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Das blaue Wunder erleben

Kategorie: Rezepte
 Ausgabe 7/8-2018 - 04.07.2018

Text:  Vera Sohmer

Als Kleines Blaues wunder werden Heidelbeeren gerne bezeichnet. Weil Sie super schmecken und Heilkraft in Ihnen steckt. Jetzt sind Sie wieder reif.

Fotos: istockphoto.com

In die Heidelbeeren gehen» – das kennen viele von früher. Während die Eltern mit Ernst bei der mühsamen Pflückarbeit waren, konnten die Kinder das Naschen nicht lassen – bis Zähne und Zunge ganz blau eingefärbt waren.

Heute liegt Beerensammeln wieder im Trend. Wenn auch in etwas anderer Form und mit garantiertem Ernte-Ertrag: Auf immer mehr Bauernhöfen gibt es Plantagen zum Selberpflücken (www.selberpfluecken.ch). Hingehen lohnt sich, versprechen die Landwirte. Frischer sind die Beeren schliesslich nicht zu haben. Es lassen sich zudem jene Exemplare aussuchen, die einem am besten gefallen. Und günstiger als im Laden sind sie erst noch.

Zu den Anbietern gehört der Eulenhof im aargauischen Möhlin. Er hat unter anderem Bio-Heidelbeeren zum Selberpflücken im Sortiment. «Die Idee findet von Jahr zu Jahr mehr Anklang», sagt Navrina Bläuer, die für die Anbauflächen verantwortlich ist. Direktvermarktung, betont sie, sei dem Eulenhof wichtig, das Heidelbeeren-Feld passe ins Konzept. «Konsumenten sehen, wie und wo ihre Lebensmittel gedeihen, lernen die Produzenten kennen – und sparen sich den Umweg über den Grosshandel.»

Gezüchtet oder wild
Die angebauten Heidelbeeren stammen nicht etwa von den in Europa und Asien vorkommenden Wildheidelbeeren ab. Die kultivierten Sorten kommen ursprünglich aus Nordamerika, wo sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts gezüchtet wurden und bis heute angebaut werden. 20 bis 30 Hauptsorten gibt es praktisch weltweit. «Bluecrop», Elizabeth» und «Patriot» gehören dazu, zu bekommen sind sie auch in Läden und auf Märkten. Verkauft werden sie oft unter der Bezeichnung «Blaubeeren». Diese haben zwar die typische blaue Schale, ihr Fruchtfleisch ist aber hell. Sie können so gross wie Kirschen werden, sind erfrischend und leicht säuerlich, aber nicht so intensiv im Geschmack wie die kleinen wilden Beeren.

Wer letztere bevorzugt: Zu finden sind sie in der Schweiz in Laub- und Nadelwäldern sowie auf Bergheiden. Wildheidelbeeren gedeihen an kleinen, buschigen Sträuchern und werden gerade einmal erbsengross. In reifem Zustand ist ihre Oberfläche mit einem weiss-gräulichen Schimmer überzogen. Die Kleinen haben es in sich: Sie sind auch innen schwarzblau gefärbt, gelten als überaus gesund und werden sogar als Heilmittel genutzt (siehe Box).

Heidelbeeren: Was drinsteckt

Beere mit unschlagbarer Heilkraft, das Superfood schlechthin: Von Heidelbeeren ist meist im Superlativ die Rede. Entsprechend vollmundig werden sie angepriesen. Wer jeden Tag ein bis zwei Tassen davon isst, so lautet eine der Empfehlungen, dem können Zivilisationskrankheiten aller Art nichts anhaben. Tatsächlich? Heidelbeeren, das steht fest, enthalten viel Wasser und wenig Kalorien. Und sie sind reich an Anthocyanen. Diese wasserlöslichen Pflanzenfarbstoffe sorgen für das typische blaubeerblau; und sie sollen unter anderem Zellschäden vorbeugen. Ob dem tatsächlich so ist, konnte noch nicht eindeutig nachgewiesen werden. Zellschützende Wirkung sollen auch die in den Beeren enthaltenen Vitamine C und E haben, während das Provitamin A für den Sehprozess wichtig ist. Bedeutend ist zudem der Gehalt an Gerbstoffen. Diese stillen Wunden und Entzündungen und wirken leicht antibakteriell sowie leicht schmerzlindernd. Wilde Heidelbeeren werden traditionell gegen Entzündungen im Mund- und Rachenraum und gegen Durchfall angewendet. Dies meistens in getrockneter Form. Frische Beeren hingegen wirken leicht abführend.  

Richtig sammeln
Falsch machen lässt sich beim Sammeln kaum etwas, nur drei Dinge sind wichtig:

• Ein Heidelbeerkamm, vielerorts «Riffel» genannt, macht die Ernte zwar bequemer, für die Pflanze ist es aber schonender, die Beeren einzeln zu pflücken.

• Die Heidelbeere sieht der Rauschbeere zum Verwechseln ähnlich, es gibt aber ein zuverlässiges Unterscheidungsmerkmal: Das Fruchtfleisch der Rauschbeere ist milchigweiss. Giftig ist sie zwar nicht, sie kann aber von einem Pilz befallen sein, der Schwindel und Übelkeit auslöst.

• Die Wahrscheinlichkeit, sich mit dem Fuchsbandwurm anzustecken, ist gering. Vorsichtshalber kann man die Beeren vor dem Verzehr abwaschen.

Egal, ob wild oder kultiviert: Heidelbeeren schmecken immer gut. Am allerbesten solo und direkt vom Strauch, findet Lavrina Bläuer. Sie lassen sich aber auch unters Müesli, in Joghurt oder Quark mischen oder – zusammen mit anderen Früchten – zum Smoothie mixen. Kreative Köche machen daraus ein pikantes Pesto, einen Risotto oder mischen etwas davon unter den Linsensalat. Und während Klassiker wie Kuchen, Konfi und Kompott sowieso gesetzt sind, lässt sich die aus Schweden stammende Blaubeersuppe leicht ins Repertoire einbauen: Die Beeren einfach in wenig Wasser und Zucker aufkochen und mit Zimt würzen. Schmeckt warm oder kalt. 

Der clevere Konsumtipp von BIOVISION

Je näher, desto besser

Im Sommer ist «regional und saisonal» mehr als ein Schlagwort. Die einheimische Obst- und Gemüseauswahl ist üppig und saisongerechtes Einkaufen fällt nicht schwer. Wer trotzdem unsicher ist, wirft am besten einen Blick in unsere Saisontabelle: www.clever-konsumieren.ch/ saison.

Gemüse oder Früchte, die ausserhalb der Saison gekauft werden, wurden über weite Strecken transportiert oder stammen aus beheizten Gewächshäusern. Beides verursacht Treibhausgase, die den Klimawandel weiter anheizen. Vor allem Flugtransporte sollten vermieden werden, weil die Belastung verglichen mit einem Schiffstransport um den Faktor 25 grösser ist. Deshalb stecken in diesen Produkten deutlich höhere Umweltbelastungen als in saisonalen und regionalen Lebensmitteln.

Wer nicht nur saisonal und regional einkauft, sondern auch Bio-Produkte bevorzugt, leistet zusätzlich einen Beitrag zur Erhaltung der Biodiversität. Bio-Bauern fördern durch vielfältige Kulturen, den konsequenten Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und eine strikt biologische Düngung die Vielfalt von Tieren und Pflanzen. Ein Einkauf auf dem Wochenmarkt oder beim nächsten Bio-Hofladen lohnt sich also gleich mehrfach.

Weitere Informationen unter www.clever-konsumieren.ch 

 

 

 

Quinoa-Maca-Porridge mit erfrischender Blaubeer-Randen-Creme und Minze für 2-3 Portionen

Porridge:
400 ml Wasser
1 Prise Himalajasalz
200 g Quinoa
250 ml Mandelmilch
2 T L Macapulver 
1 gehäufter E L Cashewmus 
2 T L Vanillepaste 
1½–2 EL Ahornsirup oder Honig 
Prise Himalajasalz 
2–3 T L Hanfsamen (für eine Extraportion Omega-3), nach Bedarf

Creme:
150 g Randen (Rote Bete), gekocht 
200 g Blaubeeren, gefroren 
100 ml Wasser 
3 Medjool-Datteln 
1 Prise Zimt, gemahlen 
½ TL Vanillepaste

Toppings:
Blaubeeren, frisch oder gefroren, leicht angetaut
frische Minzeblätter 
geröstete Cashews, klein gehackt, und/oder Cashewmus
etwas Mandelmilch zusätzlich

Zubereitung:
1 Das Wasser mit dem Salz in einem weiten Topf zum Kochen bringen. Das Quinoa gut waschen, in das kochende Wasser geben, 4 Minuten kochen lassen, dann die Hitze stark reduzieren und zugedeckt etwa 10–15 Minuten quellen lassen. 
2 Inzwischen für die Creme die Randen (Rote Bete) schälen und zusammen mit den gefrorenen Blaubeeren, Wasser, Datteln, Zimt und Vanille in einem leistungsstarken Mixer fein und glatt mixen.
3 Die Mandelmilch mit allen weiteren Zutaten bis einschliesslich Hanfsamen glatt mixen, zum aufgequollenen Quinoa geben, im Topf noch ein paar Minuten auf niedriger Stufe cremig rühren, dann in Schalen anrichten.
4 Etwas der kalten Blaubeer-Randen-Creme auf das Porridge geben. Mit Blaubeeren, Minzeblättern und gerösteten Cashews und/oder 1 TL Cashewmus garnieren. Wenig Mandelmilch um das Porridge träufeln und geniessen.   

Cremiges Black-Rice-Porridge mit heissen Blaubeeren und gerösteten Kokoschips
für 2 Portionen

Porridge
140
g schwarzer Reis
350 ml Wasser
½ T L Himalajasalz
250 ml Kokosmilch
3–5 T L Kokosblütenzucker
1 T L Vanillepaste

Blaubeeren
200 g Blaubeeren, gefroren
2 E L Wasser
2–3 T L Kokosblütenzucker
¼ T L Zimt, gemahlen
½ T L Vanillepaste
50 g Blaubeeren, gefroren, leicht angetaut
2 Handvoll Kokoschips, ungesüsst

Zubereitung
1
Den Ofen auf 160 Grad Umluft vorheizen. Je nach Dicke die Kokoschips 7–10 Minuten goldbraun rösten, aus dem Ofen nehmen und auskühlen lassen.

2 Den Reis gut waschen, in einen weiten Topf geben, Wasser und Salz hinzufügen, aufkochen, dann auf mittlerer Stufe zugedeckt 35 Minuten garen.

3 Die Blaubeeren zusammen mit allen weiteren Zutaten in einem Topf aufkochen, die Hitze stark reduzieren und 5–7 Minuten sanft köcheln lassen. Auf tiefer Stufe warm halten.

4 Für den Reis die Kokosmilch mit Kokosblütenzucker und Vanillepaste vermischen, vier Fünftel davon zum gekochten Reis geben, noch einmal aufkochen und auf mittlerer Stufe 2–3 Minuten köcheln lassen (je nach gewünschter Konsistenz etwas länger kochen lassen). Gut umrühren und in Schalen füllen.

5 Mit den zusätzlichen Blaubeeren und den gerösteten Kokoschips garnieren, die restliche Kokosmilch darüberträufeln und sofort servieren.

Buchtipp
Nadia Damaso
«Eat better not less, around the world. Rezepte inspiriert von Aromen, Farben und Gewürzen aus aller Welt», AT-Verlag 2017,
Fr. 36.90.

Fotos: istockphoto.com|biovision.chNadia Damaso, AT Verlag / www.at-verlag.ch

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