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Kostbare Vielfalt

Kategorie: Garten
 Ausgabe 09 - 2011 - 01.09.2011

Text:  Remo Vetter

Eine grosse Sorten- und Artenvielfalt erfreut nicht nur das Gärtnerherz, sie sorgt auch für gesunde Böden und gutes Wachstum. Jetzt ist die Zeit der bunten Pflanzenblüten, der letzten Ernten und des Einmachens.

Der Garten sei der irdische Abglanz des verlorenen Paradieses», habe ich einmal gelesen. Ein harmonischer Nutzgarten stellt eine kleine friedliche Welt von bunten Blumen und duftenden Kräutern, Gemüsebeeten und Obstbäumen dar. Auf einem begrenzten Raum verwirklicht manch ein Schrebergärtner seine Träume vom Leben mit derNatur. Das erlebe ich immer wieder in Gesprächen mit Gärtnern und  Gärtnerinnen, die uns besuchen. Im Garten fühlen wir uns geborgen. Hinter schützenden Hecken können wir uns ausruhen und unserem Spieltrieb freien Lauf lassen. Gleichzeitig bringen wir mit Salaten, Gemüsen, Früchten und Kräutern gesunde Delikatessen auf den Tisch.

Im letzten Jahrhundert wurden Pflanzen und Tiere immer mehr eingeteilt in Nützlinge und Schädlinge. Unkraut und Ungeziefer mussten bekämpft und ausgerottet werden. Insektizide, Fungizide und Herbizide wurden einige Jahrzehnte überzeugt und mit reinem Gewissen eingesetzt. Vielerorts musste dafür später eine saftige Rechnung bezahlt werden: zerstörte Böden, verschmutztes Grundwasser, allfällige Kulturpflanzen, Rückgang der Artenvielfalt. Glücklicherweise hat in den letzten Jahren ein Umdenken stattgefunden. Viele Schrebergärtner und Bauern entscheiden sich heute, Blumen, Kräuter, Gemüse und Obst auf möglichst natürliche Weise ohne Gift anzupflanzen. Jeder Pflanzenfreund, der bereit ist umzudenken, kann seinen Garten umweltfreundlich bewirtschaften. Manchmal braucht es dazu etwas mehr Geduld und Kreativität, doch die Natur wird es uns längerfristig verdanken.

Verlorene Vielfalt

Ein Blick zurück in unsere grüne Vergangenheit zeigt, wie sich das Naturverständnis entwickelt hat und wohin neue Wege führen. Unsere Vorfahren jagten Tiere, sammelten wilde Früchte, Wurzeln und Beeren. Ihr Eingriff in die Natur war nicht wahrnehmbar. Der Nomade zog von Ort zu Ort, was er erntete, wuchs wieder nach. Später im Mittelalter ernährten sich die Menschen von rund 300 Pflanzenarten, die in dieser Zeit angebaut wurden. Kulturpflanzen wurden aufgrund der klimatischen und geografischen Gegebenheiten gezüchtet – es entstand eine grosse Sortenvielfalt. Oft wurde Saatgut als Nachlass oder als Aussteuer weitergegeben; die Pflanzenvielfalt war damals eine wichtige Überlebensgarantie für die Menschen. Mit dem Bewirtschaften von Äckern und Gärten entstanden aber auch Probleme: Die Felder wurden so lange genutzt, bis die Böden vollständig erschöpft waren.

Heute lebt die Menschheit weltweit lediglich von rund einem Dutzend Pflanzenarten wie Reis, Gerste, Mais, Weizen, Kartoffeln, Jamswurzel und Manjok. Die heutige Ernährung hängt von einer gefährlich schmalen genetischen Basis ab. Zu den wichtigsten Grundnahrungsmitteln gehören Kartoffel und Getreide. Wären diese einmal nicht vorhanden, gäbe es enorme Hungersnöte. Für die Zukunft ist es deshalb wichtig, eine möglichst grosse Vielfalt zu züchten, die sich den veränderten Ansprüchen und Umweltbedingungen anpassen kann.

Eine neue Überzeugung scheint sich langsam durchzusetzen. Die Begeisterung für chemische Keulen schwindet, weil uns die Nachteile immer mehr bewusst werden. Die Landwirtschaft und die Gärtner werden neue oder altbewährte Anbaumethoden finden, um die Fruchtbarkeit der Erde zu bewahren. Einfacher hat es der Kleingärtner: Er kann von heute auf morgen mit der Erprobung natürlicher Arbeits- und Anbauweisen anfangen. Jeder kann naturnah gärtnern und damit auf einem kleinen Stück Erde einen Beitrag leisten, die Welt in der wir leben gesünder und harmonischer zu gestalten.

Wichtige Arbeiten im September
• Letzte Sommergemüse ernten: Bohnen, Tomaten, Paprika, Mais, Kartoffeln.
• Späte Pflaumen, mittelfrühe Äpfel und Birnen sowie Herbsthimbeeren pflücken.
• Letzter Termin zur Aussaat von Salaten.
• Frühlingskohl zur Überwinterung pflanzen.
• Nach der Ernte welkes Laub und Pflanzenreste sammeln und kompostieren.
• Äpfel, Birnen und Pflaumen auf Braunfäule kontrollieren und befallene Früchte vernichten.
• Vielleicht können wir auch schon Rosenkohl, Knollensellerie und Steckrüben ernten.

Foto: Biosphoto, fotolia.com

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