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Leben erwacht

Kategorie: Garten
 Ausgabe 03 - 2012 - 01.03.2012

Text:  Remo Vetter

Saatkalender sind gute Hilfen, doch Gartenarbeit verlangt oft auch Spontaneität. Je nach Witterungsverhältnissen kann jetzt schon im Freiland angepflanzt werden.

Als Gärtner ist man immer wieder einmal spontan gefordert. Das kommt meinem Wesen zugute, denn ich halte mich nur ungern an Vorgaben und Saatkalender. Seit Jahren arbeite ich nach dem Lustprinzip – so geht vieles schneller von der Hand. Ich bin dann im Fluss, die Energie fliesst. Mit den ersten Frühlingsblumen, die manchmal mutig ihre Blüten öffnen, und dem launischen Wetter, das abrupt zwischen wärmenden Sonnenstrahlen und eisiger Kälte wechselt, kündigt sich ein neues Gartenjahr an. Jetzt treiben Thymian, Salbei und andere Kräuter im Gewächshaus oder auf dem Fensterbrett Kräuter aus Samen selbst gezogener Pflanzen schon kräftig aus.

Kräuterdüfte einfangen

In milden Gegenden steht der Rosmarin bereits in voller Blüte. Minze und Schnittlauch spriessen, und man kann endlich wieder frische Blatt-, Wildsalate und Gemüsegerichte zubereiten und sie grosszügig mit grünen Kräutern wie Kerbel, Schnittlauch und Petersilie bestreuen. Wie habe ich diese frischen Zugaben den Winter hindurch vermisst. Einjährige Kräuter, die nicht unter Glas vorgezogen wurden, lassen sich erst etwas später ernten, sodass auch ich im Winter hin und wieder frische Kräuter im Supermarkt kaufe. Natürlich versuche ich mich einzuschränken und nutze nach Möglichkeit den Winter hindurch selbst getrocknete Kräuter.

Arbeiten im März
● Wenn der Winter vorbei ist, können Aussaat und Pflanzung im Freien beginnen. Dabei gilt es zu beachten, dass mit dem Herrichten der Saat- und Pflanzbeete erst begonnen werden sollte, wenn die Märzsonne den Boden gut erwärmt hat. Geduldiges Zuwarten lohnt sich in jedem Fall.
● Zur Düngung und Bodenverbesserung brauchen wir neben dem Kompost etwas Gesteinsmehl und Algenkalk, beides in geringen Mengen und vor allem, wenn der Boden eher sauer ist.
● Kartoffeln, Zwiebeln, Schalotten, Topinambur und Rhabarber dürfen jetzt in die Erde. Saaten, die bei niedrigen Temperaturen bereits keimen, sind dicke Bohnen, Brokkoli, Kohl, Lauch, Pastinaken, Erbsen und Spinat. Empfindliches Gemüse wie Auberginen, Paprika, Tomaten, Gurken und Kürbis werden im Haus oder im beheizten Treibhaus gesät. So hat es genügend Zeit, um sich zu entwickeln, bis es draussen wärmer wird.
● Salate säen wir unter Dach und im Freiland – bei Bedarf mit Schutz, was aber zeitaufwendig ist, da wir den Frühbeet-Tunnel täglich lüften und bei Bedarf wässern müssen.
● Jetzt ist die letzte Gelegenheit, junge, wurzelnackte Apfel- und Birnbäume, Heidelbeeren, Himbeeren, Brombeeren, Stachelbeeren und Johannisbeeren zu pflanzen. Ab April wachsen und fruchten nur noch Jungpflanzen, die in Containern gekauft wurden. Zugekaufte Erdbeerjungpflanzen einige Tage draussen ab härten und in der zweiten Märzhälfte pflanzen. Sie tragen bereits im ersten Jahr Früchte. Mit etwas Glück und nach einigen Sonnentagen kann im März bereits der erste unter der Glocke getriebene Rhabarber geerntet werden.
● Gegen Ende des Monats werden Kräuter wie Schnittlauch, Koriander, Fenchel, Oregano und Petersilie gesät. Sie vertragen zwar kühle Temperaturen, müssen aber dennoch mit Vlies vor Nachtfrösten geschützt werden. Pflanzen wie Minze oder Thymian, die wir in der Gärtnerei gekauft haben, können wir jetzt auspflanzen. Heikel sind jedoch südländische Kräuter wie Rosmarin, Afrikanisches Eisenkraut oder Süsskraut. Diese Pflanzen vertragen keine Fröste; sie sind uns im März schon mehrfach eingegangen, wenn wir sie wider besseres Wissen zu früh ausgepflanzt haben. Mehr jährige Kräuter wie Rosmarin, Salbei und Thymian werden jetzt zurückgeschnitten. Schnittlauch und Minze ausgraben und Wurzelteilung machen.
● Im März entfernen wir das Unkraut, das sich im Winter ausgebreitet hat, bringen Kompost und Dünger aus und hacken die Beete öfters mit dem Kräuel durch, damit sich die Kapillaren öffnen, der Boden atmen kann und kein neues Unkraut gedeiht. Der März ist für mich die Zeit des neuen «In-Beziehung-Tretens» und des «Wiedervertraut-Machens» mit dem Boden.
● Grundsätzlich rate ich, bis zur zweiten Monatshälfte mit Aussaaten und Pflanzungen abzuwarten und in Höhenlagen lieber noch länger zuzuwarten.

Wenn im Garten eine bestimmte Kräuterart im Überfluss wächst, sollte man versuchen, einen Teil davon einzufrieren oder vielleicht scharf gewürzte Fruchtgelees kochen, die grössere Mengen eines Krautes benötigen. Eine weitere Möglichkeit sind Kräuterpasten, die einige Zeit haltbar sind, wenn man sie mit Öl bedeckt im Kühlschrank oder im Keller aufbewahrt. Oft verwenden wir frische Kräuter auch zum Aromatisieren von Essig und Öl, was gleichzeitig eine ausgezeichnete Methode ist, um den Duft und das Aroma der Kräuter zu erhalten. Selbst einfache Pflanzenöle gewinnen an Geschmack, wenn man sie mit einer Handvoll Salbei, Basilikum oder Thymian ansetzt. Kräuteressig ist ebenfalls nützlich, eine gute Grundlage dafür ist Wein- oder Apfelessig. Als Kräuter eignen sich vor allem Estragon und Rosmarin.

Wer wirklich kreativ sein will, kann sein Glück mit Kräutermischungen versuchen und Knoblauch, Pfefferkörner, Chilis, ungespritzte Zitronenschale und andere Aromazutaten hinzufügen und den Essig zum Verfeinern von Salaten und anderen Speisen verwenden. Das Herstellen von Kräuteressig und Öl ist sehr einfach: Man gibt eine Handvoll frische Kräuter in eine saubere Flasche, giesst Essig oder Öl dazu und verschliesst die Flasche mit einem Korken. Während zwei bis drei Wochen sollten die Flaschen täglich kräftig durchgeschüttelt werden. Anschliessend können die aromatisierten Öle oder der Essige verwendet werden. Bei grösseren Mengen empfiehlt es sich, die Flüssigkeiten durch ein Sieb abzugiessen und in saubere Flaschen abzufüllen – dunkel und kühl aufbewahren.

Kräuterpasten lassen sich einfach im Mixer zubereiten oder noch schöner von Hand mit Mörser und Stössel. Dazu werden gehackte frische Kräuter püriert oder zerrieben und mit Öl zu einer dicken Paste verrührt. Die Kräuterpaste in kleine Gläser füllen und vollständig mit Öl bedecken. Die Gläser verschliessen und im Kühlschrank oder im Keller aufbewahren. Solche Pasten eignen sich hervorragend zum Verfeinern von Dressings, Saucen und Suppen. Man kann die Pasten mit Salz, Pfeffer und Zitronensaft würzen oder aber so belassen, wie sie sind.

Der Autor
Remo Vetter wurde 1956 in Basel geboren. 1982 stellte ihn der Heilpflanzenpionier Alfred Vogel ein. Seither ist Vetter im Gesundheitszentrum in Teufen (AR) tätig, wo er mithilfe seiner Familie den Schaukräutergarten von A. Vogel hegt.


Fotos: fotolia.com

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