Das Blut als Fenster in den Körper

Anja Huber | Ausgabe_03_18

Ein winziger Blutstropfen erlaubt erfahrenen Dunkelfeld-Therapeuten Einblicke in den gesamten Körper.

@ istockphoto.com, zvg

Ein kleiner Pieks ins Ohrläppchen und schon befindet sich ein Mini-Tropfen meines Bluts auf einem Glasplättchen. Darauf kommt ein Deckglas, dann legt die Therapeutin den Blutstropfen unter ein sogenanntes Dunkelfeldmikroskop – und ein ungewöhnlicher Kosmos tut sich auf: Ich sehe eine Art runder Tröpfchen. Sie scheinen wie im Universum zu schweben. Dazwischen leuchten hier und da dicke weisse Punkte auf, stachelige Bällchen wandern herum und die Tröpfchen reihen sich teilweise aneinander, scheinen sich aufzuschichten und erinnern so in ihrer Form an Münzrollen. Alles ist in Bewegung. Ich sehe klar und deutlich: Mein Blut lebt.

Lebendiges Schauspiel

Tanja Lüdke, Therapeutin im komplementärmedizinischen Zentrum Paramed in Baar, kann aus diesem Kosmos, den mein Blutstropfen auf dem Objektträger bildet, Informationen über meine Gesundheit ableiten: «Die runden Tröpfchen sind rote Blutkörperchen», erklärt sie. «Sie schichten sich teilweise aneinander, was zu Gebilden wie Geldrollen führt. Die roten Blutkörperchen kleben also teilweise zusammen und können ihrer Funktion, Sauerstoff durch den Körper zu transportieren, nicht mehr so gut nachkommen.» Ob ich denn öfters schwere Beine hätte oder kurzatmig sei, fragt sie mich daher. Und tatsächlich muss ich bejahen, dass ich schnell aus der Puste gerate – was mich immer wundert, weil ich viel Ausdauersport treibe. Die Erklärung dafür sehe ich aber jetzt deutlich im Dunkelfeld: Ich schnappe schnell nach Luft, weil die Sauerstofftransporteure in meinem Blut teilweise zusammenkleben. «Diese sogenannten Geldrollen können auf eine vermehrte Präsenz von Pilzsporen, eine gestörte Darmtätigkeit, Durchblutungsstörungen oder Elektrosmog hinweisen», hat Lüdke auch gleich die Erklärung parat.

Ansonsten sieht aber alles gut aus: «Die hell leuchtenden Gebilde sind weisse Blutkörperchen», erklärt Lüdke weiter. «Die stacheligen Bällchen sind Killerzellen.» Fasziniert kann ich beobachten, wie diese zu roten Blutkörperchen wandern, kurz anhalten und zum nächsten weiterziehen. «Die weissen Blutkörperchen und die Killerzellen untersuchen die verschiedenen Bestandteile des Blutes auf Eindringlinge wie Viren, Bakterien oder Pilze», erläutert Lüdke das Schauspiel in meinem Blut. Wären da viel mehr weisse Blutkörperchen und Killerzellen zu sehen, würde dies auf eine hohe Aktivität des Immunsystems hinweisen, etwa als Zeichen eines Infekts oder einer Entzündung im Körper, so die Therapeutin.

Spiegel der Gesundheit

Nicht umsonst gilt unser Blut als «Lebenssaft» – übernimmt es im menschlichen Körper doch eine Menge wichtiger Aufgaben. Aus Sicht der Dunkelfeldtherapie spiegeln sich körperliche Beschwerden oder Krankheiten im Blut wieder. Ein winziger Tropfen des Lebenssafts liefere daher Informationen über die körperliche Gesamtsituation. «Ein grosser Vorteil der Dunkelfeld-Vitalblutanalyse gegenüber schulmedizinischen Diagnosemethoden ist, dass gesundheitliche Probleme schon im Ansatz erkennbar sind – lange bevor sie sich definitiv als Krankheit im Körper manifestieren», sagt Lüdke. So wird beispielsweise ein Patient, bei dem im Dunkelfeld eine Leberproblematik schon deutlich zu erkennen ist, in aller Regel bei der schulmedizinischen Blutüberprüfung normale Leberwerte aufweisen.

Symbiose mit Mikroben

Die Diagnostik mit dem Dunkelfeldmikroskop beruht auf den Erkenntnissen von Professor Günther Enderlein (1872–1968), einem deutschen Biologen und Zoologen. Er begründete die Lehre von der Wandlungsfähigkeit der Mikroben: Kleinstlebewesen wie Viren, Bakterien und Pilze können ihre Formen ändern. In ihren «normalen», kleinsten Formen (sogenannte Urkeime) leben diese Mikroben mit uns in Symbiose und stellen einen Teil des Gesamtorganismus dar: Sie hindern andere, krankmachende Mikroben an der Ausbreitung im Körper und sind daher ein wichtiger Teil des Immunsystems. Und sie beeinflussen den Zustand des Blutes; sie regeln zum Beispiel seine Gerinnungs- und Fliessfähigkeit.

Aus diesen freundlichen Helfern, den Urkeimen, können jedoch krankmachende Keime entstehen. Wenn wir uns zum Beispiel falsch ernähren, zu wenig bewegen oder gestresst sind und unser inneres Milieu daher übersäuert. Nach Enderlein spielen zwei Entwicklungslinien der Urkeime für den menschlichen Organismus eine besondere Rolle: die Entwicklungslinie der beiden Schimmelpilze «Mucor racemosus» und «Aspergillus niger». «In höheren Entwicklungsstufen ist der Mucor racemosus mit allen Krankheiten der Viskosität, des Stofftransports und der Sauerstoffaufnahme verbunden», sagt Lüdke. «Das führt zu Stauungen im Körper.» So könnten dann Krankheiten wie Durchblutungsstörungen, Krampfadern, Bluthochdruck, Thrombosen und vieles andere mehr entstehen. Auch in meinem Blutstropfen entdeckt die Therapeutin den Mucor racemosus in Form einer typischen «Spitzendecke».

Aspergillus niger findet sie hingegen nicht. Er kann, so Lüdke, in seiner schädlichen Form zu Sehnen- und Muskelkrankheiten, Knochenerkrankungen, Arthrose, Nierenund Nebennierenleiden, Drüsenstörungen, Lungenleiden und Hautproblemen führen.

«Chronisch Kranke profitieren meist von der Dunkelfeldmikroskopie»
Tanja Lüdke*, welchen Patienten raten Sie zu einer Dunkelfeld-Diagnostik?
Per Dunkelfeldmikroskopie erhält man wertvolle Einblicke in das «innere Milieu» des Patienten, also in seine Immun- und Stoffwechsellage. Daher rate ich jedem mit Stoffwechselproblemen oder länger andauernden sowie chronischen Krankheiten zu dieser Untersuchung. Auch, um erste Hinweise auf eine Schwermetallbelastung zu erhalten, ist die Dunkelfeld-Diagnostik wertvoll. Dann sieht man, wie Metallpigmente durchs Blut schwirren und kann daraufhin weitere Untersuchungen anordnen, um die Art der Schwermetalle zu identifizieren und sie schliesslich spezifisch auszuleiten.
Die Dunkelfeldmikroskopie wird nicht von der Krankenkasse übernommen. Was kostet sie denn? Und wie läuft die Sitzung ab?
Die Bewertung der ersten Dunkelfeld-Bilder erfolgt sofort im Beisein des Patienten im Labor. Der Patient kann die Mikroskopie live auf dem Computer-Monitor mitverfolgen. Dazu erklärt der Therapeut ausführlich die sichtbaren Phänomene in seinem Blut und leitet daraus Behandlungsempfehlungen ab. Das Dunkelfeld selber kostet 60 Franken. Hinzu kommt die Zeit, die von den Therapeuten stundenweise abgerechnet wird. Bei Paramed liegt der Stundensatz bei 148 Franken. Eine Sitzung dauert zwischen einer halben und ganzen Stunde.
Die Isopathie wird oft in einem Atemzug mit der Dunkelfeldmikroskopie genannt. Schliesst sich also meist eine isopathische Behandlung an diese Diagnosemethode an?
Dies kann, muss aber nicht sein. Je nach Blutbild kommen verschiedene Therapien zum Einsatz. Das reicht von Entsäuerung, Bewegungs- und Ernährungsberatung über Darmsanierung und andere Ausleitungsmethoden bis hin zur Gabe von Vitalstoffen oder mit Ozon angereicherten Eigenblut-Infusionen. Das Blut zeigt, was der Patient braucht, um wieder ein gesundes inneres Milieu zu erreichen.
Infos: www.paramed.ch, kostenloser Vortrag zum Thema «Mit Kräutermedizin schlank in den Frühling»
*Tanja Lüdke. Dipl. Naturheilpraktikerin TEN, seit 2017 bei Paramed. Schwerpunkte sind unter anderem Menstruations- und Zyklus- sowie Wechseljahrbeschwerden, Impfberatungen, Infektanfälligkeiten, Erschöpfungszustände und Allergien.

Die Selbstheilung anstossen

Um den entarteten, krankmachenden Mucor racemosus in meinem Blut in seine Urform zurückzuführen, müsse ich mein inneres Milieu korrigieren, also meine Übersäuerung abbauen. «Dadurch entziehen wir den pathogenen Formen der Keime den Nährboden und sie entwickeln sich wieder in die für uns hilfreichen Formen zurück», erklärt Lüdke. Neben Entsäuerungspräparaten empfiehlt sie zudem ein isopathisches Medikament, das den Schimmelpilz Mucor racemosus in homöopathischer Dosis enthält. Die Isopathie ist eine spezielle Therapieform, die «Gleiches mit Gleichem» bekämpft – im Gegensatz zur Homöopathie, wo «Ähnliches mit Ähnlichem» geheilt wird. Indem ich den Mucor racemosus-Keim für drei Wochen im homöopathischen Stadium einnehme, sollte mein Körper auf diesen aufmerksam werden und ihn in seiner entarteten Form selbst abbauen und ausscheiden können, so die Therapeutin. In vier bis sechs Wochen wollen wir mein Blut dann wieder im Dunkelfeld anschauen, um den Therapieverlauf zu überprüfen. «Bei so wenigen Auffälligkeiten wie in Ihrem Blut sollte dann schon alles in Ordnung sein», macht mir Tanja Lüdke zum Abschied Mut.

Und sie hatte Recht: Fünf Wochen später kann ich wieder Zeuge des faszinierenden Miteinanders von Blutkörperchen, Killerzellen, Mikroorganismen und Blutplättchen werden, das sich unter dem Dunkelfeldmikroskop auftut. Ich habe weniger «Geldrollen» und der Mucor racemosus ist nicht mehr zu sehen. Beim Sport bekomme ich jetzt besser Luft – und weil ich auch auf eine natürliche Ernährung mit viel Gemüse während meiner Entsäuerungszeit geachtet habe, bin
ich sogar zwei Kilo schlanker geworden.

Umstrittenes Konzept

Für mich persönlich hat sich der Dunkelfeld-Versuch also gelohnt. Doch die Diagnosemethode ist nicht unumstritten und bislang nicht wissenschaftlich anerkannt. Das mag auch daran liegen, dass die im Blut zu beobachtenden Phänomene teilweise völlig unterschiedlich interpretiert werden. Die Beurteilung des Blutbildes unter dem Dunkelfeldmikroskop sollte deshalb nur von erfahrenen und speziell ausgebildeten Ärzten und Therapeuten vorgenommen werden. Auch ersetzt die Dunkelfeld-Untersuchung keinesfalls die herkömmlichen Laboranalysen des Blutes! Sie sollte eher als wichtige zusätzliche Informationsquelle gesehen werden.

Foto: istockphoto.com, zvg

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Natürlich im Juli 2018


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