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Anleitung zum Glücklichsein

Kategorie: Leben
 Ausgabe_03_2013 - 01.03.2013

Text:  Lioba Schneemann

Das Leben findet im Jetzt statt. Wir handeln und denken nicht im Gestern noch im Morgen. Darum der Rat: Sei da, wo du eh schon bist. Wer dies täglich übt, wird glücklich.

Der Mensch will glücklich sein. Das ist das höchste Ziel eines jeden, egal ob Reich oder Arm, Schwarz oder Weiss, Klein oder Gross. Die Glücksformel, die uns spirituelle Lehrer seit Jahrtausenden raten, tönt banal: Lebe im Jetzt. Denn das ist die Grundlage allen Glücks. Dann gewinnt der Mensch die totale Freiheit.

«Wir müssen lernen dort zu sein, wo das Leben stattfindet. Und das ist genau hier. Das ‹Jetzt› ist der einzige Moment, den wir haben. Er ist so flüchtig und doch so kostbar. Deshalb sollten wir ihm unsere volle Aufmerksamkeit schenken», erklärt Fred von Allmen, buddhistischer Meditationslehrer und Buchautor.

Der kleine Fünf-Minuten-Test

Im Moment leben, achtsam sein, ist eine alte Weisheit. So schrieb schon im Mittelalter der Mystiker Meister Eckhart: «Die wichtigste Stunde ist immer die Gegenwart, der bedeutendste Mensch ist immer der, der dir gerade gegenübersteht, das notwendigste Werk ist stets die Liebe.» Nun wird, glücklicherweise, dieses Wissen wieder neu entdeckt.

Der Weg zum Lebensglück tönt einfach. Wie schwer es jedoch fällt, im gegenwärtigen Moment zu verweilen – ohne zu urteilen, ohne sich in Gedanken oder einer Tätigkeit zu verlieren und ohne sich abzulenken – kann jeder sofort ausprobieren.

Setzen Sie sich auf einen Stuhl und schliessen Sie die Augen. Achten Sie für fünf Minuten nur auf Ihren Atem. Spüren Sie, wie er kommt und geht, ein kalter Luftzug in der Kehle, das Auf und Ab der Bauchdecke. Lassen Sie aufkommende Gedanken, Bilder, Empfindungen kommen und gehen, lassen Sie sie wie Wolken am Himmel vorbeiziehen. Hand aufs Herz: Wie lange schaffen Sie das, ohne wieder einem neuen Gedanken nachzuhängen? Eine Sekunde, eine Minute?

Es gibt keine Zukunft

Die Arbeit mit dem Atem wird in vielen traditionellen Meditationstechniken geübt. Man schult damit seine Konzentration und die Sammlung des Geistes. Einzig der Atem dient als Anker zum Zurückkommen ins Jetzt.

Eckhart Tolle, Autor spiritueller Bücher, rät uns darum, der Vergangenheit und Zukunft nur kurze Besuche abzustatten, nur so weit, wie es die praktischen Dinge des Lebens erfordern. Das dauernde Erschaffen der Zeit sei menschlicher
Wahnsinn. Man könne nicht in der Vergangenheit oder in der Zukunft leben, denn sie existieren gar nicht: Nichts ist je in der Vergangenheit geschehen – es geschah im Jetzt. Nichts wird je in der Zukunft geschehen, es wird im Jetzt geschehen.

Die Illusion vom Denken

Denken ist nicht schlecht. Kein spiritueller Lehrer rät dazu, den Versuch zu unternehmen, es abzustellen. Unser Gedankenstrom reisst uns jedoch mehr mit, als wir es wahrhaben wollen. Und darum glauben wir, wir hätten unser Denken unter Kontrolle. «Die Gedanken denken uns», stellt Eckhart Tolle fest. Dass wir in der Lage sind, etwas zu tun und dabei an etwas ganz anderes zu denken, ist zwar ein grosser Vorteil. Dadurch sind wir sehr effizient. Wir können Szenarien entwickeln, Gefahren erkennen, in Varianten denken, uns um etwas sorgen und gezielt planen. «Weil wir ständig mit denken beschäftigt sind, laufen wir aber Gefahr, nicht mehr wahrzunehmen, was gerade geschieht,» erklärt Stephan Ebner, der in Basel die sogenannte MBSR-Methode lehrt, die auf Achtsamkeit und Stressreduktion basiert. «Dass wir aber drei Dinge gleichzeitig machen können, wird zunehmend zum Fluch.»

Den wahren Kern erkennen

Den einzelnen Moment achtsam und ohne zu urteilen wahrnehmen, führt dazu, dass man sich mehr mit sich selber befasst. Man lernt sich zu spüren, wahrzunehmen, was innerlich vor sich geht. Man kann herausfinden, warum man auf etwas in einer bestimmten Art und Weise reagiert und was einen wirklich antreibt. Das hat weitreichende und erst noch positive Konsequenzen im Umgang mit anderen und mit sich selbst. Nur wer sich kennt, kann seine Grenzen einschätzen, überfordert sich nicht und kann auf seine Bedürfnisse Rücksicht nehmen, «brennt nicht aus».

Als wäre es das erste Mal

Der Prozess des inneren Wachstums verlangt viel Engagement für sich selbst. Fred von Allmen betont: «Einfach nur im ‹Jetzt› sein, reicht nicht. Vielmehr muss man lernen und begreifen, wie sein Geist funktioniert, und wie er das eigene Leiden verursacht. Erst dann ändert sich wirklich etwas.» Die Achtsamkeit, so sagte einst Buddha, ist nur so weit gut, wie sie der Erkenntnis dient. Das Einüben von Achtsamkeit verlangt stetes Bemühen, Willen und Disziplin im Alltag. Manchmal sei es aber auch nur eine Frage des Sich-Erinnerns.

Achtsam-Sein übt man am einfachsten, indem man beobachtet, in welchen Situationen man unachtsam ist. Und indem man es vermeidet. Wir sind unachtsam, wenn wir mehrere Dinge gleichzeitig oder automatisch tun, wenn wir vergleichen und bewerten. Wir sind unachtsam, wenn wir grübeln oder beim Tun bereits gedanklich am Ziel sind.

Fotos: fotolia.com, zvg

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