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Kategorie: Natur
 Ausgabe 05 - 2011 - 01.05.2011

Text:  Martin Arnold

Regionale Naturparks wollen nicht nur Flora und Fauna schützen, sondern auch die lokale Wirtschaft fördern. Zurzeit bewerben sich verschiedene Parks um das offizielle Label, darunter auch der Parc Ela in Graubünden.

Wenn man diese kleine Welt nicht erhalten kann, geht es auch im Grossen nicht», sagt Victoria Spinas. Sie ist zweifache Mutter und lebt auf der Alp Flix im Gebiet des Parc Ela. Eigentlich liegt die Alp Flix abgelegen oberhalb des Marmorera-Stausees im Kanton Graubünden. Seit einiger Zeit ist es aber vorbei mit der leicht schläfrigen, fast patagonischen Abgeschiedenheit. Das kam so: An einem von der Zeitschrift Geo und den Schweizer Naturmuseen initiierten Tag der Artenvielfalt im Juni 2000 wurden während einer 24-Stunden-Aktion 2092 Tier- und Pflanzenarten wissenschaftlich dokumentiert – eine sensationelle Vielfalt. Die Wissenschaftler entdeckten dabei auch mehrere in der Schweiz noch unbenannte Spezies, so zum Beispiel 20 Arten aus der Familie der Erzwespen. Eine so üppige Flora und Fauna ì ndet man fast nur noch im Regenwald des  Amazonas.

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Die überraschenden Funde brachten die Wissenschaftler auf den Geschmack: Auf der Alp Flix wird heute intensiv geforscht, neue Tier- und Pflanzenarten werden entdeckt und festgehalten. Victoria Spinas hilft mit, diese reiche Welt zu erhalten und kümmert sich um die verschiedensten Bereiche auf der «Schatzinsel Alp Flix».

Letztes Jahr wurde die Trägerorganisation «Schatzinsel Alp Flix» für ihr Engagement im Alpenraum mit dem Binding-Preis für Natur- und Umweltschutz ausgezeichnet. Zudem sind Dank des Projekts Regio naler Naturpark Parc Ela auch Aufwertungen auf der Alp Flix möglich geworden. Im Sinne der Vorgaben und Richtlinien des Labels Regionaler Naturpark erreichte das Parkmanagement beispielsweise die Verlegung einer Stromfreileitung unter den Boden. «Ein Naturpark soll und kann nicht verbieten und verhindern, aber dafür umso mehr ermöglichen und fördern», erklärt Parc Ela-Geschäftsleiter Dieter Müller die Idee des Labels.

Der Parc Ela, der sich von Tiefencastel bis nach Bergün und Bivio erstreckt, ist mit 550 Quadratkilometern, verteilt auf 19 Gemeinden, der grösste der momentan 15 Anwärter und Bewerber für den offiziellen Titel Regionaler Naturpark. Die Vielfalt der Region ist beeindruckend: Mitten im Ela-Parkgebiet beì ndet sich eine europäische Wasserscheide. Fällt ein Regentropfen beim 2645 Meter hohen Lungin Pass vom Himmel, fliiesst er entweder ins Schwarze Meer, in die Nordsee oder das Mittelmeer ab. Eine Besonderheit ist auch die viaduktreiche Albulabahn, die seit 2008 als Weltkulturerbe den Schutz der Unesco geniesst.

Aus der Not eine Tugend machen

Pro Natura brachte im Jahr 2000 den Stein ins Rollen: Mit dem Aufruf zur Gründung eines neuen Nationalparks und dem Versprechen, diesem Gebiet eine Million Franken für den Aufbau des Parks zur Verfügung zu stellen, animierte die Naturschutzorganisation viele Randregionen – vorerst im Alpenraum – zur Standortbestimmung und Zukunftsvisionen. Denn Abwanderung, Subventionskürzungen und mangelhafte Infrastruktur liessen und lassen die Zukunft abseits der Ballungsräume mancherorts düster erscheinen. Warum nicht aus der Not eine Tugend machen? Freilich merkten bald viele potenzielle Interessenten, dass die Gründung eines Nationalparks mit vielen und strengen Auflagen verbunden ist und gaben das Vorhaben auf. Um den Status Nationalpark bewerben sich zurzeit zwei Projekte: Das eine liegt im Gebiet Adula/Rheinwaldhorn, das andere in der Region Locarnese. Die Gemeinde Cevio, die mitten im geplanten Park liegt, hat das Projekt jedoch abgelehnt. Jäger, Fischer und Besitzer von ausgebauten Grotti fürchteten sich vor zu vielen Auflagen und Verboten. Nun liegt das Projekt in einer verkleinerten Version zur Genehmigung beim Bund.

Intakte Natur gesucht

Weniger streng sind die Auflagen für die Kategorie Regionaler Naturpark und Naturerlebnispark. Das Bundesamt für Umwelt (Bafu) hat, gestützt auf die Kriterien der Internationalen Naturschutzunion (Iucn), 2008 das Natur- und Heimatschutzgesetz revidiert und darin eine Verordnung über Pärke von nationaler Bedeutung erlassen, welche auch die Kategorie Regionaler Naturpark und Naturerlebnispark regelt. Wie der Parc Ela hat sich die Mehrheit der interessierten Regionen für die Variante Regionaler Naturpark entschieden und bereits ein entsprechendes Gesuch beim Bafu eingereicht.

Ein solcher Park ist mit Kern- und Umgebungszone mindestens 100 Quadratkilometer gross und verfügt über vernetzte, schützenswerte Lebensräume. In Schutzgebieten sollten neue Bauten den Charakter der Landschafts- und Ortsbilder bewahren. Ausserdem stärken die Parkverantwortlichen die umweltschonende Nutzung der lokalen Ressourcen, die regionale Verarbeitung der im Park erzeugten Produkte und die Förderung eines nachhaltigen Tourismus. Die Parkverwaltung erarbeitet zudem Projekte in den Bereichen Natur, Gesellschaft und Wirtschaft, die meist von den Kantonen unterstützt werden.

Die Pärke schliessen als Kandidaten für das Label Regionaler Naturpark mit dem Bafu einen Vertrag ab. Dieser muss im Vorfeld demokratisch von den Stimmbürgern aller Parkgemeinden abgesegnet werden, was bereits in der Projektphase das Aus bedeuten kann. So fand der geplante Regionale Naturpark Urschweiz an den Gemeindeversammlungen genauso wenig Gnade, wie das Projekt eines Parks auf dem Seerücken des Bodensees. Der Parkidee wohlgesinnt waren die Stimmbürger in der Region des Parc Ela: 19 von 21 Gemeinden haben dem Projekt zugestimmt. Geschäftsführer Dieter Müller: «Die Menschen sehen, dass mit einem Park eine nachhaltige Entwicklung möglich ist. Dazu gehören wirtschaftliche Überlegungen, aber auch die Erhaltung von Natur und Landschaft.» Umgekehrt sieht Müller für die Gäste in den neuen Parks einen Garant dafür, dass die Natur und Landschaft, aber auch die Kultur intensiv und authentisch erlebt werden können. Bis im Januar reichten acht Parks ihr entsprechendes Gesuch beim Bund ein. Im Spätsommer entscheidet das Bafu über die Vergabe des Labels und die ì nanzielle Unterstützung der Parks.

Fotos: swiss-image.ch/Roland Gerth, fotolia.com, zvg, swiss-image.ch/Marcus Gyger

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