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Fix und fertig!

Kategorie: Garten
 Ausgabe 02 - 2012 - 01.02.2012

Text:  Martin Arnold

Fertig- und Halbfertigprodukte bestimmen unseren Speisezettel immer mehr. Auch Bioproduzenten profitieren vom Convenience-Boom. Besonders gesund ist diese Lebensweise aber nicht.

Der Online-Dictionnaire Leo übersetzt «convenience» unter anderem mit «Verbraucherfreundlichkeit». Doch das ist höchstens die halbe Wahrheit. Convenience-Food ist vor allem industriefreundlich. Schon in einer einfachen Marmelade, die vollmundig nach «Grossmutters Rezept» und mit «verfeinerter Rezeptur» verkauft wird, stecken künstliche Farbstoffe, Fructose und unter Umständen Aromastoffe drin. Je komplexer ein solches Fertigprodukt ist, desto grösser die Liste der beigefügten Zutaten. Oft in Kleinstschrift gedruckt, verwirren die Angaben über die Zutaten die Konsumenten eher, als dass sie sie informieren. 

Convenience ist beliebt

Der Markt für Convenience-Produkte wächst, erreicht in der Schweiz bald die zwei-Milliarden-Grenze und ist damit grösser als die Schokoladenwirtschaft. Urs Reinhard ist Geschäftsführer der Swiss Convenience-Food Association, einem Zusammenschluss von 22 Unternehmen, die Fertignahrung herstellen. Convenience-Food sei vor allem praktisch, sagt Reinhard. «Der Produzent nimmt den Käufern die Arbeit ab. Er bereitet ein Gericht ganz oder teilweise vor. Das spart Zeit.» Das findet Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS), zwar grundsätzlich sinnvoll. Doch sie sagt auch: «Die komplizierter verarbeiteten Gerichte müssen entsprechend beschriftet werden. Die kleine Inhaltsbeschriftung steht in keinem Verhältnis zur Werbeschrift. Viele Produkte sind nicht klar deklariert.»

Viele Zusatzstoffe

Die Schweiz kennt wie die EU eine Deklarationspflicht für rund 400 Zusatzstoffe, die oft nur als E-Nummern aufgeführt werden. Deshalb lohnt es sich, die einzelnen Gruppen, und die Probleme, die sie mit sich bringen, anzuschauen. Dazu zählen Geschmacksverstärker, Farbstoffe, Fette, Zucker, Aromastoffe und Salze. Bei den Geschmacksverstärkern gibt es den Trend, Glutamate durch Hefeextrakte als Geschmacksverstärker abzulösen. Doch Hefeextrakte enthalten ebenfalls Glutamat. Nur klingt Hefeextrakt in den Ohren kritischer Konsumenten besser als Glutamat. Studien belegen, dass Glutamate nicht nur den Appetit stärken, sondern bei grossem Konsum das Sättigungsgefühl auch blockieren können. Auch die künstlichen Farbstoffe stehen seit Langem stark in der Kritik, sodass die Farbstoffe Tartrazin, Gelborange, Azorubin, Cochenillerot und Allurarot sowie Chinolingelb mittlerweile mit dem Warnhinweis «kann Aktivität und Aufmerksamkeit bei Kindern beeinträchtigen» versehen werden müssen.

Beim Zusatzstoff Fructose verhält es sich ähnlich wie beim Hefeextrakt. Fructose verschleiert, dass dahinter Zucker steckt. Doch immer mehr Menschen entwickeln eine Unverträglichkeit gegen Fructose und reagieren darauf mit Stoffwechselstörungen. Auch Aromastoffe sind beliebt bei der Convenience-Food-Produktion. Nur wenige wissen, dass viele davon aus Schimmelpilzen gewonnen werden. Wer gegen Schimmelpilze allergisch reagiert, verträgt auch eine Vielzahl von Aromastoffen nicht. Hinzu kommen Fette, die heute meist aus Palmöl stammen und für die Zerstörung der Urwälder mitverantwortlich sind. Und der ohnehin schon hohe Salzkonsum von Herrn und Frau Schweizer wird durch Conveniance-Food nochmals grösser.

 Konserven fürs Schlachtfeld
Wie viele andere Erfindungen kommt auch das Haltbarmachen und Vorverarbeiten von Nahrungsmitteln zumindest teilweise aus der Kriegsindustrie. Napoleon Bonaparte wusste um die militärische Bedeutung einer solchen Entdeckung und setzte für die Erfindung einen hohen Geldpreis aus. Diesen Preis holte sich der Pariser Konditormeister und Tüftler Nicolas Appert. Er entwickelte im Jahr 1808 ein Verfahren, das heute jede Hausfrau und jeder Hausmann kennt: Die Konservierung von Gemüse und Früchten durch Erhitzen und anschliessendes luftdichtes Abschliessen. Die Militärs sahen darin einen taktischen Kriegsvorteil, denn nun war es möglich, bei Feldzügen auf Ochsenherden als Nahrungsreserven zu verzichten, um im Feindesland zu überleben. Schon bald trat die Konserve einen Siegeszug um die Welt an. In der Schweiz gelangte damit vor allem Hero zu Bekanntheit. 

Bio-Convenience – kein Widerspruch

Dass Fertigprodukte beim Konsumenten gut ankommen, haben auch Bioproduzenten erkannt. Längst gibt es biologische Fertiggerichte. Ein Widerspruch? «Nein», sagt Stephan Jaun von Bio Suisse. «Wir produzieren naturnah, ohne chemisch-synthetische Pestizide, sozial verträglich und tierfreundlich. Das können wir auch mit Bio-Convenience erfüllen.» Jaun hält fest: «Natürlich ist es uns wichtig, dass die Menschen unsere Produkte auch unverarbeitet kennen. Ein frisches Biorüebli vom Markt etwa bringt die Konsumenten einen Schritt hin zur Natur.» Fertigpizzas, Pommes-Chips, Kartoffelgratin und Tiefkühlmalzeiten mit dem Knospe-Zeichen führen Jaun aber zur Aussage: «Wir können uns diesem Trend nicht verschliessen.»

Doch Bio-Convenience unterscheidet sich von herkömmlichen Produkten. Die Knospe lässt keine unnötigen Verarbeitungsschritte zu, damit die Qualität der Rohstoffe auch im verarbeiteten Produkt erhalten bleibt. Zum Beispiel wird Knospe-Salatöl nur kalt gepresst und behält dadurch den originalen Geschmack. Weil möglichst die ursprünglichen Aromen und Farben der Rohstoffe erhalten bleiben sollen, verzichten Knospe-Convenience-Hersteller auch auf Farb- und Aromastoffe. Die Verwendung von Zusatz- und Verarbeitungshilfsstoffen ist in den Knospe-Richtlinien nur dann zugelassen, wenn der Einsatz dieser Stoffe technologisch unabdingbar ist. Werden solche Stoffe eingesetzt, müssen sie natürlichen Ursprungs sein.

Die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung (Nutrinfo), die zu ihren Unterstützern auch die Convenience-Food verkaufenden Grossverteiler zählt, rät nicht generell von Fertiggerichten ab. «Es gab in den letzten Jahren qualitative Verbesserungen. Das bewerten wir als positiv. Wir empfehlen aber einen bewussten Umgang mit diesen Nahrungsmitteln», erklärt Steffi Schlüchter, Leiterin von Nutrinfo. 

Fotos: fotolia.com, Oote Boe/Okapia, Vario Images

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