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Abgeerntet

Kategorie: Garten
 Ausgabe_09_2013 - 01.09.2013

Text:  Remo Vetter

Die Ernte ist grösstenteils eingefahren. Im September wird schon aufgeräumt, kompostiert und die nächste Gartensaison geplant.

Im August und auch noch im September können Gärtner reiche Ernte einfahren. Am besten räumt man die Beete gleich auf und bringt Laub und Pflanzenreste auf den Komposthaufen. Auf den Beeten verrottende Pflanzen bergen die Gefahr von Krankheiten. Auch spät in der Saison wächst noch Unkraut, vor allem auf Flächen, die gerade abgeerntet sind. Die Einsaat einer Gründüngung ist eine Möglichkeit, das Unkraut einzudämmen.

Aus Zeitgründen und arbeitstechnischen Überlegungen sind wir in den letzten Jahren dazu übergegangen, das abgeräumte Material einerseits zu sammeln, um im Frühjahr neue Hügelbeete anzusetzen, und anderseits direkt Hochbeete mit den Gartenrückständen zu befüllen. Jetzt im Herbst ist die Zeit dazu günstig. Hochbeete lassen sich nämlich bequem bearbeiten und bieten durch das in ihrem Inneren verrottende Pflanzenmaterial ein Mikroklima, das bei Gemüse oft einen
doppelt so hohen Ertrag garantiert wie ein normales Beet.

Die Idee, Kulturpflanzen nicht ebenerdig, sondern auf erhöhten Beeten anzusetzen, kommt vermutlich aus China und aus den Bergregionen des tropischen Regenwaldes. Da dort die oberste fruchtbare Bodenschicht oft nur sehr dünn war, entstanden durch das Aufhäufen von Erde zu Hügelbeeten bessere Kulturbedingungen.

Ein Hoch auf Hochbeete

In Europa machte man sich im Mittelalter ein ähnliches Prinzip zunutze. In der Lombardei und in der Po-Ebene legte man hügelartige Beete aus dem fruchtbaren Schlamm an, den die Flüsse mit sich führten und an den Ufern ablagerten.

In Irland nutzte man die ans Meer angeschwemmten mineralstoffhaltigen Meeresalgen, um erhöhte «Lazy beds» anzulegen, auf denen Kartoffeln gepflanzt wurden. In den mittelalterlichen Klostergärten wurde diese Art des Anbaus weiterentwickelt und die Mönche haben angefangen, «ein Hügelbeet im Kasten» anzulegen, indem man die fruchtbare Erde mit einem festen Holzrahmen umgab.

Was zur Verbesserung für Nutzpflanzenkulturen begann, wurde mit der Zeit mehr und mehr zum Gartenkunstwerk. Hochbeete erleben heute einen richtigen und noch nie dagewesenen Boom.

Auch ich gehöre zu den begeisterten «Hochbeet-Fans». Hochbeete bieten den Pflanzen höhere Temperaturen, denn sie sind richtige Wärmeinseln, da das kompostierende Material zusätzliche Wärme liefert. So ist es mir schon gelungen, im Winter auf den Hoch- und Hügelbeeten Gemüse zu ziehen, das sonst nur im Sommer wächst. Gleichzeitig lassen sich ungebetene Gäste wie z. B. Schnecken weit besser im Zaun halten, als auf bodenebenen Beeten. Ich jedenfalls habe bisher noch keine einzige Schnecke aus dem Hochbeet entfernen müssen – vermutlich sind sie nicht schwindelfrei.

Last, but not least sind Hochbeete für Gärtner, die zu Rückenschmerzen neigen, eine Wohltat: Säen, pflanzen, pflegen und ernten – alles geht leicht und rückenschonend im Stehen.

Gartenarbeiten im September
Nutzgarten
• Beete räumen von altem Laub und Pflanzenresten. Diese auf den Kompost bringen oder für Hochbeete verwenden.
• Zu säen ist nicht mehr viel – eventuell Wintersalat, Pflücksalat, einige asiatische Blattgemüse und Spinat.
• Steckzwiebeln können gepflanzt werden zur Überwinterung. Wie japanische Sorten, die im vorigen Monat ausgesät wurden, bleiben sie den Winter über im Boden und können ab nächsten Juli geerntet werden – sofern sie den Winter überstanden haben.
• Ernten und hätscheln, damit die Früchte ausreifen: Rosenkohl einspitzen, Tomatenblüten ausbrechen, Endivie und Bleichsellerie einbinden.
• Setzlinge auspflanzen
von Wintersalaten, Zuckerhut, Chinakohl und Lauch.
• Rhabarber- und Beerenpflanzen wachsen noch an.
• Setzzwiebeln und Knoblauch stecken.
• Freilandsaaten sind bis Mitte oder gar Ende Monat möglich: Nüssler, Spinat, Radieschen, Winterportulak und Gründüngung.
• Mehrjährige Kräuter teilen und pflanzen.
Ziergarten
• Düngung einstellen, da sonst die Frosthärte reduziert wird.
• Freie Beetplätze einsäen mit schnell wachsenden Pflanzen wie Gelbsenf oder Büschelblume (Phacelia); dies dient der Gründüngung.
• Pflanzen ausputzen und wenn nötig zurückschneiden.
• Blumenzwiebeln und -knollen für frühe Blüte im Frühjahr möglichst bald (vor Mitte Oktober) pflanzen.
• Frühlingsblüher wie Gänseblümchen (Bellis), Dotterlack, Stiefmütterchen und Vergissmeinnicht pflanzen.
• Für immergrüne Sträucher ist jetzt die beste Pflanzzeit, aber auch für Clematis, Pfingstrosen und andere Stauden. Sie entwickeln noch vor dem Einwintern neue Wurzeln und sind so gerüstet für den Start im Frühjahr.
• Rasen nicht zu tief schneiden und nur auf nährstoffarmen Böden düngen. Stark vermooste Flächen mit dem Vertikutierer belüften (Miete oder Kauf im Wyss GartenHaus möglich).
• Rasen und Wildblumen sät man am besten nach einem warmen Herbstregen aus.
• Nicht frostfreie Kübelpflanzen vor dem Umzug ins Winterquartier auf Schädlinge und Krankheiten untersuchen. Leichtem Befall mit Läusen, Milben oder Fliegen kann man mit einem Rückschnitt begegnen. Sofern die Pflanzen stärker befallen sind, empfiehlt sich der Einsatz von biologischen Pflanzenschutzmitteln.

In der Tiefe des Hochbeets

Gemüse-Hochbeete brauchen einen sonnigen, warmen und windgeschützten Platz. Entweder man errichtet sie im Gemüsegarten oder platziert sie nahe an Haus oder Terrasse, damit die Erntewege kurz sind. Hochbeete für Zierpflanzen lassen sich an fast allen Plätzen verwirklichen und können je nach Grösse, Form und Höhe ideal zur Gliederung und Aufwertung des Gartens eingesetzt werden.

Holz ist das am häufigsten verwendete Baumaterial für Hochbeete. Wir verwenden Rahmen aus Lärchenholz; die sind sehr robust und langlebig. Natürlich sind auch Betonsteller oder Stahlkonstruktionen denkbar. Absehen sollte man hingegen von Eisenbahnschwellen – die sind mit aggressiven Chemikalien behandelt.

Beim Befüllen eines Hochbeetes für Gemüse gehen wir folgendermassen vor: Auf den Boden legen wir einen engmaschigen Hühner- oder Hasendraht. Die unterste, zirka 30 Zentimeter hohe Schicht füllen wir mit grob zerkleinertem Material und bis zu armdicken Ästen, Grassoden, Zweigen, Reisig und grobem Häckselgut.

Diese Schicht wirkt wie eine Drainage und verrottet sehr langsam. Anschliessend folgt eine Schicht aus Stroh, Laub, Mist, Grobkompost, Beinwell und Brennnesseln. Den Abschluss bildet eine Lage aus gut vermischter Muttererde und Feinkompost. Nach dem Befüllen giessen wir das Beet mehrmals gut an. Falls sich das Material bis zum Bepflanzen etwas setzt, kann etwas Kompost zugegeben werden. Grundsätzlich kann man ein Hochbeet sofort nach dem Befüllen bepflanzen.

Urbanes Gärtnern ist in Mode gekommen, worüber ich mich sehr freue. Damit im Zusammenhang sehe ich mobile Container-Hochbeete, befüllte Einkaufswagen, ausrangierte Weinkisten oder bepflanzte Autoreifen – die Fantasie scheint keine Grenzen zu kennen. Da die befüllten Hochbeete sehr viele Nährstoffe enthalten, wächst fast alles, und auch der Gartenanfänger kann wahre Glücksmomente erleben.

Ein Männlein steht …

Im Walde begegnet man jetzt öfter Pilzsammlern. Die Pilzsaison richtet sich indes nicht nach dem Kalender, vielmehr müssen verschiedene Faktoren wie Feuchtigkeit, Temperatur und Bodenbeschaffenheit stimmen. Es ist wichtig, nur Pilze zu sammeln, die man mit Sicherheit bestimmen kann. Das Sammelgut sollte unbedingt von einem anerkannten Pilzkontrolleur geprüft werden. An vielen Orten werden Pilzführungen und Kurse angeboten, was sehr zu empfehlen ist. Interessant und lehrreich ist auch ein gemeinsamer Streifzug mit einem erfahrenen Pilzsammler.

Pilze sollten immer frisch am Tag der Ernte gegessen werden. Damit die Aromastoffe erhalten bleiben, nur kurz unter fliessendem Wasser abbrausen. Pilze sollten übrigens nicht gekocht, sondern kurz gedünstet, gebraten, gebacken oder gegrillt werden. En Guete!

Der Autor
Remo Vetter wurde 1956 in Basel geboren. 1982 stellte ihn der Heilpflanzenpionier Alfred Vogel ein. Seither ist Vetter im Gesundheitszentrum in Teufen (AR) tätig, wo er mithilfe seiner Familie den Schaukräutergarten von A. Vogel hegt.



Fotos: Naturbildportal.de/Andreas Held, fotolia.com

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