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Paradiesapfel

Kategorie: Garten
 Ausgabe 03 - 2012 - 01.03.2012

Text:  Gundula Madeleine Tegtmeyer

Die exotische, pralle rote Frucht gewinnt in unseren Breiten zunehmend kulinarische Liebhaber. Doch auch die Wissenschaft beschäftigt sich intensiv mit dem Granatapfel – was ist dran, am potenziellen Lebenselixier?

Aussen eins, innen tausendundeins – was ist das ?» fragt ein altes türkisches Rätsel. Die Antwort führt zu einer der ältesten Kulturpflanzen der Menschheit, dem Granatapfel. Seine grosse Symbolkraft steht für Leben und Fruchtbarkeit. Der Granatapfelbaum ist in die Schöpfungsgeschichte eingegangen und begegnet uns an vielen weiteren Bibelstellen als Sinnbild für die Lebensfülle der Natur. Im christlichen Abendland steht er daher für die Schöpfung in Gottes Hand und für die Gemeinschaft der Gläubigen. Im Orient gilt er nicht nur als Symbol der Sinnlichkeit, er steht auch für die Unsterblichkeit. Die alten Ägypter bestatteten ihre Toten mit Granatäpfeln.

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Großer Granatapfel-Produkttest und Gesundheitsratgeber

Der Exot unter den Früchten trägt viele Namen. Apfel der Aphrodite nennen ihn die Griechen. Für die Menschen im Orient ist er die Frucht des Paradieses. In Europa heisst er schlicht Granatapfel. Über seine ursprüngliche Heimat gibt es unterschiedliche Vermutungen. Einige Quellen nennen die Himalayagebiete und Persien, andere vermuten seine Urheimat hingegen in den Vorläuferreichen Babylons an Euphrat und Tigris, dem heutigen Irak.

Der Radikalfänger

Alterungsprozesse, Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind unter anderem eine Folge von oxidativem Stress, verursacht durch aggressive freie Radikale. Oder anders ausgedrückt: Nicht nur Eisen oxidiert und rostet, auch unsere menschlichen Zellen. Antioxidantien können krebserregende Substanzen vernichten. Zu den Gemüsesorten, die überdurchschnittlich viele Antioxidantien enthalten, gehören Avocados, Brokkolis und Kohl sowie Karotten, Süsskartoffeln und Knoblauch. Zu den Obstsorten, die randvoll mit Radikalfängern sein sollen, zählt man Trauben, Him- und Heidelbeeren, die Schwarze Johannisbeere, Kirschen. Auch Grapefruit, Birnen, Zitronen, Orangen, Feigen und Tomaten sollten regelmässig gegessen werden.

Doch der absolute Spitzenreiter unter den Radikalfängern soll der Granatapfel sein. Seine antioxidativen Schutzstoffe, die sogenannten Polyphenole (Flavonoide und Tannine), geben ihm auch sein herbes Aroma. Laut dem deutschen Verband für ganzheitliche Gesundheitsberatung haben sich Granatapfel-Polyphenole in einer Reihe von klinischen Studien als potenter «Rostschutz» für die Zellen erwiesen, da sie auf direktem und indirektem Weg den oxidativen Zellschäden entgegenwirken. So sollen Granatapfel-Polyphenole Wirkung zeigen gegen Arteriosklerose, Arthritis, Zellalterung sowie Demenz und bei Krebs.

Der deutsche Verband beauftragte die Universität Hohenheim, einen Granatapfel-Produkttest durchzuführen. Im Rahmen der Qualitätstestreihen zeigte sich, dass die typischen Granatapfel-Polyphenole – wie so oft in der Presse kolportiert wird – Frauen bei Wechseljahrbeschwerden nicht helfen. Auch drosselt die Untersuchung die hohen Erwartungen hinsichtlich seiner gesundheitsfördernden Wirkung bei Prostatakrebs-Patienten, für die der PSA-Wert ein wichtiger Marker ist. Es gilt: Je langsamer der PSA-Wert nach einer Therapie ansteigt, desto länger ist normalerweise die Lebenserwartung des  Patienten. Immer wieder liest man, dass bei regelmässiger Granatapfeleinnahme, messbare Erfolge hinsichtlich der Stabilität des PSA-Wertes mitunter sogar Senkungen zu verbuchen seien. Die Forschungen der Uni Hohenheim kamen indes zu anderen Ergebnissen. Demnach überwiegt beim Granatapfel in der Therapie die antiöstrogene Wirkung, die wünschenswert zur Vorbeugung von Prostata- und Brustkrebs ist.

Grosse, individuelle Unterschiede

An dieser Stelle muss darauf hingewiesen werden, dass es sich bei den Studien um die gesundheitliche Wirkung des Granatapfels bislang überwiegend um sogenannte präklinische Studien handelt. Diese pharmakologisch-biochemischen Versuchsreihen werden an Tieren, Bakterien, Zellkulturen und in Reagenzgläsern durchgeführt. Später an Menschen durchgeführte Studien zeigen hoffnungsvolle Ansätze und Wirkungen. In diesem Zusammenhang weist der Verband für ganzheitliche Gesundheitsberatung darauf hin, dass sich an Menschen sehr grosse individuelle Unterschiede unter den Probanden gezeigt haben. Demnach kann nicht jeder Mensch gleichermassen von den gesundheitsfördernden Wirkungen des Granatapfels profitieren.

Und dies aus folgendem Grund: Der gesundheitliche Nutzen hängt mit der individuellen Beschaffenheit der Dickdarmflora zusammen, die massgeblich verantwortlich dafür ist, wie viele Wirkstoffe im Darm fermentativ freigesetzt und ins Blut aufgenommen werden können. «Die Vorstellung, der Granatapfel mache gesund – da sind Sie im Bereich der Magie», platzt es aus Udo Pollmer, wissenschaftlicher Leiter des Europäischen Instituts für Lebensmittel-und Ernährungswissenschaften, heraus. Der streitbare Ernährungsexperte macht noch auf einen weiteren wichtigen Aspekt aufmerksam. Er warnt vor möglichen Wechselwirkungen mit Medikamenten, ähnlich wie es auch von der Grapefruit bekannt ist. «Patienten sollten in jedem Falle ihren Arzt konsultieren, bevor sie mit der Einnahme von Granatapfel-Produkten beginnen», sagt Pollmer.

Fotos: fotolia.com, vario image

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