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Erst ernten, dann säen

Kategorie: Garten
 Ausgabe 06 - 2010 - 01.06.2010

Text:  Remo Vetter

Vor lauter Freude an den ersten Gartenerträgen sollte man die Folgesaaten nicht vergessen.

Die Spargelsaison neigt sich bereits dem Ende zu. Von April bis Mitte Juni können wir Spargeln stechen. Bald ist es an der Zeit zu düngen und dem Boden eine Ruhepause zu gönnen, damit er sich regenerieren kann. Die Ernte der ersten Kartoffeln ist für uns ein einfaches, aber grosses Fest. Der erste Blumenkohl kann auf unserer Höhe jetzt auch schon geerntet werden, denn auf den Hügelbeeten ist er wunderbar gewachsen.

Die kleinen Artischockenköpfe dämpfen wir laufend und die Kinder geniessen die fleischigen Blätter und Herzen mit einer selbst gemachten Mayonnaise oder Sauce bérnaise. Den jungen Spinat und den Pflücksalat ernten wir regelmässig und bereiten damit Salate.

Randen schmecken am besten, wenn sie kaum grösser als Pingpongbälle sind. Die jungen Blätter geben wir Salaten bei. Auch Zwiebeln ernten wir in sehr jungem Stadium. Die ersten Erbsen sind besonders süss und aromatisch. Meist schaffen sie den Weg vom Garten in die Küche nicht. Kohlrabi und junger Fenchel werden bei uns oft als Snack zwischendurch roh, mit etwas Kräutersalz bestreut, verspeist. Die Radieschen sind knackig und dank Folgesaaten ernten wir seit Anfang Juni bis weit in den Herbst. Wer frühe Sorten gesät hat, kann jetzt die ersten Karotten ernten. Junge Rüebli schmecken herrlich in Salaten und als Zwischenverpflegung.

Bodenkosmetik

Obst und Gemüse brauchen jetzt sehr viel Nährstoffe aus dem Boden, damit sie reiche Ernte bringen. Das heisst, wir müssen dafür besorgt sein, den Boden gut mit Nährstoffen zu versorgen, sonst laugt er aus. Nachdem wir im Frühjahr die Gartenbeete bereits mit einer leichten Kompostgabe versehen haben, geben wir unseren Pflanzen meist im Laufe der Wachstumsperiode im Juni nochmals Kompost. Wöchentlich erhalten die Pflanzen auch Auszüge aus Brennnesseln und Beinwell. Dies ist eine hervorragende und kostengünstige Düngung. Die Kulturpflanzen danken uns diese Zuwendung mit grossen Erträgen und einer wunderbaren Pflanzengesundheit.

Für einen Auszug ernte ich die Brennnesseln oder den Beinwell jeweils abends und gebe sie in eine Gieskanne. Nach 24 bis 48 Stunden giesse ich den Gartenboden um die Pflanzen und die Pflanzentöpfe, nicht aber die Pflanzen direkt. Wir nennen das Bodenkosmetik, weil es ähnlich wie die persönliche Hygiene täglich beziehungsweise mehrmals wöchentlich angewendet wird.

Neben den ersten Ernten dürfen wir jetzt aber die Folgesaaten nicht vergessen. Uns ist es schon passiert, dass wir im Juni solch einen Reichtum ernten konnten, dass wir darob schlicht vergassen nachzusäen und im Herbst etwas verlegen staunten, dass uns ein solches Malheur passieren konnte.

Robuste Pflanzen vorziehen

Über die Jahre habe ich festgestellt, dass unsere selber gezogenen Jungpflanzen gegenüber den zugekauften viel schädlingsresistenter und damit robuster sind. So habe ich die Erfahrung gemacht, dass sich Schnecken mit Vorliebe auf die verhätschelten, bei konstanter Wärme im Treibhaus gezogenen jungen Salatpflanzen hergemacht haben, wogegen sie die in einem Kloster gezogenen robusten Pflanzen in Ruhe liessen – Darwins «Überleben des Stärkeren» im Garten. Wir arbeiten konsequent mit biologischem Saatgut und biologisch gezogenen Jungpflanzen. Zudem leiten wir die Schnecken weg von den Gartenbeeten, indem wir ihnen an einer entfernten Stelle im Garten ein Schneckenparadies eingerichtet haben: ein Grashaufen (dunkel, feucht), wo wir Garten- und Küchenabfälle deponieren.

Giessen Sie spärlich. Auch zu häufiges Giessen verpäppelt die Pflanzen. Die gesündesten Pflanzen wachsen in freier Natur. Wer giesst diese? Robust gehaltene Pflanzen suchen sich mit ihrem Wurzelwerk die Feuchtigkeit selbst. Achtung: Ich spreche von Pflanzen im Gartenboden, nicht in Töpfen; eine Topfpflanze kann sich natürlich die Feuchtigkeit nicht selbst holen.

Viele Gärtner stehen in ständigem Kampf gegen die Natur. Ich betrachte meinen Garten als Partner. Schenken auch Sie Ihrem Garten Zeit und Sie verbringen glückliche, sinnerfüllte Momente in ihm. Lieben sie ihn.

Wichtige Arbeiten im Juni:
1 Ernten
Küchen- und Heilpflanzen ernten und täglich in die Ernährung integrieren. Kräuter im Blattstadium vor der Blüte ernten und an einem luftigen Ort trocknen. Spargeln und Rhabarber bis 21. Juni ernten, anschliessend den Boden düngen und diesen ruhen, sich regenerieren lassen. Geerntet werden können jetzt auch schon neue Kartoffeln, Sommersalate, Zwiebeln, Erbsen, Ruccola, Radieschen, Erdbeeren, Kirschen und Stachelbeeren.
2 Boden lockern
Im Juni muss der Bodenlockerung besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Jetzt muss die Erde atmen können, um in den Sommermonaten reiche Erträge zu garantieren. Tägliche proaktive Bodenlockerung, um das Unkraut nicht aufkommen zu lassen.
3 Sommerschnitt
Auslichten bei Obstbäumen und Beeren.
4 Aussaaten
Gemüse, Kräuter und Salate für die Herbsternte aussäen: Brokkoli, Randen, Karotten, Zucchini, Kürbisse, Gurken, Fenchel, Buschbohnen, Stangenbohnen, Rondini, Grünkohl, Kohlrabi, Rüben, Erbsen, Mangold, Koriander, Petersilie, Dill, Majoran.
5 Auspflanzungen
Frostempfindliche Pflanzen ins Freiland pflanzen: Gurken, Kürbisse, Basilikum, Rosenkohl, Grünkohl, Blumenkohl, Brokkoli, Knollensellerie, Auberginen, Zucchini, Lauch, Buschbohnen, Stangenbohnen, Paprika, Mais. Lauch zu späten Karotten pflanzen. Starkzehrer mit Kräuterauszügen fördern.
6 Pflege
Laufende Pflegespritzungen der Rosen, nach der Blüte düngen. Nachblütenspritzungen bei schorfempfindlichen Obstsorten, mit Mehltau befallene Triebe entfernen.

Der Autor
Remo Vetter wurde 1956 in Basel geboren. 1982 stellte ihn der Heilpflanzenpionier Alfred Vogel ein. Seither ist Vetter im Gesundheitszentrum in Teufen (AR) tätig, wo er mithilfe seiner Familie den Schaukräutergarten von A. Vogel hegt.

Foto: Dave Brüllmann

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