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Die Zukunft liegt im Garten

Kategorie: Garten
 Ausgabe 06 - 2011 - 01.06.2011

Text:  Remo Vetter

Es gibt viele Gründe zu gärtnern und ebenso viele Meinungen, wie ein Garten auszusehen hat. Offensichtlich ist jedoch, dass der Garten in Zukunft als Gemüselieferant, Rückzugs- und Erholungsort immer wichtiger werden wird.

Ich stelle mir öfters die Frage, was heute Menschen zum Gärtnern antreibt. Ich glaube nicht, dass es Herrn und Frau Schweizer darum geht, zu zeigen, wer den schönsten Garten hat. Und es geht auch nicht darum, wer den grössten Kürbis gezogen hat, – den ja ohnehin niemand essen kann. Nein, es geht nicht um den Beifall der anderen, sondern um das Gefühl von Zufriedenheit, etwas vollbracht zu haben, vielleicht auch darum, einem Traum zu verwirklichen. In diesem Sinne folgen Gärtner keinen Trends. Nichts desto trotz sind sie zu Trendsettern geworden: Handwerk ist wieder in. Es wird geflickt, gestrickt, alte Möbel werden
restauriert und es wird gegärtnert.

Die Auseinandersetzung mit der Natur und die Möglichkeit, selber etwas zu gestalten, fühlen sich gut an. Garten-Neulinge machen freudige Erfahrungen mit selbstgezogenem Gemüse. Der Stolz, den Gärtner beim Ernten auf dem Balkon oder im Garten verspüren, ist vergleichbar mit Elternfreuden. Wenn sie ihre Ernte zeigen können, führen sich Gärtner manchmal auf wie Eltern eines Neugeborenen.

Immer mehr Menschen hegen den Wunsch, eigenes Gemüse zu pflanzen. Der Bezug zu selbst gezogenem ist ein spezieller – und, was nicht zu vergessen ist, Gemüse aus dem eigenen Garten entlastet das Haushaltsbudget einer mehrköpfigen Familie zum Teil wesentlich. In den Städten sieht man zunehmend farbenfrohe Gärten entstehen, die mit Früchten, Kräutern und Gemüse bepflanzt sind und oft eine attraktive Erweiterung der Innenräume darstellen. Zudem wage ich die Aussage, dass Menschen, die Zeit im Garten verbringen, glücklicher und zufriedener sind, denn nichts ist so heilend wie ein Garten.

Wichtige Arbeiten im Juni
Der 21. Juni ist der längste Tag des Jahres, die Pflanzen bekommen immer mehr Licht und die Temperaturen steigen kontinuierlich. Es gilt nun die Kulturen gut zu überwachen, Nützlinge anzusiedeln und vorbeugende Pflegespritzungen vorzunehmen, damit die Schädlinge im Zaum gehalten werden können und auch das Unkraut nicht überhandnimmt. Es besteht jetzt kaum mehr Frostgefahr und wir können praktisch alles im Freiland aussäen. Wenn die Nächte Anfang Monat noch kühl sein sollten, gilt es wärmeliebendes Gemüse und Kräuter wie Tomaten, Gurken, Peperoni, Kürbisse, Basilikum nachts abzudecken.

Giessen
Die Aussaaten brauchen zur Keimung und guten Entwicklung Feuchtigkeit. Es ist besser, häufiger in kleinen Mengen zu giessen. Wir giessen am frühen Morgen, damit die Pflanzen durch den Tag gut versorgt sind und abtrocknen können. Das Giessen am Abend zieht Schnecken an, die sich nachts über Salat und Co. hermachen.

Mulchen
Mulch unterdrückt das Unkraut und reduziert die Verdunstung der Bodenfeuchtigkeit.

Netze kontrollieren
Die Netze zum Schutz von Kirschen, Beerenfrüchten und heiklen Gemüse müssen intakt und korrekt angebracht sein. So sind Beeren und Co. vor gefrässigen Vögeln geschützt, diese aber auch davor, in schlecht montierten Netzen kläglich zu verenden.

Richtig Unkraut jäten
• Regelmässiges Hacken hilft, wenn das Unkraut noch jung ist und flache Wurzeln hat. Auf jeden Fall muss das Unkraut vor der Blüten- und Samenbildung angegangen werden, sonst könnte der Kampf verloren sein.
• Es ist von Vorteil, bei Trockenheit zu hacken, damit die Unkräuter schneller vertrocknen.
• Bei feuchtem Wetter sollte das gehackte Unkraut eingesammelt werden, damit es nicht wieder anwachsen kann.
• Der Boden soll gründlich gelockert werden, damit beim Unkraut entfernen keine Wurzelreste in der Erde bleiben.
• Mehrjährige und problematische Unkräuter nicht auf den Kompost geben.
• Hartnäckiges Unkraut mit Folie abdecken.

Pflegen
• Sobald Tomaten kleine Früchte bilden, sollten sie wöchentlich einen guten biologischen Dünger erhalten. Die Seitentriebe, die sich in den Blattachsen bilden, müssen ausgeknipst werden.
• Häufeln Sie die Kartoffeln mehrmals an. Das schützt die Knollen vor dem Sonnenlicht und forciert Wachstum und Ertrag.
• Bohnenstangen wie Zeltgestänge aufstellen und mit festen Schnüren zusammenbinden. Es ist wichtig, das die Stangen gut verankert sind, denn der Wind hat schon öfters zu schwache bohnenbehangene Stangen umgeblasen.
• Nach der Spargelernte die Pflanzen gut düngen, Kompost geben und bis im Herbst ins Kraut schiessen lassen. Im Herbst werden die Spargelpflanzen bodeneben abgeschnitten.
• Erdbeerausläufer von der Mutterpflanze trennen und in Töpfe pflanzen. Sommerauslichtungsschnitt bei Stachelbeeren, roten und weissen Johannisbeeren, damit die Früchte genug Sonne erhalten.
• Wilde Himbeerausläufer, die in grösseren Abständen zu den Mutterpflanzen wachsen, sollten ausgerissen und gehäckselt oder kompostiert werden.
• Äpfel, Birnen, Pflaumen, Zwetschgen, Renekloden kontrollieren und eventuell ausdünnen, schwertragende Äste stützen.

Garten als Treffpunkt

Der Schwerpunkt des Gärtnerns hat sich in den letzten Jahren weg vom Traditionellen hin zu einer ungezwungeneren, lustvolleren Art des Gärtners verschoben. Sie ist getragen von einer Leidenschaft für natürliche, biologische Obst-, Gemüse- und Zierpflanzen. «Freie Zeit» unerreichbar im Garten zu verbringen, wird in zehn Jahren vermutlich ganz oben auf unseren Bedürfnislisten stehen. Trotz der zunehmenden Individualität und unterschiedlichen Meinungen darüber, wie ein Garten aussehen sollte, haben sich in jüngster Zeit einige Tendenzen herauskristallisiert.

  • Der Küchengarten nimmt an Bedeutung zu. Der eigene Anbau im Garten wird immer beliebter und ermöglicht den Menschen einen einfachen Zugang zu gesünderem und günstigerem Obst und Gemüse.
  • Viele Menschen führen ein stressbetontes Leben; es entsteht ein zunehmendes Bedürfnis nach einem ruhigen Rückzugsort, einem Wohlfühlgarten, einer Gartenoase. Gärten sind Orte, um die Batterien wieder aufzuladen und um eine Beziehung zur Natur aufzubauen.
  • Gestalten spielt eine wichtige Rolle in unserem täglichen Leben. Sei es bei der Kleidung, die wir tragen, den Häusern, die wir dekorieren oder den Autos, die wir fahren. Der Wunsch, einen Garten zu erschaffen, gibt Gärtnern die Möglichkeit, sich selbst auszudrücken und kreativ zu sein.
  • Viele Gärtner suchen neue Wege und brechen mit den gängigen Gartenkonventionen. Sie ziehen es vor, der Natur ihren freien Lauf zu lassen und kreieren eine «natürliche» Wildnis.
  • In den Städten werden Gärten in Sozialräume verwandelt. Man trifft sich dort mit Familie und Freunden sowie zu Feierlichkeiten wie Hochzeiten, Geburtstagen und anderen Festen.

Der Autor
Remo Vetter wurde 1956 in Basel geboren. 1982 stellte ihn der Heilpflanzenpionier Alfred Vogel ein. Seither ist Vetter im Gesundheitszentrum in Teufen (AR) tätig, wo er mithilfe seiner Familie den Schaukräutergarten von A. Vogel hegt.

Foto: fotolia.com

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