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Ein Hauch von Weihnachten

Kategorie: Garten
 Ausgabe 12 - 2011 - 01.12.2011

Text:  Vera Sohmer

Sie wärmen die Seele und betören die Sinne: Wintergewürze faszinieren mit geheimnisvollen Aromen und zaubern Exotik in die Weihnachtszeit.

Manchmal sind es die kleinen Dinge, die das Herz erfreuen: Durchgefroren nach Hause kommen und sich einen Gewürztee aufbrühen. Sich dann in die Kissen kuscheln, die Tasse mit beiden Händen umklammern und den Tee sehr heiss trinken. Im Nu hat sich die Wärme bis in die Zehenspitzen ausgebreitet. Und dass bei jedem Schluck ein wenig Vorweihnachtsfreude mitschwingt, ist nahe liegend. Der Tee enthält neben einer Spur schwarzen Pfeffers ein paar traditionelle Weihnachtsgewürze: Zimt, Kardamom, Ingwer und Nelken. Ins klassische Sortiment gehören darüber hinaus Anis, Sternanis, Vanille und Muskat. Nachfolgend ein Steckbrief zu jedem dieser Gewürze.

Zimt: Zimt ist eines der wichtigsten Weihnachtsgewürze. Und eines der ältesten Gewürze der Welt. Gewonnen wird es aus der inneren Rinde von Zimtbäumen, die zu den Lorbeergewächsen gehören. Der teurere Ceylon-Zimt stammt nach Angaben der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung, SGE, aus Sri Lanka, Südindien und Südamerika. Der billigere Cassia-Zimt wird hauptsächlich in China angebaut. Letzterer enthält Cumarin in hohen Konzentrationen. Dieser Inhaltsstoff steht im Verdacht, Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel und sogar Leberschäden zu verursachen. Aber: Bevor jemand so viel Glühwein trinken oder so viele Zimtsterne essen mag, bis sich die Cumarin-Symptome einstellen, wird einem vorher aus ganz anderen Gründen schlecht. 

Zimt zaubert nicht nur Weihnachtsfeeling in Küche und Stube. In der Naturheilkunde wird er bei Magen-Darm-Beschwerden wie Blähungen und Völlegefühl verwendet und soll zudem entzündungshemmend wirken.

Kardamom: Er ist eines der teuersten Gewürze und ein prägnantes dazu. Kardamom gehört zu den Ingwergewächsen. Die Pflanzen sind unter anderem in den feuchten Klimazonen Indiens heimisch. Die Samenkapseln werden von Hand geerntet. Es gibt schwarzen Kardamom, der bitter, erdig und herb schmeckt und für pikante Gerichte verwendet wird. Und es gibt den grünen mit seinem süsslich-scharfen Aroma. In der asiatischen und arabischen Küche ist Kardamom ein Standardgewürz. Die Samen sind Bestandteil der klassischen Gewürzmischung Garam Masala.

Bei uns gehört grüner Kardamom in Lebkuchen oder Spekulatius. Und Kenner aromatisieren damit ihren Kaffee. Kaufen Sie am besten die ganzen Kapseln; frisch zermahlen oder zerstossen ist das Aroma am besten. Dabei die Samen aus der Hülle nehmen. Kardamom wirkt beruhigend, aber auch stimulierend und soll ein Aphrodisiakum sein.

Ingwer: Frisch und fruchtig, pikant und prickelnd, süss und scharf, wärmend und wohltuend – die Wurzeln der Ingwerstaude sind Kraftpakete. Ingwer wird in vielen tropischen Ländern angebaut und kann problemlos transportiert werden. Man bekommt ihn heute frisch in vielen Läden. Er macht sich hervorragend in Fruchtsalaten, Kompotten und Weihnachtsgebäck. Und kandiert oder mit Schokolade überzogen ist er sowieso ein Hit.

Darüber hinaus ist Ingwer in Indien und China seit jeher für seine Heilwirkung bekannt. Er wirkt nach Angaben der SGE appetitanregend, schleimlösend und verdauungsfördernd. Und er hilft gegen Übelkeit, weswegen Ingwer gegen Reisekrankheit gekaut wird. Achten Sie beim Kauf auf pralle Wurzeln und glatte Haut. So bleiben die Knollen im Gemüsefach des Kühlschranks gut zwei Wochen lang frisch. 

Nelken: Sie fehlen in keinem Gewürzschrank, es gibt sie ganz oder gemahlen und sie finden sich in vielen Gerichten und Getränken. Sie aromatisieren Lebkuchen, Glühwein, Liköre und Punsch. Sie gehören in die Sauerbraten-Marinade, ins Rotkraut und stecken zusammen mit Lorbeerblättern in Zwiebeln, um Fleischbrühe und Sud die nötige Würze zu geben. Nelken sind die getrockneten Blütenknospen des Gewürznelkenbaumes. Ursprünglich stammt das Gewächs von den Molukken, einer indonesischen Inselgruppe, auch als Gewürzinseln bekannt. Heute wird der Nelkenbaum unter anderem auf Madagaskar und Sansibar kultiviert.

In der Naturheilkunde ist Nelkenöl bedeutend. Der Wirkstoff Eugenol lindert Entzündungen und Schmerzen. Beliebt sind die intensiv duftenden und wie kleine Nägel aussehenden Nelken in Potpourris. Das Ganze ist dekorativ und verbessert die Raumluft. 
Muskat: Vor dieser Nuss muss gewarnt werden. Sie soll in Mengen ab ungefähr zehn Gramm Rauschzustände auslösen und zur Bewusstlosigkeit führen. Und das Nachschlagwerk «Die Welt der Gewürze von A bis Z» warnt gar vor tödlicher Wirkung in hohen Dosen – wobei selbst in einschlägiger Literatur jeder Hinweis auf tatsächlich passierte Todesfälle fehlt. Wer Muskat in moderaten Mengen verzehrt, profitiert von der stimulierenden und verdauungsfördernden Wirkung. Das Gewürz ist darüber hinaus entwässernd und lindert rheumatische Schmerzen. Muskatnüsse sind die Samen eines immergrünen Tropenbaumes. Ein Hauch des frisch geriebenen Gewürzes macht sich gut an Spinat, Rosenkohl, Kartoffelpüree und Rührei und verleiht Kuchen und Plätzchen das gewisse Etwas. 

Hildegard von Bingen mischte Muskat ihren Nervenkeksen bei. Sie sollen Kraft geben und die Stimmung aufhellen. Macis übrigens sind keine Muskatblüten. Es ist die getrocknete Samenschale der Muskatnuss. Das Aroma des Macis ist fein und lieblich.

Buchtipps
Uffelmann: «Die Welt der Gewürze von A bis Z», Edition XXL 2010, Fr. 14.90

Fotos: fotolia.com

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