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Im Herz Graubündens

Kategorie: Natur
 Ausgabe 03 - 2012 - 01.03.2012

Text:  Heinz Staffelbach, Bearbeitung: Tertia Hager

Auf alten Säumerpfaden, vorbei an steilen Gräben und entlang eines kleinen Bergseeleins führt eine Wanderung von Vals nach Andeer.

Der Autor Heinz Staffelbach machte sich auf die Suche nach den schönsten Mehrtageswanderungen in der Schweiz. Besonders attraktiv und abwechslungsreich ist die sechstägige Thermalbadtour in Graubünden – sie führt von Hinterrhein am San Bernardino über Vals, ins Safiental bis nach Davos. Eine vielseitige Route, die über vier Pässe geht, aber auch Etappen mit minimalen Aufstiegen bietet. Genächtigt wird sowohl in einsam gelegenen Berghäusern, historischen Bijous und komfortablen 3-Stern-Hotels. Und als ganz besonderes Highlight kann man die müden Knochen an drei der fünf Etappenorten nach der Wanderung im Thermalbad lockern. Eine Sommer-Wanderung quer durch das Herz Graubündens. Da der Beschrieb der ganzen Route den Platzrahmen im Heft sprengen würde, stellen wir an dieser Stelle die zweite und dritte Etappe von Vals in rund 5 1/2 Stunden ins Safiental und am Folgetag in rund 7 1/2 Stunden nach Andeer vor.

Gesamte Thermalbadtour im Überblick
Hinterrhein | Vals (Therme) | Safiental | Andeer (Aquandeer) | Obermutten | Alvaneu (Bad) | Davos Monstein
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Von Tal zu Tal

Der erste Wandertag beginnt in Vals mit einem ziemlich steilen Aufstieg zur Alp Tomül und dann weiter über den Tomülpass. Diese Verbindung ins Safiental wurde wahrscheinlich schon zur Eisenzeit benutzt, erlangte aber nie eine echte wirtschaftliche Bedeutung. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Übergang zum Saumweg ausgebaut. Zum Glück war diese Arbeit für die Katz, dafür schätzen heute umso mehr Mountainbiker den ausgebauten "Wander"-Pass. Auf dem höchsten Punkt, auf 2412 Metern, das sind immerhin 1200 Meter über Vals, eröffnet sich ein toller Ausblick in die zernagten und verfurchten Felswände des Bruschghorns, der Pizzas d’Anarosa und das Alperschällihorns. Locker und flott geht es auf dem breiten Weg Richtung Turrahus, dem Etappenziel des heutigen Tages, weiter. Das Berggasthaus Turrahus ist ein alleinstehendes, renoviertes rund 300-jähriges Walserhaus. Es steht ganz am Ende der Postautolinie im Safiental. Badefreunde können übrigens schon hier ein Bad geniessen. Auf Vorbestellung heizen die Wirte den Hot Pot – eine grosse holzbefeuerte Rundwanne – ein.

Früh aufstehen ist am zweiten Tag ein Muss – denn das Ziel Andeer liegt 20 Kilometer entfernt und im Höllgraben müssen einige luftige Stellen gemeistert werden. Gestartet wird mit einer halbstündigen Aufwärm-Wanderstrecke dem Talboden entlang. Doch dann geht es unvermittelt und recht steil links hoch Richtung Farcletta digl Lai Grand (2659 m), zuerst noch durch Wiesen und Weiden, dann durch einige steile Runsen und Gräben, einer davon ist der Höllgraben. Bei trockenem Wetter ist hier aber nichts Teuflisches zu befürchten ausser einigen luftigen Tiefblicken die Gräben hinab; bei nassem Boden ist jedoch durchaus Vorsicht angezeigt. Nach etwa 750 Meter Aufstieg erreicht man ein kleines Seelein, an dem man links abbiegt und Richtung Farcletta wandert. Wer die Wanderung um rund eine Stunde abkürzen möchte, und damit auch einen weniger steilen Abstieg wählt, wandert kurz nach dem Seelein in Richtung Wergenstein (siehe Box).

Steinböcke in Sicht

Seit dem Start in Turrahus ist man auf der Via Capricorn unterwegs, dem Steinbockweg. Das ist ein neuer Rundweg um den knapp 3000 Meter hohen Piz Beverin, einen der beliebtesten Aussichtsberge in der Region. Offizieller Start des Rundwegs ist in Wergenstein, übernachten kann man im Berggasthaus Beverin und im Turrahus. Die Berglandschaft ist für sich bereits Grund und Lohn genug für diese Tour; die Hauptattraktion sind aber die Steinböcke. Es lohnt sich also, einen Feldstecher dabeizuhaben. Im Jahr 1954 wurde hier im Rahmen der gross angelegten Wiederansiedlung des Bündner Wappentiers eine Kolonie gegründet. Heute leben etwa 380 Tiere im Gebiet zwischen Piz Beverin und Alperschällihorn. In den Schweizer Alpen existieren heute, nachdem 1809 das letzte Tier im Wallis geschossen wurde, wieder etwa 15 000 Tiere.



Nach etwa 7 1/2 Stunden Marsch wartet in Andeer das Thermalbad auf die steifen Muskeln und strapazierten Gelenke. Das kleine, familiäre Thermalbad Aquandeer hat nicht die architektonische Ausstrahlung einer Therme Vals, aber das macht nach diesen zwei Tagen keinen grossen Unterschied; liegt man erst einmal im warmen Wasser und hat die Augen geschlossen, so spürt man ohnehin nur noch die wohlige sprudelnde Wärme, die den Körper umfliesst.

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Von Thermalbad zu Thermalbad
Anreise / Rückreise
Mit der Bahn über Chur bis nach Illanz. Von dort weiter mit dem Postauto nach Vals. Zurück von Andeer mit dem Postauto bis Thusis und dann weiter mit der Rhätischen Bahn nach Chur.
• Wanderzeit
1. Tag: 5½ Stunden, 1160 m, Aufstieg, 720 m Abstieg
2. Tag: 7½ Stunden, 970 m Aufstieg, 1680 m Abstieg
• Schwierigkeitsgrad
T2–T3: teilweise steil, exponierte Stellen mit Absturzgefahr, ausgesetzte Stellen sind mit Seilen oder Ketten gesichert, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit.
• Route
1. Tag: von Vals anfänglich recht steil hinauf zur Alp Tomül und, meistens auf einem Saumweg, über den Tomülpass. Dann hinab zum Turrahus im Safiental.
2. Tag: vom Turrahus südlich bis etwa 1 Kilometer nach dem Ausgleichsbecken, dann links, östlich, hoch und durch den Höllgraben bis zum Seelein. Nun links, nordöstlich, auf die Farcletta digl Lai Grand. Um die Route abzukürzen, geht man etwa 2 Kilometer nach dem Lai Grand links und zweigt dann via Danis und Dumagns nach Vargistagn (Wergenstein) ab. Von dort mit dem Postauto nach Andeer. Ansonsten führt die Route via Nera nach Promischur auf mehreren verschiedenen Wegen hinab nach Andeer.
• Übernachten
Vals: Hotel Alpina, Tel. 081 920 70 40, www.hotel-alpinavals.ch; Gasthaus Edelweiss, Tel. 081 935 11 33, www.edelweiss-vals.ch; Hotel Rovanada, Tel. 081 935 13 03, www.rovanada.ch
Safiental: Turrahus, Thalkirch, Safien, Tel. 081 647 12 03. www.turrahus.ch. Geöffnet von Anfang Juni bis Ende Oktober, Gasthaus Rathaus, Safien, Tel. 081 647 11 06, www.gasthaus-rathaus-safien.ch
Andeer: Hotel Fravi, 3-Sterne-Haus mit direktem Zugang zum Bad Aquandeer, Tel. 081 660 01 01, www.fravi-hotel.ch. Hotel Weisses Kreuz, Tel. 081 661 15 22, www.hotel-weisseskreuz.ch
Baden
Vals: Therme Vals, verschiedene Innen- und Aussenbäder, zwischen 32 und 42 Grad, Eisbad, Schwitz- und Dampfstein, grosses Therapie- und Schönheitsangebot inklusive Thalasso und diverser Massagen, Tel. 081 926 89 61, www.therme-vals.ch
Andeer: Aquandeer, Mineralheilbad mit Innenbecken, Aussenbecken mit Sprudelliegen, Nackendusche und Whirlpool (beide 34 Grad), finnische Sauna, Bio-Sauna, Dampfbad, Massagen, Fussreflexzonenmassagen, La-Stone-Therapie, verschiedene physikalische Therapien, Tel. 081 661 18 78, www.mineralbadandeer.ch
• Karte
Landeskarte 1:50 000, 257 Safiental
• Weitere Informationen
Viamala Ferien, Tel. 081 650 90 30, www.viamala.ch, Tourismusbüro Vals, Tel. 081 920 70 70, www.vals.ch, Safiental Tourismus, Tel. 081 630 60 16, www.safiental.ch

Fotos:  www.swiss-image.ch/Marcus Gyger, at-verlag.ch

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