Die Apotheke vor der Haustür

Andreas Krebs | Ausgabe_03_18

Wildkräuter sammeln – kann man sich Schöneres vorstellen?! Sich dankbar in der Apotheke der Natur bedienen, an ihrer Fülle sattessen und gesundtrinken!

@ mauritius-images.com

Das Sammeln heilender Pflanzen für die Hausapotheke ist etwas vom Schönsten, was man sich vorstellen kann. Zu toppen wohl nur vom Sammeln der täglichen Portion frischer essbarer Kräuter – weils schmeckt. Und weil die Nahrung unsere Medizin sein soll, wie Hippokrates festhielt. Tatsächlich gibt es kaum etwas Gesünderes als regelmässiges Wildkräutersammeln und Einverleiben. Der Bewegung wegen. Und weil Wildpflanzen vor Vitalstoffen nur so strotzen.

Allerdings gilt es, einige einfache Regeln zu beachten. In einer Zeit der massiven Umweltverschmutzung finden sich nicht überall geeignete Sammelplätze. Weder sollte auf bewirtschafteten Äckern, noch in Obstplantagen, Weinbergen oder an Bahndämmen gesammelt werden, denn dort wird häufig gespritzt. Auch wo Gülle ausgetragen wird oder Katzen und Hunde sich versäubern, sammelt man logischerweise nicht.

Respekt und der Fuchsbandwurm

Geeignet sind Plätze, die nicht intensiv landwirtschaftlich genutzt werden, etwa Wiesen, Brachland, Hecken, Bachufer, Wälder und natürlich der eigene Garten. Man sammelt mit grösster Sorgfalt und höchstem Respekt – sodass anschliessend nicht zu erkennen ist, dass gesammelt wurde. Nie ganze Bestände abernten! Blüten, Blätter und Triebe werden mit einem scharfen Messer, einer Schere oder behutsam von Hand von kräftigen, gesunden Pflanzen gekappt. Wer Wurzeln ausgräbt, gibt ein Stück der Wurzel dem Boden zurück und verschliesst das Loch sorgfältig. Und denken wir daran: Nur den Bedarf für ein Jahr sammeln.

Angst vor dem gefährlichen Fuchsbandwurm brauchen Kräutersammler nicht haben: Laut Robert-Koch-Institut gibt es keine Hinweise auf die Übertragung durch den Verzehr von Wildpflanzen oder Waldbeeren. Als grösste Gefahrenquelle für Fuchsbandwurminfektionen wird das Schmusen mit Haustieren angesehen (Hunde oder Katzen, die Mäuse fressen); auch Waldarbeiter sind überdurchschnittlich oft betroffen. Pro Jahr in zieren sich 20 bis 30 Menschen in der Schweiz mit dem Fuchsbandwurm. Händewaschen ist die beste Prävention.

Vom richtigen Zeitpunkt

Wichtige Voraussetzung für das Sammeln von Wildkräutern ist natürlich, diese genau zu kennen. Am Anfang beschränkt man sich deshalb besser auf einige wenige, um dann peu à peu neue kennenzulernen. Dabei helfen Bestimmungsbücher oder Kräuterwanderungen und -kurse. Die ungefähren Erntezeiten sind aus Sammelkalendern ersichtlich.

Es wird nur bei schönem Wetter gesammelt, nachdem es drei, vier Tage vorher trocken gewesen ist, damit die Pflanzen möglichst gehaltvoll und aromatisch sind. Insbesondere für Pflanzen mit ätherischen Ölen gilt: Je mehr Sonne – desto mehr Aroma und Heilwirkung. Auch soll der Morgentau schon verdunstet sein, damit die Kräuter trocken sind. Pflanzen mit ätherischen Ölen werden am besten vormittags gesammelt, Wurzeln am Abend, denn abends zieht sich die Pflanzenkraft wieder in die Wurzel zurück.

Die gute Verarbeitung

Wurzeln werden gewaschen, Kräuter nur wenn sie sichtbar dreckig sind, Blüten sollte man nicht waschen. Sämtliche Pflanzenteile werden am besten frisch verwendet (als Tees, Mazerate, für Salben und Essenzen), da bei der Trocknung Wirkstoffe verloren gehen. Getrocknet werden sie nur, um einen Vorrat für die Zeit anzulegen, in der es keine frischen Kräuter gibt. Dazu diese zu kleinen Büscheln zusammenbinden und aufhängen oder in einer dünnen Schicht auf einem Leinentuch ausbreiten. Der Trockenplatz soll schattig, dunkel und luftig sein. Der Trockenvorgang dauert etwa ein bis zwei Wochen. Sind die Kräuter trocken, werden sie zerkleinert; Blätter nicht zu klein zerreiben, da sich sonst die ätherischen Öle allzu leicht verflüchtigen.

Die getrockneten, zerkleinerten Pflanzen werden locker in gut verschliessbare Gläser gefüllt, mit Namen und Erntedatum versehen und dunkel gelagert. Die Kräuter verlieren nach etwa ein bis zwei Jahren die Wirkung und sollten dann erneuert werden. Alte Kräuterreste können für Bäder, Kräuterkissen oder Räuchermischungen verwendet werden.

Buchtipp
Steffen G. Fleischhauer, Astrid Süssmuth «Wildwachsende Heilp anzen einfach bestimmen», AT Verlag 2018 (erscheint Mitte März), Fr. 21.90

Foto: mauritius-images.com

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