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Ausgabe_05_20

 Natürlich schön mit Schüsslersalzen - 18.05.2020
 Partnerschaft - 18.05.2020
 Sabine Hurni über die Liebe - 18.05.2020
 Hypnose - 16.05.2020
 Frühling im Garten - 16.05.2020
 Patientenverfügung - 08.05.2020
 Lust und Liebe - 08.05.2020
 Heilpflanze Sanikel - 08.05.2020

Der Phönix aus der Asche

Liebe Leserin, lieber Leser

Corona hat unser Leben erschüttert und viel Leid verursacht. Das Virus hat uns gnadenlos gezeigt, wo unsere Grenzen sind. Und die Finanz- und Wirtschaftskrise hat erst begonnen. In der Asche, die bleibt, entsteht nun aber auch viel Gutes.

Der Preis, den wir zahlen, ist hoch. Der schmerzliche Abschied von Menschen, die in diesen Tagen einsam in isolierten Spitälern und Heimen starben und noch sterben, ohne dass ihre Verwandten bei ihnen sein können, gehört dazu. Ich möchte keiner von ihnen sein. Im Sterben allein gelassen, weil man mich vor dem Tod durch Corona schützen will – das ist absurd und nicht die Zukunft, in die ich gehen möchte. Sie bestimmt auch nicht.

Ebenso zum Preis, den uns das Virus abringt, gehört der Abschied vom Gewohnten. Die Wohlstandsparty, von der wir insgeheim hofften, dass sie ewig währt, ist vorbei. Als mich diese Erkenntnis traf, machte mir das einen Augenblick lang mehr Angst, als das Virus selber. Mittlerweile verfliegt diese Angst wieder und macht einer wachsenden Erleichterung und der Gewissheit Platz: Nach Corona so weiter wie früher – das kommt für mich nicht mehr infrage.

Die Luft ist sauberer geworden. Über Städten wie Milano hat sich der Smog aufgelöst, an unserem Himmel sind keine Kondensstreifen zu sehen, in Venedigs Häfen tummeln sich wieder Delfine und überall ist der Autoverkehr stark zurückgegangen. Wir sitzen auf unseren Balkonen oder gehen spazieren und hören in der neuen Stille die Vögel singen. Was wir für das Klima auch mit Gretas Hilfe nicht geschafft haben, hat nun Corona geschafft. Das ist, bei allen Opfern, die zu beklagen sind, ein Wunder – und immer mehr Menschen sehen das auch so.

Es macht Freude und Hoffnung zu sehen, wie sich die Natur von unserem Treiben erholt. Und es macht Freude und Hoffnung zu sehen, wie sich in den letzten Wochen das Miteinander verändert hat. Werte wie Solidarität, Rücksichtnahme und Gemeinschaftssinn statt Egotrip und Konkurrenz stehen wieder hoch im Kurs; ebenso die Rückbesinnung auf das Einfache, Nahe und Bescheidene. Ruhe ist ohne die unzähligen Konsumverführungen eingekehrt, eine Ruhe, in der viele – da bin ich mir sicher – zur Besinnung gekommen sind.

Ich bin nicht blauäugig. Die Zeiten, die uns bevorstehen, werden hart. Arbeitslosigkeit wird eines der Themen sein, das auf uns zukommt. Gut, dass Corona uns eine neue Solidarität gelehrt hat. Auch das Klima wird sich wieder melden, ebenso die Natur, die unter dem Mantra vom ewigen wirtschaftlichen Wachstum und dem damit einhergehenden globalen Waren- und Touristenverkehr so unglaublich ausgebeutet wurde und gelitten hat. Gut zu sehen, dass während der Pandemie- Zwangspause der Himmel wieder blauer, das Wasser klarer und die Welt stiller geworden sind. Das möchte ich nicht mehr missen.

Corona hat uns gnadenlos den Spiegel vorgehalten und gezeigt, dass das, was wir bisher unter «nachhaltig » und «grün» verstanden, wohl doch eher ein gut gemeintes, aber auch trügerisches Greenwashing war. Je nach Religion sind wir die Schöpfung eines Gottes, einer Göttin oder vieler Gottheiten; in vielen Religionen gelten wir sogar als Krone der Schöpfung. Und auch evolutionär stehen wir ganz oben auf der Leiter. Wir sind der Homo Sapiens, der vernünftige oder denkende Mensch, je nach Übersetzung aus dem Lateinischen. Und weil wir das sind, stehen wir in der Pflicht, an einer besseren Welt zu arbeiten. Die Generationen vor uns haben es auch immer wieder versucht – viele sind gescheitert. Der Kommunismus ist ein gutes Beispiel dafür. Und nun geht es auch der freien, globalen Marktwirtschaft an den Kragen, von der wir hofften, dass sie alles richten und besser machen würde.

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