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Tief einatmen

Kategorie: Natur
 Ausgabe 12 - 2011 - 01.12.2011

Text:  Pier Hänni

Am östlichsten Zipfel des Schweizer Jura, unweit des Rheinfalls, überrascht ein unauffälliger Hügel mit bedeutungsvollen Kraftorten, mächtigen Fichten und Fingerkribbeln.

Kaum jemand in der westlichen Schweiz ist sich bewusst, dass der Jura im Osten bis an den Rheinfall reicht. Der dortige Hügel gehört zum Randen, dem östlichen Teil des Tafeljura, der durch zahlreiche Erosionstäler in einen gezackten Plateaurücken gegliedert ist. Die Kuppeln und Hänge sind meistens bewaldet, während die leicht geneigten Flächen landwirtschaftlich genutzt werden. Die Wanderroute führt zu Kraftorten zwischen Neuhausen am Rheinfall und Osterfingen.

Anregende Ionen am Rheinfall

Wer noch nie am Rheinfall war, sollte vor dem eigentlichen Start die Gelegenheit für einen kurzen Abstecher zum Wasserfall nutzen. Der meistbesuchte Wasserfall der Schweiz begeistert nicht nur mit seinen tosenden Wassermassen, er erzeugt auch beachtliche Mengen von anregenden Luftatomen (Ionen), deren Inhalierung allein einen Abstecher lohnt. Wie von jedem Wasserfall geht auch vom Rheinfall ein Kraftfeld aus. Hier stürzt der Rhein weiss schäumend und machtvoll rauschend über die Felsstufe, was sich energetisch wie ein Vibrieren im Körper anfühlt. Gemessen an seiner Wassermenge ist der Wasserfall übrigens der grösste auf dem europäischen Festland.

Nach diesem Naturschauspiel geht es los in Richtung Herbstacker  und von dort weiter zum Hexenplatz. Der eigentliche Kraftplatz liegt heute beim kleinen Weiher. Wie der wässrige Boden vermuten lässt, befinden wir uns inmitten eines Quellgebiets. Quellen gehören zu den ältesten heiligen Orten der Menschheit, weshalb es nicht erstaunt, dass bei vielen Ahnenplätzen Wasser aus dem Boden quillt. Die Ortsgeister der Quellen wurden im klassischen Altertum etwa als Nymphen bezeichnet und von den Kelten oder Germanen hoch verehrt.

Starke Energiefelder

Die Marksteine, die zwischen Bohnenrüti und Erlenboden den Weg entlang der Wasserscheide säumen, erinnern daran, dass die Route nicht nur eine Gratwanderung, sondern auch einen Grenzgang zwischen dem Hoheitsgebiet der Schweiz und Deutschland ist. Entsprechend ihrer Topografie und Beschaffenheit schwingen die Kraftfelder in den beiden, vom Hügel getrennten Tälern (Oberklettgau und Wangental) unterschiedlich und bilden längs des Kamms ein intensives Kraftfeld. Auf dem Wegstück bis Schneeschmelzi erhöht sich die ohnehin hohe Schwingungsfrequenz noch an verschiedenen Stellen. Dort sind körperliche Reaktionen wie Fingerkribbeln oder spontane Entspannung der Gelenke zu spüren. Gleich am Anfang des Gratwegs, im Bereich der kleinen Erhöhung links vom Weg und kurz danach, sind die Felder besonders stark und entsprechend wahrnehmbar. Auch bei den buckligen Fichten, die auf dem Waldboden zwischen Hügelrücken und Schneeschmelzi längs des Wegs stehen, steigt das Energieniveau spürbar an.

Nördlich des Wegweisers auf der Flur Schneeschmelzi liegt ein kleiner Findling. Er diente lange als Grenzmarkierung. Man kann sich aber gut vorstellen, dass er im Altertum wohl auch einen besonderen Ort markierte, wo sich Menschen begegneten. Der Quarzit wurde während der Eiszeit wahrscheinlich vom Linthgletscher aus der Glarussenke hierher verfrachtet, also gewissermassen von Mutter Natur selbst an den Ort gesetzt. Die hohe Schwingung und die vertraute und zugleich geheimnisvolle Stimmung beim Grauen Stein lassen vermuten, dass hier ein alter Ort der Ahnenverehrung war. Bei solchen Hügelheiligtümern kamen die Bewohner der umliegenden Siedlungen und Höfe zusammen, um die traditionellen Jahreszeitfeste zu feiern, aber auch wenn wichtige, die Gemeinschaft betreffende Angelegenheiten zu besprechen waren. Wie bereits auf den letzten hundert Metern des Weges fallen auch hier die mächtigen, kraftvollen Fichten mit der urwüchsigen, rauen Borke auf. Fest in der Erde wurzelnd und hoch in den Himmel ragend, tragen sie viel zum intensiven Kraftfeld bei, das beim Grauen Stein und auf dem Waldboden zu spüren ist.

Rastplatz in waldiger Höhe

Nach dem Überqueren der Waldstrasse bei Erlenhau verläuft der Wanderweg über die Flur Wasenhau. Obwohl wir nun am höchsten Punkt unserer Wanderung sind, ist der Boden des Hügelrückens feucht, und nach Niederschlägen sammelt sich das Wasser in kleinen Tümpeln. Beim Rastplatz Wasenhütte wird möglicherweise schon seit Jahrhunderten oder Jahrtausenden über offenem Feuer Fleisch gebraten, und man fragt sich, ob im Unbewussten der vielen «Brätler», die hier auf waldiger Höhe die Nähe zur Natur geniessen und die Geselligkeit pflegen, diese Tradition nachhallt.

Im Name der nächsten Hügellichtung begegnen wir dem Tier, das wie kaum ein anderes mit dem Jura verbunden ist. Ob der Flurname Rossberg tatsächlich von Ross abgeleitet ist und der Platz einst eine Pferdeweide war oder ob er auf eine sakrale Landschaft verweist, ist nicht geklärt. Fest steht, dass viele der mit den Silben Ross, Ros oder Rosen im Namen beginnenden Orte alte Kultplätze bezeichnen. Der sechshundert Meter über den Talgrund hinausragende, von Steilflanken umgebene Geländesporn des Rossbergs ist der westliche Ausläufer des Hügelrückens, über den uns die Wanderung bis hierher geführt hat.

Schutzort hoch über dem Tal

Kurz vor der Burgruine Radegg führt der Weg dann an einer weiteren Feuerstelle mit Bänken vorbei. Hier spürt man bereits die hohe Schwingung von Radegg. Auf der Naturterrasse hoch über dem grünen Wangental ist es zauberhaft. Ausgrabungen lassen darauf schliessen, dass am Standort der Ruine bereits vor der im zwölften Jahrhundert gebauten Ritterburg eine einfache Fluchtburg stand. Wie bei vielen der zahlreichen Jura-Burgen kann die Nutzung des Ortes als Refugium bis weit ins Altertum angenommen werden. Für solche Orte, die anfänglich mit Erdwällen und Palisaden befestigt waren, wurden Plätze ausgesucht, die verschiedenen Anforderungen gerecht werden mussten. Die intensiven Kraftfelder bei den meisten dieser vermutlich vormittelalterlichen Burg-Standorte lassen darauf schliessen, dass sie bewusst ausgewählt wurden. Wer eine Gegend kontrollieren wollte, konnte dies am besten von einem starken Ort aus tun, der ausserdem wie hier leicht verteidigt werden konnte. Aufgrund der Lage auf dem kraftreichen Geländesporn zwischen Hausteiggraben und Wangental ist anzunehmen, dass auch diese Burgstelle ursprünglich ein Kultplatz war – ein Ort, wo die Bevölkerung wie überall im Jura die Anwesenheit einer Fee wahrnahm. Die Wanderung über den Hügel am östlichen Zipfel des Schweizer Jura führt uns zum Schluss über einen Pfad mit steilen Serpentinen zuerst nach Bad Osterfingen und schliesslich weiter nach Osterfingen. Lassen Sie sich beim Abstieg Zeit, um den lichten, mit weissen Kalksteinen geschmückten Wald und seine feine, harmonisierende Stimmung zu geniessen.

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Vom Rheinfall nach Osterfingen
• Anreise
Bahn bis Neuhausen, dann Stadtbus bis Neuhausen Rheinfall oder Neuhausen Herbstacker.
• Rückreise
Von Osterfingen mit Bus bis Wilchingen, dann S-Bahn nach Schaffhausen.
• Wanderzeit
3 Stunden
• Route
Herbstacker (462 m ü. M.) – Hexenplatz – Bohnenrüti – Erlenboden – Wasenhütte (616 m ü. M.) – Rossberg – Ruine Radegg – Osterfingen (450 m ü. M.)
Von der Haltestelle Herbstacker geht es einige Schritte in Fahrtrichtung zurück und den Wegweisern folgend nach rechts. Oberhalb vom Aazheimerhof dem Wanderweg folgen und scharf nach rechts in den Wald einbiegen. Beim zweiten Wanderweg nach links abbiegen, über die Lichtung und dann durch den Wald in Richtung Hexenplatz gehen. Beim Wegweiser am Hexenplatz nach links Richtung Wasenhütte/Rossberg, nach einigen Schritten ist man beim Kraftort im Bereich des Weihers. Der Wanderweg mündet bei Bohnenrüti in den von Neuhausen heraufkommenden Weg nach Osterfingen. Dem Weg nach rechts folgen und nach etwa hundert Metern bei der Verzweigung nach links (gelbe Markierung beachten) abbiegen. Nach einigen Hundert Metern erreicht man den kleinen Grat, dem knapp zwei Kilometer längs der schweizerisch-deutschen Grenze gefolgt wird. Beim Wegweiser Schneeschmelzi Ebene von Erlenboden bis zum Rastplatz Wasenhütte durchqueren. Der Wanderweg führt bald auf die Lichtung, den Rossberg. Nach links zur Ruine Radegg wandern. Der Abstieg von Radegg ist teilweise ruppig, aber ästhetisch und energetisch ein Genuss. Im Tal führt der Weg dem Waldrand entlang nach rechts und folgt ab Bad Osterfingen kurz der Strasse entlang bis ins Dorf. 
• Karten
Landeskarte 1:25 000, 2511 Schaffhausen
• Restaurants
Restaurants in Neuhausen und Osterfingen

Foto: fotolia.com, zvg

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