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Gut gemischt

Kategorie: Garten
 Ausgabe 12 - 2011 - 01.12.2011

Text:  Remo Vetter

In der Vorweihnachtszeit lässt es sich nicht nur vorzüglich in Kindheitserinnerungen schwelgen, es ist auch die Zeit des Backens und der passende Moment, um von der Natur zu lernen.

Die Natur lehrt uns, dass aus Verbrauchtem und Welkem. Neues und Frisches entstehen kann. Wer durch den Wald geht, kann beobachten, wie die vielen im Frühjahr hervorgebrachten und im Herbst abgeworfenen Blätter über den Winter fast ganz verschwinden und sich in Humus verwandeln. Die Natur betreibt seit Jahrtausenden Recycling in wunderbarer Perfektion. Aus abgestorbenen Blättern und Pflanzen wachsen neue Pflanzen. So sind denn auch unsere Küchen- und Gartenabfälle kein Müll, sondern wertvolle Rohstoffe für neuen Humus. Sie zu verbrennen, ist Verschwendung. Der Begriff Kompostieren kommt vom lateinischen componere, zu Deutsch: zusammensetzen. So ergeben Küchenabfälle allein noch keinen Kompost. Erst durch die richtige Vermischung der Küchen- und Gartenabfälle mit erdigem Material entstehen Humusstoffe und Bodenkrümel.

Milliarden von Pilzen

Wenn wir beim Kompostieren Küchenund Gartenabfälle mit Erde vermischen, gelangen die Abfallspezialisten der Natur, die Billionen von Bakterien, Milliarden von Pilzen, Algen und andere Bodenlebewesen zu den Grünabfällen. In einem Fingerhut fruchtbarer Erde finden sich mehr Lebewesen als Menschen auf der Erde. Die Nährstoffe, die in den abgestorbenen Pflanzenteilen eingelagert sind, werden durch die Tätigkeit der Bodenlebewesen herausgelöst und im Humus gespeichert. Sie stehen so den Pflanzen neu zur Verfügung, und der Stoffkreislauf wird geschlossen. Die Bodenlebewesen erhalten die Fruchtbarkeit der Erde. Feuchtigkeit und Luft sind für sie lebensnotwendig. Der Ab- und Aufbauprozess ergibt sich aus dem komplexen Zusammenwirken der Lebensabläufe. Je sorgfältiger wir arbeiten und je schadstofffreier das Mischgut ist, umso besser wird die Qualität der Komposterde. Sie trägt zu einem gesunden Boden bei, der alle Nahrung für Mensch und Tier hervorbringt.

Je kleiner die Rohstoffe, umso grösser ist die Angriffläche für die Bodenlebewesen und umso schneller geht die Verrottung vor sich. Daher sollte alles Material zerkleinert in den Kompost gelangen. Den Baum-, Strauch- und Heckenschnitt häckseln wir mit einer Häckselmaschine oder zerkleinern ihn mit einem Gertel, einer Garten- oder Baumschere in handlange Stücke. Pflanzenrückstände, frischer Rasenschnitt oder verwelkte Schnittblumen dürfen nicht lange liegen bleiben. Wir vermischen sie möglichst rasch mit trockenem, dürrem oder hartem Material, mit grobem Häcksel, Laub oder Stroh und ausserdem mit Frischkompost oder Erde. Ist die Kompostmischung nicht so feucht wie ein ausgedrückter, nasser Schwamm, geben wir etwas Wasser zu. Ein vielfältiges Nahrungsangebot für die Bodenlebewesen, genügend Feuchtigkeit und Luft entscheiden über einen guten Rotteverlauf. Eine durchlöcherte Ummantelung, eine luftdurchlässige Unterlage im Kompostbehälter und die Beimischung von Holzhäcksel sorgen für genügend Sauerstoffzufuhr. In der Erde und vor allem im Frischkompost sind alle Eier und Larven der Mikroorganismen enthalten. Die Zugabe von Frischkompost beschleunigt die Rotte. Damit nicht unkontrolliert Wasser in den Kompost dringt, decken wir diesen mit einer Plane ab.

Ernten und arbeiten im Dezember
● Topinambur ernten. Die Knolle erträgt die Kälte und kann dadurch laufend frisch ab Beet geerntet werden. Topinambur kann gedämpft, gedünstet, gekocht, gebraten oder püriert zubereitet werden. Auch roh als Salat schmeckt sie gut.
● Pflanzungen von Knoblauch, Rhabarber und wurzelnackten Obstgehölzen, wenn der Boden nicht gefroren ist.
● Winterschnitt an Apfelbäumen, Birnbäumen und Beerensträuchern.
● Beete mit Kompost oder gut verrottetem Stallmist versorgen.
● Knollensellerie lassen wir bis zur Verwertung im Boden. Bei Kälte decken wir ihn mit Stroh oder Reisig ab.
● Endivie ist kälteresistent. Im Folientunnel übersteht er den Winter.
● Grünkohl ist ein traditionelles Wintergemüse, dem auch der Frost nichts anhaben kann.
● Winterrettich im Boden belassen und laufend frisch ernten.
● Rosenkohl ist unser traditionelles Weihnachtsgemüse und kann problemlos auf dem Beet belassen werden.
● Lauch laufend frisch vom Beet ernten.
● Beim Blumenkohl die äusseren Blätter um die Köpfe binden, um ihn vor Frost zu schützen.
● Die letzten Kohlrabi im Laufe des Dezembers ernten, da sie sonst erfrieren oder verholzen.
● Feldsalat laufend direkt vom Beet ernten.
● Obstgehölze unkrautfrei halten.
● Werkzeuge und Pflanzentöpfe reinigen. Feld mit Winterkohl.

Bitte einmal umschaufeln

Nach drei bis vier Monaten, wenn der Kompost auf unter 30 Grad abgekühlt ist, kontrollieren wir den Verrottungsstand. Vererdet der Kompost und ist er genügend feucht, können wir ihn weitere fünf bis sechs Monate liegen lassen. Ist er aber zu trocken oder zu nass, entfernen wir das Vlies und schaufeln den Kompost um. Das fördert die Rotte. Vor dem Ausbringen testen wir die Reife der Erde: Dazu nehmen wir ein grosses Glas mit Deckel, füllen es zur Hälfte mit fein gesiebter, feuchter Komposterde. Dann streuen wir Kressesamen ein, die wir zwei Millimeter hoch mit Kompost bedecken. Wir befeuchten die Oberfläche, ohne die Komposterde einzunässen, schliessen das Glas und stellen es an einen hellen Ort. Wenn innerhalb von zwei bis drei Wochen gleichmässig kräftige, grüne Pflänzchen wachsen, haben wir eine gute, reife Komposterde. Werden die Pflänzchen aber gelblich oder verfaulen sie gar, ist der Kompost noch nicht reif.

Das gehört in den Kompost
Aus dem Haushalt
● Rüstabfälle von Gemüse und Obst
● Eierschalen (zerdrückt)
● Tee- und Kaffeesatz
● Schnittblumen, Balkon und Topfpflanzen mit Erdballen
● Kleintiermist (nur von pflanzenfressendenTieren)
● Federn und Haare
● Holzasche

Aus dem Garten
● Laub
● Gras- und Rasenschnitt
● Gartenabraum
● Hecken und Baumschnitt
● Frischkompost
● halb verrotteter Kompost oder Erde als Rottebeschleuniger
● Schilf

Das gehört in den Hauskehricht
● Pflanzen, die stark von Schädlingen befallen oder mit Spritzmitteln behandelt sind
● Wurzelunkräuter (Geissfuss, Distel, Schnurgras, Winde)
● Zigarettenstummel und -asche
● Staubsaugersäcke
● Asche von behandeltem Holz
● Hundekot und Katzensand
● Papierwindeln
● Öle und Fette
● Metall, Glas, Steine, Plastik

Keine Kosten für Erde

Vor dem Ausbringen im Garten sieben wir den Kompost. Das Aussieben der unverrotteten Holzteile ist wichtig, da sie den Pflanzen den Stickstoff entziehen. Das ausgesiebte Material kompostieren wir erneut. Da es bereits vorkompostiert wurde, dient es uns als Impfmaterial und beschleunigt den Abbauprozess. Der richtig zusammengesetzte, ausgereifte Kompost ist nicht nur ein Bodenverbesserer, sondern auch ein Düngemittel. Dadurch können wir auf den Zukauf von Blumenerde, Dünger und Torf verzichten. Die ideale Dosierung von Reifekompost liegt bei 1,5 bis 3 Litern pro Quadratmeter und Jahr. Es ist unser Ziel, möglichst wenig zuzukaufen. In einem gut funktionierenden Garten sollten eigentlich keine Kosten für Erde und Düngung anfallen.

Folgendes Rezept hat sich bei der Zubereitung von Komposterde bewährt: ein Teil Pflanzenrückstände aus Küche und Garten und ein Teil Holziges, Verdorrtes,
Frischkompost und/oder Erde. Wie schon erwähnt, zerkleinern wir alles gut auf Handlänge, streuen ein wenig Steinmehl darüber und fügen bei trockenem Material etwas Wasser zu. Das gründlich vermischte Kompostgut geben wir locker in ein Gitter mit luftdurchlässiger Unterlage oder schichten es zu einem Walm auf.

Der Autor
Remo Vetter wurde 1956 in Basel geboren. 1982 stellte ihn der Heilpflanzenpionier Alfred Vogel ein. Seither ist Vetter im Gesundheitszentrum in Teufen (AR) tätig, wo er mithilfe seiner Familie den Schaukräuter garten von A. Vogel hegt.

Fotos: fotolia.com

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