Bauchschmerzen (ähnlich der Kamille) sowie Menstruationsproblemen. Wirkt entzündungshemmend, löst Krämpfe und vermindert Sodbrennen (zwei gehäufte Teelöffel pro Tasse, zwei bis drei Mal täglich trinken).

Achtung Zecken 

Zecken sind keine Insekten, sondern Spinnentiere, die FSME (FrühsommerMeningoenzephalitis) oder Borreliose übertragen können. 

Zeckenschutz erfolgt am besten durch angepasste Kleidung (lange Ärmel und Hosen) und Zeckensprays auf natürlicher Basis, die im Fachhandel erhältlich sind. Nach dem Herumstreifen in Wald und Wiesen nach Zecken absuchen. 

Bei Befall: Zecke mit Zeckenzange ganz herausziehen, Einstichstelle desinfizieren. Bildet sich später um oder in der Nähe der Einstichstelle ein rötlicher Ring auf der Haut und treten spätere Reaktionen wie Fieber und Grippesymptome auf, unbedingt zum Arzt gehen, denn das sind Symptome einer Borreliose.

Karde (Tinktur) und Knoblauch (kurmässig) haben sich als Unterstützung zu herkömmlicher Therapie mit Antibiotika bewährt.

 

Wundbehandlung

Frauenmantel

Die Blätter können als provisorischer Verband dienen. Sie wirken blutstillend, wundheilend und desinfizierend.

Birkenblätter

Ein feuchter Brei aus Blättern, Knospen oder Blüten zwischen zwei sterile Kompressen auf die Wunde gelegt wirkt keimtötend und wundheilend.

Schafgarbe

Die enthaltenen Gerbstoffe fördern die Blutgerinnung, der Saft aus den zerriebenen Blättern heilt entzündete Wunden und wirkt antiseptisch und schmerzlindernd.

Gänseblümchen

Mehrmals täglich den Saft aus frischen zerriebenen Blättern und Blüten auf die Wunde auftragen. Als Auflage: Gänseblümchen mit Stein anquetschen, in ein Taschentuch einschlagen und auf der Wunde fixieren, das fördert die Wundheilung.

Echtes Mädesüss

Eine Auflage der gequetschten Blätter hilft bei Schnitt- und Stichwunden.

Sauerampfer

Zerhackte oder zerriebene Blätter auf Schürfwunden gelegt wirken kühlend, blutreinigend und zusammenziehend.

Grüne Aphrodisiaka

Brennnessel, Liebstöckel, Pastinake, Wilde Möhre, Petersilie, Gundelrebe, Schafgarbe, Knabenkraut, Sellerie, Senf, Rosenwurz, Waldmeister

Diesen Pflanzen wird nachgesagt, Lust und Liebe zu fördern.

Zum Bier gebraut sollen Brennnessel, Gundelrebe und Schafgarbe ihre erotisierende Wirkung gemäss Volksheilkunde nie verfehlt haben – ebenso wenig wie das stimulierende Schlagen der Lenden mit frisch geschnittenen Brennnesselruten, denn das soll die Manneskraft stärken. Ist aber nur eh schon hartgesottenen Männern zu empfehlen. Etwas sanfter erwecken duftende Badezusätze wie Rosenwasser, Rosenöl, Rosmarin, Lavendel oder Eisenkraut die Sinnlichkeit.

Frauenmantel kräftigt mitnichten nur die weiblichen Organe, sondern hat auch auf Männer eine potenzstärkende Wirkung. Kann als Tee getrunken oder als Salat oder Gemüse gegessen werden.

 

Buchtipp

Claudia Rawer, Ingrid Zehnder
«Kleine Outdoor-Apotheke: Erste Hilfe mit frischen Pflanzen für Freizeit, Sport und Reisen», erhältlich bei www.avogel.ch, Fr.18.50

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