Artikel Natur :: Natürlich Online

Wilde Nebel

Kategorie: Natur
 Ausgabe 05 - 2011 - 01.05.2011

Text:  Peter Donatsch

Mitten im Herzen des Alpsteins steht das Berggasthaus Rotsteinpass. Hier leben Naturgenuss suchende Wanderer mit dem Berg – und der Berg lebt mit ihnen.

Die saftig grünen Wiesen, die tiefgründig blauen Seen und die hellen Kalkplatten des Alpsteinstocks, von Urkräften senkrecht aufgerichtet, sind keine weltberühmten Naturdenkmäler, sondern vielmehr Kleinode der Natur. Sie entzücken nicht nur Geologen. Längst haben auch Blumenfreunde, Wanderer und Kletterer die erdgeschichtlichen Schaustücke entdeckt. Beispielsweise im Frühling oder Herbst, wenn das Rheintal tief unten in klammem Grau versinkt. Nasskalt lastet der Nebel über dem St. Galler Rheintal und verbreitet Moll-Farben und Moll-Töne. Feuchte Ahornblätter kleben auf der Strasse. Im Wald hängt der Nebel zwischen den Baumstämmen und schleicht sich in jeden Winkel. Die Wassertröpfchen an den Ästen scheinen zu prachtvollen Orchideen aufzublühen, während darüber das Grau senkrechter Felswände ätherisch entrückt in den stahlblauen Himmel wächst. Wir stehen am wunderbaren Ort der Nebelgrenze. Die Alphütten und Berggasthäuser dösen in der Sonne, Löwenzahn und Margeriten blinzeln ins helle Licht und freuen sich an diesem Tag. Grashalme wiegen sich im Wind.

Mit einem Paukenschlag

Der Alpstein ist ein einzigartig verwinkeltes und verwirrendes Labyrinth von jäh aufschiessenden Felspfeilern, tief eingeschnittenen Tälern, steilen Grasflanken, aussichtsreich gelegenen Alphütten und glitzernden Bergseen. Der Aufbau des Gebirges ist komplex und ermöglicht auf kleinem Raum eine unglaubliche Vielfalt an Eindrücken: So bauen sich aus den sanften Hügeln des Innerrhodischen mehr und mehr Steilabbrüche wie Kamor, Alpsigel und Ebenalp und weiter Kolosse wie Altmann, Hundstein und Freiheit auf; vom zentralen Kamm gehen immer wieder Seitenäste aus und feine Gratketten wie die Kreuzberge oder Kalkplatten wie der Wildhauser Schafberg begrenzen und begleiten das Ganze, und das alles endet schliesslich wie selbstverständlich mit einem Paukenschlag auf dem Gipfel des Säntis, sich kumulierend, auf 2503 Meter über dem Meer.

Genuss für Eingeweihte

Der Alpstein, seine Landschaft und auch die Hütten und Gasthäuser erfreuen in erster Linie den «eingeweihten» Geniesser, der auch die unspektakulären Zeichen der Natur zu deuten vermag. Und der Alpstein ist, ganz im Gegensatz zu den Viertausenderregionen der Alpen, ein ausserordentlich «menschenfreundliches» Gebirge. Hören wir auf Ruedi Schatz, den Nationalrat, Autor und Alpsteinkenner: «Im Alpstein sind Mensch und Natur eine einzigartige und unaufl ösliche Verbindung eingegangen. Die Berge sind nicht vom Menschen unterjocht, und sie unterjochen ihn nicht, sondern sie leben mit ihm zusammen, sie nehmen ihn auf, sie lassen ihn bei sich nicht nur als seltenen Gast, sondern als Nachbar und Freund zu.»

Viele Wege führen auf den Rotsteinpass
Berggasthaus Rotsteinpass
Das Berggasthaus liegt aussichtsreich auf 2120 m Höhe im Sattel des Rotsteinpasses und wird von Wanderwegen aus mehreren Richtungen erreicht.
Einfaches Berggasthaus, neu umgebaut und renoviert. Restaurant mit sehr gutem Speise- und Getränkeangebot, keine Selbstversorgermöglichkeit.
Einrichtung
90 Plätze im Matratzenlager, in verschieden grosse Räume unterteilt, 2 Doppel-, 1 Viererzimmer, Gruppenräume, Preisreduktion für Kinder und Schulklassen.
Reservation
Bei Cäcilia und Albert Wyss-Räss. Juni bis Oktober: 071 799 11 41 oder 079 233 35 56, November bis Mai: 071 799 15 68, E-Mail: infowhatever@rotsteinpass.ch, www.rotsteinpass.ch
Öffnungszeiten und Bewartung
Juni bis Oktober
Führer
Wanderführer Alpstein-Säntis, Verlag Kümmerly + Frey
Karte
1 : 25 000: 1115 Säntis
1 : 60 000: Wanderkarte Obertoggenburg-Alpstein
Talorte
Wasserauen AI (868 m ü. M.), Wildhaus SG (1090 m ü. M.), Unterwasser SG (906 m ü. M.) Anreise mit öffentlichem Verkehr: Mit dem Zug nach
Buchs und weiter mit dem Postauto nach Wildhaus oder Unterwasser oder mit dem Zug über St. Gallen, Herisau, Appenzell nach Wasserauen.
Mit der Luftseilbahn Schwägalp–Säntis. Mit dem Auto an die Ausgangsorte.
Zustiege über Bergwege (weiss-rot markiert)
• Ab Wasserauen über Seealpsee und Meglisalp: 3 ½ Std., Wanderweg.
• Ab Wildhaus über Gamplüt, Thurwies, Schafboden: 4 Std.
• Vom Säntis über Lisengrat (mit Drahtseilen gesichert): 1 Std.
• Vom Hohen Kasten über Stauberen, Saxerlücke, Zwinglipass, Altmannsattel: ca. 7 bis 8 Std.
Varianten
• Zum Säntis über Lisengrat (teilweise mit Drahtseilen gesicherter Bergweg für trittsichere und schwindelfreie Berggänger): 1 ¼ Std.
• Fliswand, Altmannsattel, Zwinglipass, Fälensee, Bollenwees: 2 ½ Std.
Diese beiden Wege erfordern Trittsicherheit und Schwindelfreiheit, Kinder werden am besten mit einer Reepschnur gesichert.
• Abstieg zur Meglisalp und zum Seealpsee: 2 Std., Wanderweg.
Wandergipfel
• Säntis (2504 m ü. M.), Lisengrat: 1 ¼ Std.
• Altmann (2436 m ü. M.): 1 Std.
• Wildhauser Schafberg (2363 m ü. M.): 2 Std.
Umgebung der Hütte
Einige Blöcke zum Klettern. In 1 Std. Entfernung Klettergarten Meglisalp mit Möglichkeit für Plattenkletterei in verschiedenen Schwierigkeitsgraden.
Sehenswürdigkeiten
Steinbockkolonie in der näheren Umgebung, herrliche Alpenflora im Frühsommer. Das Alpsteingebiet ist auch geologisch sehr interessant.

Foto: at-verlag.ch

Tags (Stichworte):

Kategorie: Natur

Das Bambusschiff im Regenwald

«Kapal Bambu», auf Deutsch «Bambusschiff», ist ein Restaurant, ganz aus Bambus...

Kategorie:

Kategorie: Garten

Schleck!

Fruchtig, leicht und manchmal prickelnd: Sorbet ist zum Dahinschmelzen und...