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Grünes Sensibelchen

Kategorie: Garten
 Ausgabe 08 - 2011 - 01.08.2011

Text:  Tertia Hager

Vor rund 40 Jahren kannte in der Schweiz noch kaum jemand Basilikum – heute ist es das meistverkaufte Frischkraut. Und das erst noch in grosser Vielfalt, denn es gibt neue Sorten wie Zitronen- oder indisches Basilikum zu entdecken.

Es war keine Liebe auf den ersten Blick: Herr und Frau Schweizer begegneten dem charaktervollen Südländer anfänglich mit Skepsis und Misstrauen. Doch letztlich erlag die Schweiz seinem betörenden Duft, seiner Vielseitigkeit und seinem Talent, Frauen und Männer in Ferienstimmung zu versetzen: Basilikum ist wohl das beliebteste Küchenkraut der Schweiz. Bei Coop ist es sogar das meistverkaufte Frischkraut, und die Migros setzt pro Jahr allein 1,5 Millionen Beutel mit abgepacktem, frischem Basilikum ab. Und auf manch einem Fenstersims oder Balkon steht im Sommer ein Topf mit Genoveser-Basilikum, der in der Schweiz bekanntesten Sorte. Freunde der thailändischen Küche kennen auch das Thai-Basilikum, dessen Aroma an Zimt, Anis und Pfeffer erinnert.

Es duftet nach Charcuterie

Marktbesucherinnen und Hobbygärtner wissen es längst: Es gibt noch viel mehr Basilikum. Seine Vielfalt ist immens: Rund 60 Wildarten der Gattung Ocimum, so der botanische Name, kennt man heute. Davon werden in Europa rund hundert verschiedene gezüchtete Unterarten angeboten. Gross- und kleinblättriges grünes, rotblättriges, Zimt- und Zitronen-Basilikum oder heiliges indisches «TulsiKrishna»-Basilikum findet man als Samen oder im Topf im Fachhandel und auf dem Wochenmarkt.

Die verschiedenen Sorten könnten unterschiedlicher nicht sein. Ein indisches Ocimum Sanctum «Holy Basil» duftet intensiv süsslich nach Nelken und lässt einen eigenartigerweise auch an den typischen Duft einer Charcuterieabteilung denken. Seine langen Blütenstauden und die leicht gezackten Blätter erinnern an Pfefferminze. Zimt- und Zitronen-Basilikum verraten ihren Duft bereits im Namen. Letzteres passt sehr gut zu Süssspeisen und ergibt einen fruchtigen Sommertee. Und auch die Bezeichnung Buschbasilikum hilft bei der Orientierung. Beim Darüberstreichen entweichen den kleinblättrigen Buschbasilikum-Sorten besonders viele ätherische Öle. Doch der starke Duft täuscht: Buschbasiliken, wie zum Beispiel das griechische Basilikum, sind in ihrem Geschmack eher mild und nahe beim vertrauten Genoveser-Bukett.

Hirnkraut aus Indien

Doch woher kommt Basilikum, das auch Herrenkraut, Hirnkraut, Deutscher Pfeffer und Königsbisam genannt wird, eigentlich? Seine Wurzeln liegen in Indien. Dort gilt es als Königskraut, heisst Tulsi oder Tulasi und ist Vishnu, einem der wichtigsten Götter des Hinduismus, gewidmet. Nach der ayurvedischen Lehre hat Basilikum einen heilenden und schützenden Charakter. Wo das Kraut wächst, haben böse Geister keine Chance. Das glaubt man auch in Griechenland, wo Basilikumsträucher häufig vor Kirchen- und Hauseingängen zu finden sind, – ein heiliger Rundum-Schutz, auch gegen Mücken und anderes Ungeziefer. Kulinarisch hat Basilikum in Griechenland aber keine grosse Bedeutung. Die Griechen greifen beim Kochen lieber zur Minze.

Es wird angenommen, dass König Alexander der Grosse das heilige Kraut aus Indien über den Mittleren Osten nach Südeuropa brachte. Vermutlich Ende der 1960er-Jahre fand Basilikum dann mit den damals in die Schweiz einreisenden Gastarbeitern aus Italien den Weg über die Alpen in den Norden.

Launisch und lichthungrig

Alle, die schon einmal Basilikum im Topf gekauft oder es sogar selbst gezogen haben, wissen, dass Basilikum mimosenhaft und launisch ist. «Basilikum ist ein schwieriges Kraut», sagt der Kräuterproduzent, «lichthungrig und wärmebedürftig.» Und trotzig bei der Ernte: Wird falsch gepflückt, verweigert es das Wachstum. «Zupft man der Pflanze nur einzelne Blätter weg, ist das, als ob man jemanden Haare ausreissen würde», erklärt Mäder. Damit die Pflanze schön ins Kraut schiesst, empfiehlt er, den Stängel mit der Schere jeweils über der untersten, gut entwickelten Blattachse abzuschneiden.

Fotos: ffr

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