Artikel Natur :: Natürlich Online

Kleine Biester

Kategorie: Natur
 Ausgabe 08 - 2011 - 01.08.2011

Text:  Hans-Peter Neukom

Zeckenstiche führen in der Schweiz jährlich zu mehreren Tausend Folgeerkrankungen. Nun soll ein Pilz helfen, die wachsende Zeckenplage einzudämmen.

Wer kennt es nicht, das lästige, zähe, etwas unheimliche spinnenartige Tierchen – die Zecke? Waldarbeiter, Naturfreunde und Pilzsammler können ein Lied über sie singen. Doch Zecken sind nicht nur lästig, Zeckenstiche haben für den Menschen gesundheitliche Folgen. Und darum soll es den lästigen Blutsaugern jetzt mit möglichst umweltverträglichen Methoden an den Kragen gehen.

Surftipps
Hier erhalten Sie weitere interessante Informationen zum Thema
Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen
Zecken
Zecken-Film

Das ist allerdings aus mehreren Gründen nicht so einfach. Zecken sind erstaunlich zäh und zugleich äusserst fortpflanzungsfreudig. So legt ein einziges Zeckenweibchen bis zu 3000 Eier, bevor es selbst an dieser anstrengenden Eiablage stirbt – wie übrigens auch das Männchen nach seiner Samenspende. Bis sich der Nachwuchs selbst wieder fortpflanzt, durchläuft er innert zwei bis fünf Jahren drei Entwicklungsphasen, für die er jeweils eine einzige Blutmahlzeit benötigt. Die aus den Eiern geschlüpften, nur etwa einen halben Millimeter grossen Larven können dabei schon mit ihrer ersten Mahlzeit von einem Kleinsäugetier die Erreger von Borreliose und der Frühsommer-Menningoenzephalitis (FSME) aufnehmen und weitergeben. «Für Menschen sind die Zecken vor allem in ihrem anschliessenden Nymphenstadium gefährlich», betont Norbert Satz, Schweizer Spezialist für Zeckenerkrankungen, und ergänzt: «Die geschlechtsreifen, erwachsenen Zecken bilden für den Menschen ein kleineres Risiko, als die jungen Tiere.»

Zürcher forschen gegen Zecken

Erschwert wird die Suche nach biologischen Zeckenbekämpfungsmethoden dadurch, dass Zecken erstaunliche Überlebenskünstler sind, reicht ihnen doch eine einzige Blutmahlzeit für mehrere Monate. Zudem haben sie kaum natürliche Feinde, wie Thomas Hufschmid, Zeckenforscher an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), erklärt. Zwar könne man gelegentlich beobachten, dass Ameisen Zecken fressen, aber eigentlich wisse man erst wenig über die Rolle dieser spinnenartigen Tiere und deren Fressfeinde, räumt Hufschmid ein.

Auf der Suche nach einer natürlichen Eindämmungsmethode von Zecken haben die Wissenschaftler der ZHAW nun aber einen Durchbruch erzielt, indem sie eine Zecke einfangen konnten, die einen starken Pilzbefall aufwies, an dem sie dann auch starb. «Dieser Pilz konnte vorerst als eine Art aus der Gattung Beauveria bestimmt werden», sagt Hufschmid. Das Interesse der Forscher weckte dieser Pilz auf der Zecke deshalb, weil andere Arten von ihm bereits erfolgreich für die biologische Schädlingsbekämpfung eingesetzt werden. Überbordende Maikäferplagen werden beispielsweise von der Forschungsanstalt ART Reckenholz-Tänikon mit der Pilzart Beauveria brogniartii verhindert. Am Forschungsinstitut für biologischen Landbau in Frick wiederum wurde eine Methode zur Bekämpfung der Kirschfruchtfliege mit dem Pilz Beauveria bassiana entwickelt, der in der Schweiz inzwischen sogar unter dem Handelsnamen «Naturalis-L» im biologischen Landbau zugelassen ist.

Gut zu wissen
• So erwischen einem Zecken: Die Blutsauger halten sich gerne im Wald an warmen, feuchten, bodennahen Stellen in einer Höhe von etwa 50 Zentimetern über dem Boden auf. Entgegen verbreiteter Vorstellungen lassen sie sich nicht von oben auf ihre Opfer fallen, sondern haken sich blitzschnell im Fell oder auf der Haut vorbeistreifender Tiere und Menschen fest. Den Stich der kleinen Blutsauger spürt man normalerweise nicht, weil sie die Einstichwunde betäuben.
• So wird man Zecken wieder los: Man greift das Tier mit einer spitzen Pinzette oder Zeckenkarte möglichst nahe der Einstichstelle und zieht sie gerade und zügig heraus. Notfalls kann man sie auch mit den blossen Fingern herausziehen oder abkratzen. Bleibt dabei der Stechapparat der Zecke ganz oder teilweise in der Haut stecken, sei dies meist ungefährlich, erklärt Zeckenerkrankungsspezialist Norbert Satz.
• So schützt man sich vor den Biestern: Am besten trägt man im Wald nur geschlossene Schuhe, lange Hosen und langärmlige T-Shirts. Zeckensprays bieten nur wenig Schutz. Nach einem Waldgang soll man Duschen, den Körper abrubbeln und nach Zecken absuchen.

Begrenzen statt ausrotten

Ein entscheidender Vorteil einer solchen Schädlingsbekämpfung ist, dass die verwendeten Pilze selbst auf den jeweiligen Schädling angewiesen sind. Ihre unkontrollierte Verbreitung in der Natur mit unvorhersehbaren Folgen ist daher weitgehend ausgeschlossen. Die Idee der Insektenbekämpfung durch Pilze wollen die Forscher der ZHAW nun auf die Zecken übertragen. Dafür hat die Hochschule beim Bund ein dreijähriges Forschungsprojekt zur sinnvollen bioökologischen Eindämmung der Zeckenverbreitung eingereicht. Dessen Ziel sei natürlich nicht die radikale Ausrottung der Zecken, sondern eine Begrenzung ihrer Zahl auf ein erträgliches Mass.

Derzeit suchen die Wissenschaftler nach optimalen Lockstoffmischungen, mit denen Zecken aus möglichst grosser Entfernung in die pilzbestückten Fallen gelockt werden. Bevor diese in der Natur aufgestellt werden, müsse natürlich sichergestellt werden, dass der Pilz keine anderen Insekten oder Spinnen befällt, erklärt Umweltingenieur Hufschmid. Schliesslich sollen die Duftfallen mit dem Killerpilz nicht flächendeckend aufgestellt werden, sondern gezielt bei Grillstellen, Waldschulen, Vita-Parcours oder Waldspielplätzen, wo sich oft Menschen aufhalten.

Fotos: Thomas Hufschmid, zvg

Tags (Stichworte):

Kategorie: Garten

Warum ich gärtnere

Gärtnern entschleunigt, kochen mit den Gaben des Gartens ist kreativ und Bäume...

Kategorie:

Kategorie: Garten

Einfach spitze, dieser Spargel!

Wir plangen jetzt schon auf die Spargelsaison. Das Warten lohnt sich. Denn nur...