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Die Weisheit des Winters

Kategorie: Garten
 Ausgabe 12 - 2011 - 01.12.2011

Text:  Susanne Fischer-Rizzi

Sobald der erste Schnee fällt, beginnt eine andere Zeit. Die Heilpraktikerin und Buchautorin Susanne Fischer-Rizzi sinniert über Schnee, Kälte, alte Rituale und wie wichtig die Winterruhe für die Natur und uns Menschen ist.

Der Winter mit seiner «Weissheit» inspiriert zur Einfachheit, zur Essenz. Besonders der erste Einbruch des Winters leitet meine Gedanken hin zur Einfachheit, zur Besinnung. Nachdem ich das Jahr mit seinen Höhen und Tiefen bis jetzt durchlebt und sinnlich erlebt habe, bin ich nun an einem Punkt im Jahr angelangt, wo ich mir Zeit nehmen kann, so wie es die Natur selbst auch tut. Sie ist in einen Winterschlaf gefallen, in dem sie scheinbar das Geschehene und Zukünftige überdenkt. Sie steht an einem Wendepunkt.

Kann ich diese naturgegebene, ruhige Zeit nützen und wenigstens zeitweise der Hektik entfliehen und mich besinnen? Bin ich konsequent genug, zwischen Einkäufen, Jahresabschlussfeiern und allen möglichen Planungen meiner Seele einen Winterschlaf zu gönnen und mich aus dem Trubel des Alltags auszuklinken, um eine Auszeit zu geniessen und sinnvoll zu nutzen? Schaffe ich es, mein Tempo zu verlangsamen, mir nichts vorzunehmen, mich zu entschleunigen?

Wenn die Sonne stillsteht

Nicht nur die Natur ruht in einem Schlaf in dieser Zeit, sondern auch die Sonne selbst scheint in einen Dämmerschlaf zu fallen. Sie hat ihren tiefsten Punkt im Jahreslauf am Himmel erreicht. Ihr Licht fällt nur noch in einem flachen Winkel auf die Erde, sie wärmt nicht mehr. Wenn wir jetzt den Himmel tagsüber beobachten, werden wir feststellen, dass sich in der Zeit vom 24. Dezember bis zum 6. Januar keine Veränderung des Sonnenlaufes am Horizont wahrnehmen lässt. Diese Zeit wird als Solstitium bezeichnet, das heisst «die Sonne, die stillsteht». So wird auch die Zeit der Sommersonnwende um den 21. Juni benannt. An diesen beiden Wendepunkten im Jahreskreis ist es, als hielten die Sonne und die ganze Natur ihren Atem an. Zur Wintersonnwende atmet die Natur noch einmal in aller Ruhe tief ein und versinkt in einen Winterschlaf, um dann wieder mit dem Ausatmen zu beginnen, was allen ihren Geschöpfen neues Leben schenkt.

Dies ist eine eindringliche Inspiration, auch einmal tief einzuatmen, sich Zeit zu nehmen, sich seelisch zu nähren, bevor im kommenden Jahr die Energie wieder ins Aussen fliesst. Es ist eine gute Zeit, um die eigenen Kraftquellen wieder aufzuladen. 

Heilig und geheimnisvoll 

Für unsere keltisch-germanischen Vorfahren galt die Zeit der Wintersonnwende und die Zeit danach bis zum 6. Januar als besonders heilig und geheimnisvoll. Inmitten der tiefsten Dunkelheit, wenn die Sonne kaum mehr Licht schenkt und das Leben erstarrt ist, wird zur Zeit der Wintersonnwende das Leben neu geboren. Ab dem 21. Dezember, der Wintersonnwende, wendet sich das Blatt. Langsam werden die Tage länger, die Nächte kürzer. In der Tiefe der Nacht, im Dunkel, wird das Licht, das Lebenskind, geboren. Ein Geschehen in der Natur, eine besondere Stimmung, ein Mysterium des Lebens, das bereits nachweislich in der Megalithkultur mit Feiern begangen wurde. Noch heute spüren wir diese und in Form von verschiedenen Festen wie Weihnachten feiern wir sie. Dieses geheimnisvolle Wunder der Wiedergeburt, das wir in der Begegnung mit der Natur erfahren, ist eines der Geschenke des weisen Winters an uns. Damals wie heute feiern wir dieses mit lichtvollen Festen, wie mit den Kerzen am Weihnachtsbaum.

Es war für unsere Vorfahren der ruhige Teil des Jahres – denn wenn sich das Sonnenrad nicht mehr dreht, soll auch das Leben der Menschen ruhen. Man arbeitete nicht, blieb zu Hause oder besuchte Freunde. Es war eine weihevolle Festzeit, ein Feierabend der Natur, eine Gelegenheit, ins eigene Innere zu schauen, Träumen nachzugehen, zu orakeln, was das neue Jahr wohl bringen wird.

In dieser heiligen Zeit wurden besonders die Kontakte zu Verwandten und Freunden gepflegt. Wir könnten uns auch heute davon inspirieren lassen, unsere Freundschaftsbande zu pflegen und zu stärken, denn die Zeiten des bevorstehenden Wandels sind, verbunden mit Freunden, besser zu meistern. 

Die Autorin
Susanne Fischer-Rizzi ist Heilpraktikerin und veranstaltet seit rund 30 Jahren Seminare und hält Vorträge über Heilpflanzenkunde und Aromatherapie. Sie ist Autorin zahlreicher Bücher im AT-Verlag und lebt im Allgäu. www.at-verlag.ch


Fotos: fotolia.com, zvg

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Kategorie: Garten, Natur

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