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Kategorie: Garten
 Ausgabe 07 - 2011 - 01.07.2011

Text:  Remo Vetter

Was einst Kinderherzen freudig hüpfen liess, beglückt auch heute noch: verführerische Aromen und Farben von Beeren und Gartengemüsen und die Vorfreude auf einen schönen Abend mit Freunden im Garten.

Meine Grossmutter kannte sich in vielen Bereichen aus: Sie war Gärtnerin, Kräuterkundige, Köchin, Organisatorin – heute würde man sagen Haus-Managerin – und Krankenschwester. Zur Erntezeit gab es besonders viel Arbeit: Grosse Mengen Obst und Gemüse mussten für den Winter konserviert und die eingelagerten Vorräte kontrolliert werden. Für meine Grossmutter war klar: Die wichtigste Voraussetzung für gute Resultate in der Küche waren hochwertige, frische Zutaten, denn die Qualität der Ausgangsprodukte schlägt sich immer auf die fertigen Erzeugnisse nieder. Für Grossmutter war das Einmachen und Konservieren keine hübsche Freizeitbeschäftigung, es diente schlicht der Existenzsicherung. Wenn ich dann an Weihnachten und Feiertagen die herrlichen Produkte aus der Vorratskammer holen durfte und diese feierlich mit der Familie und Gästen geteilt wurden, gehörte das für mich zu den Höhepunkten des Jahres.

Essen macht glücklich

Wer heute Beete hackt und Unkraut jätet, tut dies in der Regel nicht mehr, weil er damit die Basis für seinen Speisezettel schafft, sondern weil es ihm Freude bereitet. Wie schön ist es doch, etwas wachsen zu sehen, eine Pflanze vom Samen bis zur Frucht zu begleiten. Und jetzt ist die beste Zeit, den Garten und seine Früchte in vollen Zügen zu geniessen: Die Beeren sind reif, die Nächte mild – Freunde werden eingeladen, gemeinsam kocht man mit frischen Zutaten aus dem Garten.

Wichtige Arbeiten im Juli
● Direkt ausgesäte Gemüse und Salate ausdünnen.
● Tomaten ausbrechen, aufbinden und mulchen.
● Erdbeerableger nach der Ernte aus lichten und Kompost geben.
● Ruten der abgeernteten Sommerhimbeeren entfernen. Junge Ruten aufbinden, mit Kompost mulchen.
● Gründüngungen und Untersaaten schneiden und als Mulch verwenden, damit der Boden nicht austrocknet.
● Vor der Abreise in die Ferien die Beete gut wässern und mulchen.
● Automatische Bewässerung einrichten: Flaschen mit Wasser füllen, den Flaschenhals zirka 5 cm in den Boden einstecken. Wird der Boden trocken, so läuft das Wasser aus der Flasche nach.

Frische Kräuter verleihen einem Sommergericht die spezielle Note und gerade jetzt im Juli sind sie voll mit intensiven Aromen. Beim Trocknen verlieren sie aber einen grossen Teil davon; seien Sie deshalb ruhig verschwenderisch im Umgang mit frischen Kräutern. Geben Sie diese erst gegen Ende des Kochens bei, da das Aroma durch zu langes Kochen schnell verfliegt. Zarte Kräuter wie Basilikum, Koriander, Minze, Melisse und Petersilie geben wir Gartenfreu(n)de unseren Gerichten erst zu, wenn wir sie vom Herd oder aus dem Ofen genommen haben. Viele Gärtner verwenden nur die Blätter und werfen die Kräuterstängel weg. Tun Sie das nicht, denn auch die Stängel eignen sich sehr gut, um Suppen und Eintöpfen Geschmack zu geben. Kräuter und Gewürze sind die besten Helfer für kurze Kopfreisen, Erinnerungen und Sehnsüchte werden geweckt, kaum steigt uns kräftiger Basilikumduft in die Nase. Kräuter, die es im Topf zu kaufen gibt, pflanzt man am besten sofort ins Beet oder in einen grösseren Topf. Oft haben die Kräuter nämlich im gekauften Topf zu wenig Platz oder die Erde verfügt nicht über genügend Nährstoffe, sodass die Pflanzen relativ schnell eingehen.

Kräuter und Beeren im Juli

Nun ist auch die Zeit, Kräuter zu sammeln und zu trocknen. Die Blätter von Duftpelargonien, Zitronenstrauch, Minze, Lavendel oder Mischungen aus Kräutern, Rosenblüten und Blumenblättern lassen sich getrocknet für Duftsäcklein und Kräuterkissen verwenden. Man pflückt die Kräuter, Blüten und Pflanzen an trockenen Tagen und zupft die Blätter von den Stengeln. Zum Trocknen verteilt man die Blätter auf einem Tuch oder Packpapier und stellt sie an einen warmen, luftigen Ort. Das Trocknen sollte schnell geschehen, damit der Duft und die Farbe erhalten bleiben.

Rote, weisse und vor allem schwarze Johannisbeeren schmecken gekocht oftmals besser, weil sie so ihr volles Aroma entfalten. Mit ihrem intensiven Geschmack ergeben schwarze Johannisbeeren eines der besten Fruchtgelees und man kann ihr gesundes Vitamin C förmlich auf der Zunge spüren. Rote Johannisbeeren harmonieren gut mit anderen weichen Sommerfrüchten wie Himbeeren oder Kirschen.

Himbeeren sind für uns ein Muss. Wir pflanzen die Sorten «Autum Bliss» und «Mekker». Die Himbeeren schützen wir mit Netzen vor Vogelfrass, denn sonst kann es vorkommen, dass Amsel, Rabe und Co. schneller sind.

Der Autor
Remo Vetter wurde 1956 in Basel geboren. 1982 stellte ihn der Heilpflanzenpionier Alfred Vogel ein. Seither ist Vetter im Gesundheitszentrum in Teufen (AR) tätig, wo er mithilfe seiner Familie den Schaukräutergarten von A. Vogel hegt.

Fotos: fotolia.com, plainpicture /Johner

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