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Der Palmenmörder

Kategorie: Natur
 Ausgabe 05 - 2011 - 01.05.2011

Text:  Katharina Dellai-Schöbi

Nicht jeder Einwanderer ist im Tessin willkommen – der Palmenrüssler ganz bestimmt nicht. Das Insekt ist für Palmen das, was der Borkenkäfer für den Mischwald ist: eine Bedrohung.

Sie ist gerade einmal so gross wie ein Daumen, doch die Schäden, die sie anrichtet, sind riesig. Wenn die Larve des Palmenrüsslers ihre Gänge durch eine Palme bohrt, stirbt diese innerhalb weniger Wochen ab. Unzählige Palmen sind dem gefrässigen Insekt in Südeuropa bereits zum Opfer gefallen – und seine Bekämpfung ist schwierig.

Der Palmenrüssler stammt ursprünglich aus Südostasien. Eingeschleppt durch Pflanzenimporte breitet er sich nun aber auch in Europa aus. Spanien, Italien und Frankreich sind bereits betroffen. Die Weibchen legen in die Krone einer Palme rund 300 Eier. Sobald die Larven geschlüpft sind, fressen sie sich durch das weiche Gewebe der Pflanze. Die Geräusche der Mundwerkzeuge sind mit blossem Ohr als leises Knacken zu hören – oft die einzige Möglichkeit, den Befall einer Palme frühzeitig zu erkennen. Denn die ersten äusserlich sichtbaren Symptome treten erst Wochen nach dem Befall auf: Die Palmwedel werden gelb und schliesslich stirbt die Krone ab.

Gefällt und verbrannt

Da die Palmenrüssler gegen viele Insektizide resistent sind, zielt die derzeit beste Bekämpfungsmassnahme auf die Pflanzen ab. Wird bei einer Palme das Knacken fressender Larven vernommen, wird sie gefällt und verbrannt. Doch diese Methode ist nicht so effizient wie gewünscht. Die Käfer fliegen nämlich oft einfach davon, wenn es ihnen zu heiss wird. Die Suche nach effizienteren Bekämpfungsmethoden läuft daher auf Hochtouren.

Experten versuchen zum Beispiel, den Käfern mit Krankheitserregern Herr zu werden. Experimente mit Viren und Milben brachten zu wenig Erfolg, doch Fadenwürmer und Pilze versprechen Hoffnung. «Eine weitere Möglichkeit sind Pheromonfallen, welche die Tiere mit Sexualhormonen anlocken», sagt Wolfgang Billen von der «Entomologischen Zeitschrift der Schweiz». Für eine effiziente Wirkung müssten aber bereits vor dem Auftreten der Käfer genügend Fallen aufgestellt werden, um die meisten Tiere sofort einzufangen.

Tessin ist gerüstet

Im Tessin stehen Pheromonfallen bereit. «Bei uns sind noch keine Palmenrüssler beobachtet worden, aber wir möchten bereit sein, wenn sie kommen», sagt Luigi Colombi vom Tessiner Pflanzenschutzdienst. Denn dass sie in die Schweiz einwandern, ist nur eine Frage der Zeit. Zwar sei es im Tessin nicht so warm wie in Südeuropa, meint der Experte, doch die Käfer fänden auch hier einen geeigneten Lebensraum. Als Präventionsmassnahme gibt es derzeit nur ein Importverbot. «Aus Gebieten, in denen der Käfer vorkommt, dürfen keine Palmen eingeführt werden», erklärt Colombi. Und Palmen, die aus anderen Ländern importiert würden, müssten über ein Pflanzenschutzzeugnis verfügen. Allerdings dürften langfristig auch diese Massnahmen nichts nützen, denn der Palmenrüssler kann fliegen. Und vor politischen Grenzen machen Insekten keinen Halt.

Foto: zvg

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